

Kontakt
Redaktion
Anzeigen
Die Buchreihe um Kommissar Kluftinger hat das Allgäu deutschlandweit auf die Landkarte der Krimifans gesetzt. In schöner Regelmäßigkeit landen die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr mit ihrem eigenwilligen Ermittler aus Kempten, wohnhaft im beschaulichen Altusried, einen Bestseller. Für die Leserschaft aus der Region mindestens so spannend wie der jeweilige Fall ist dabei die Frage: An welche uns vertrauten Örtlichkeiten führt diesmal die Verbrechersuche?

Das Cover des Kluftinger-Krimis „Blendwerk“, gemeinsam verfasst von Volker Klüpfel und Michael Kobr.
In „Blendwerk“, dem jüngst erschienenen vierzehnten Band, kommt das Lokalkolorit besonders gut zur Geltung. Bei einem Familienausflug besucht Kluftinger das Westallgäu. Der Eistobel zwischen Maierhöfen und Grünenbach hat es als Foto-Hotspot in den Sozialen Medien zu einiger Berühmtheit gebracht. Der Grund dafür ist eine – von Klüpfel und Kobr erfundene – koreanische Fernsehserie, für die hier eine kleine Szene gedreht wurde. Kluftingers japanische Verwandtschaft, die er durch die Heirat seines Sohnes hinzugewonnen hat, muss unbedingt an den gehypten „Icy Tobel“.
Doch ausgerechnet hier, wo sich die Wasser der Oberen Argen in die Tiefe stürzen, treibt nun eine Wasserleiche. Bei der Toten handelt es sich um eine im Internet bekannte Influencerin. Die Suche nach dem Täter oder der Täterin führt mitten hinein in die digitale Welt: zu Instagram und TikTok, zu den Content-Creators, die sich dem Allgäu verschrieben haben und in ihren Beiträgen dessen touristische Schönheiten anpreisen – häufig zu Marketingzwecken und gegen Bezahlung.
Im Zuge der Ermittlungen verschlägt es Kluftinger auch nach Wangen. Hier muss man einfach zitieren: „Dass er an einem sonnigen Herbsttag in eine der schönsten Kleinstädte im Allgäu fahren durfte – wenn auch des württembergischen Teils – und dafür auch noch bezahlt wurde, war ein Privileg, dessen er sich sehr wohl bewusst war.“ Nach der Befragung einer Zeugin bleibt sogar noch Zeit für gleich zwei Leberkäswecken vom Fidelisbäck. Wobei der Kommissar – wie an der Iller und vor allem jenseits davon üblich – nicht von „Wecken“, sondern von „Semmeln“ spricht.
Kluftinger hockt nun im Altusrieder Gemeinderat
Weitere regionale Höhepunkte des Buches sind das Zentrum von Lindenberg, die Brauerei in Meckatz und der Skyline-Park an der Autobahn A96. Selbstverständlich hat auch der Gerichtsmediziner aus Memmingen seinen Auftritt. Und natürlich darf das Altusrieder Gemeindeleben nicht fehlen. Im Vorgängerband wurde Kluftinger in den Gemeinderat gewählt. Wie er sich nun mühsam durch die Lokalpolitik schlägt, sorgt für manche komödiantische Szene. Dabei bietet sich auch eine neue Bühne für die Dauerfehde mit dem neunmalklugen Doktor Langhammer.
Die Komik nimmt in den Kluftinger-Romanen traditionell breiten Raum ein. Das funktioniert vor allem dort, wo das Autorenduo den Bogen nicht überspannt. Die Tollpatschigkeit des Kommissars in technischen Fragen und im sozialen Umgang wirkt bisweilen etwas überzeichnet. Wo er allerdings als Allgäuer Original in Erscheinung tritt, als Verfechter überlieferter lokaler Eigenheiten, als Halloween-Skeptiker oder auf der Flucht vor der trendigen und allgegenwärtigen Kürbissuppe, ist das ein großer Lesespaß.
Neben all den komischen Seiten kommt aber auch die Krimihandlung nicht zu kurz. Die Auflösung des Mordfalls ist durchaus lesenswert und offenbart einiges über die Mechanismen der digitalen Medienwelt und die sehr menschlichen Abgründe, die sich dahinter auftun.
Christoph Schmaus
Volker Klüpfel und Michael Kobr, Blendwerk. Kluftinger ermittelt. Ullstein, 432 Seiten, 25 Euro.
Weitere Buchbesprechungen von Christoph Schmaus finden Sie nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch …“


































