Hauerz – Die Freunde des Hauerzers Theaters durften sich auf eine „haarige“ Komödie freuen, nachdem die Truppe im vergangenen Jahr eine Spielpause eingelegt hatte. Das Premierenpublikum, darunter viele Theatergruppen aus der Umgebung, konnte sich vom ausgegebenen Motto überzeugen: Waschen, Schneiden, Lachen!
Das Stück „HAIRschaftszeiten!“ stammt aus der Feder von Winnie Abel, die als Redakteurin beim ZDF arbeitet, in Südhessen aufgewachsen ist, dort auch jahrelang in einer Theatergruppe Mitglied war. Regisseurin Irene Brauchle und ihre Truppe schafften es dabei spielend, durch die toll herausgearbeiteten Charaktere das Publikum auf seine Seite zu ziehen.
Da wäre zum einen die Frisörmeisterin Moni Müller (Elvira Vogel-Gutschi), die ihren Salon, was das Handwerkliche angeht, gut im Griff hat. Beim Thema Steuererklärung allerdings ihrem nicht gerade an mangelndem Selbstvertrauen leidenden Ehemann Gerhard (großspurig und voll von sich überzeugt: Markus Brauchle) im orange-farbenen T-Shirt („Als Gott mich schuf, wollte er angeben“) voll vertraut hat. Selbst, dass ihre Angestellte Celina ( Angelika Treuer gab die Frisörin für Mutige sehr überzeugend) nicht gerade zu den hellsten Kerzen auf Gottes Torte zählt, konnte sie noch ausgleichen. Deren Lieblingsspruch wurde zum Running Gag während der drei Akte. Immer wenn sie den Kunden einen Kaffee servierte, kam: „Bitte sehr, ein Kaffee frisch verbrüht.“ Gerhard Müller hielt nicht allzu viel von deren Intelligenz „Wenn Dummheit schrumpft, kann die von der Teppichkante aus noch Fallschirmspringen.“ Weil die Dame an einer Leseschwäche litt, kam es, dass die Ankündigung für die Betriebsprüfung durch das Finanzamt erst einmal ungelesen liegen blieb.
Die Steuerprüfung
Als dann der Ehemann das Schreiben endlich öffnete, fiel er aus allen Wolken. Er, der sonst nicht gerade zu den fleissigsten Menschen zählte, verfiel in hektischen Aktionismus, denn um Steuern zu sparen, mussten diverse Gegenstände aus den Privatgemächern in den Salon gebracht werden, denn die Prüfung sollte bereits in einer halben Stunde beginnen. Und der Prüfer war ausgerechnet Stefan Stanz, den Corvin Frey als die Korrektheit in Person darstellte, dem Gerhard Müller einstmals die Freundin, nämlich seine jetzige Frau ausgespannt hatte…
In der Aufregung über die demnächst zu platzen drohende Bombe der diversen Steuertricks, übersah das Ehepaar Müller jedoch den Namen des Steuerprüfers. Und hielten Rainer Zufall (Raphael Kroll), den nichts ahnenden Vertreter für Friseurprodukte, für den Steuerprüfer, der sich von den vom schlechten Gewissen geplagten Eheleuten gerne mit Kopf- und Fußmassage verwöhnen ließ, ehe diese ihren Irrtum bemerkten und kurz darauf der richtige Steuerprüfer in der Tür stand.
Es war herrlich anzusehen wie die Marotten des Stefan Stanz ebenso wie die einiger Kunden aufs Korn genommen wurden. Ehe er nämlich seinen „Frischverbrühten“ trank, wurde die Tasse dreimal im Kreis gedreht, oh pardon, viermal. Zerknitterte Belege waren dem Prüfer ein Graus, daher hatte er ein Mini-Bügelbrett samt Bügeleisen dabei.
Da war der Kunde Schorsch (Ulrich Rettenmaier), der, wohin er auch ging, mit dem Bildnis seiner verstorbenen Mutter Zwiesprache hielt und immer ihr Grablicht dabei hatte. Dieser wünschte sich eine Frisur wie Florian Silbereisen und futterte nebenbei die gesamte als Kaffeebeilage gedachte Keksdose leer.
Da war die Stammkundin Gisela Heck (Marion Kroll), die sich im Laufe der Steuerprüfung in die schon lange im Seniorenheim lebende Tante verwandelte, die vom „cleveren“ Ehemann aber als Putzhilfe auf der Liste der Angestellten geführt wurde. Auch der charmante, allerdings schwule Frisör Silvio stand dort noch, obwohl er schon vor Monaten zur Selbstverwirklichung nach Indien aufgebrochen war. Folglich musste Gerhard Müller in dessen Rolle schlüpfen, auch um die hypernervöse Braut Anna (Kathrin Klingler) zu beruhigen, die unbedingt von Silvio bedient werden wollte. Diese war schon dem Nervenzusammenbruch nahe, als sie erfuhr, dass bei Bäcker- und Konditormeisterin Nadine (Michelle Schneider), der besten Freundin von Chefin Monika Müller, statt einer dreistöckigen Torte nur eine zweistöckige Torte bestellt worden war.
Schließlich war da noch die Stammkundin Dagmar Schiller, die von Gundula Hutzler-Schmidt dargestellt wurde. Dass die beiden Stammkundinnen die Behandlung durch den falschen Silvio natürlich nicht ohne „Komplikationen“ überstanden, war sonnenklar. Aber bevor die Probleme endgültig irreversibel werden konnten, tauchte der echte Silvio wie ein Silberstreif am Horizont auf. Jan Gapp verlieh dem exaltierten Frauenliebling Gestalt und dieser wurde zum Hoffnungsträger für das obligatorische Happy-End, das trotz aller „haariger“ Verwicklungen doch noch zustande kam.
Sowohl Gundula Hutzler-Schmidt als auch Michelle Schneider debütierten in überzeugender Manier an diesem Premierenabend auf den Bühnen-Brettern in Hauerz. Nachdem der letzte Vorhang gefallen war und sich alle, Regisseurin Irene Brauchle, Souffléuse Theresa Heckelsmiller und Markus Sigg und Yannik Rettenmaier, die gemeinsam mit Markus Brauchle dafür sorgten, dass die Technik auf und vor der Bühne funktionierte, dort versammelt hatten, lüftete Raphael Kroll, der Leiter der Theatergruppe, das Geheimnis:
40-jähriges Bestehen der Theatergruppe
Die Gruppe feiert in diesem Jahr ihr 40jähriges Bestehen und hatte deswegen viele ehemaligen Mitspieler eingeladen. Geehrt und mit einem Geschenk bedacht wurden für 40 Jahre: Irene Brauchle und ihre Mutter Hedwig Menig, Annemarie Herberger, Emma Kibler und Karl Schöllhorn. Für 10 Jahre wurden geehrt: Marion Kroll und Raphael Kroll, Corvin Frey und Markus Sigg.
Weitere Aufführungstermine
Weitere Aufführungstermine in der Turn- und Festhalle Hauerz im Tulpenweg sind am Freitag, 6.11. (20.00 Uhr); Samstag, 7.11. (17.00 Uhr) und Sonntag, 8.11. (14.00 Uhr).
Text und Fotos: Uli Gresser
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