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Karl Ehrmann öffnet seine Schatzkammer (3)

Oldtimer mit und ohne Pferd

Foto: Margit Reischmann
Karl Ehrmann bei der Führung durch sein Museum am Viehmarkt. Er weiß zu jedem Gegenstand eine Geschichte.
veröffentlicht am: 19.06.2026
Autor: Winfried Reischmann
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Bad Wurzach – „Lauter alter Kruscht, den i do gsammelt hon“! Mit diesem Satz von Karl Ehrmann begann eine mehr als zweistündige Führung in seinem privaten Museum am Viehmarkt. Gerhard und Margit Reischmann sowie dessen Bruder Winfried bekamen nach einer eher zufälligen Begegnung mit dem Seniorchef von Ehrmann-Reisen eine Einladung der ganz besonderen Art. Winfried Reischmann berichtet:

Absolut nichts deutet von außen darauf hin, dass sich hinter der Fassade des „einstigen Hauses des Stadtknechts am Viehmarkt“ ein Museum verbirgt mit vielen kleinen und großen Schätzen. Das Ende des 17. Jahrhunderts erbaute Fachwerkhaus beherbergte seinerzeit nicht nur den Stadtknecht, vielmehr diente es mehr als 100 Jahre auch als Gefängnis.

Ehrmann hatte früh mit seiner Sammelleidenschaft angefangen und seine gesammelten Exponate zunächst in einer Halle auf dem heutigen Firmengelände von Ehrmann-Reisen untergestellt, bevor er die Gelegenheit beim Schopf ergriff und das Gebäude von Frau Elbs, einer von fünf Töchtern von Pia und Josef Bertele (einst Inhaber des Gasthauses „Bertele“), erwerben konnte.

Seine Exponate verteilen sich über zwei Geschosse. Während im Obergeschoss vorwiegend Gegenstände aus der Landwirtschaft sowie einer Reihe weiterer, zum Teil nicht oder kaum mehr ausgeübter Berufe wie Sattler, Wagner, Schmied etc. zu bestaunen sind, befinden sich im Erdgeschoss vor allem Oldtimer und Kutschen samt Zubehör. Und nicht zuletzt ein Relikt aus längst vergangener Zeit: ein Paar Gefängnis-Handschellen. „Nur der Vollständigkeit halber“, wie unser Museumsführer anmerkte. Sichtlich stolz war er auf seine Kutschen, von denen jede einzelne eine Geschichte erzählen konnte, etwa von der Originalkutsche des Viehhändlers Xaver Kiefer, Vater von Bruno Kiefer, die wegen seiner Gehbehinderung extra mit einem tiefen Einstieg gebaut worden sei.

Als er auf die Kutsche „Victoria“ (Bild), benannt nach der britischen Queen Victoria, zu sprechen kam, gestand Ehrmann eine „kleine Sünde“ ein. Auf dieses edle Cabrio mit echtem Lederbezug auf den Sitzen hatte er schon länger ein Auge geworfen gehabt. Doch als es zum Verkauf angeboten worden sei, sei ihm ein Händler aus Eberhardzell zuvorgekommen und habe den Kauf „eigentlich“ schon per Handschlag getätigt. „Des war it ganz richtig von mir“, bekannte er mit einem Augenzwinkern scheinbar reumütig. Ihm sei der Umstand zugutegekommen, dass der Eberhardzeller nicht sofort bar bezahlt habe. Er habe dann eben „a bizzle meh“ geboten und das Geld direkt auf den Tisch gelegt, so Ehrmann mit leicht schelmischem Blick. Natürlich habe ihn sein Gewissen etwas geplagt, weshalb er den eigentlichen Käufer zusätzlich mit einer Abstandszahlung entschädigt habe. Damit sei´s dann auch gut gewesen.

Auch ein zweispänniger Gesellschaftswagen, genannt „Präg“, für zehn Personen fand, wenngleich nur mit viel Mühe, einen Platz im Museum. Ausgestattet mit einer Kerze als Lampe sei er der Vorläufer vom Omnibus gewesen. Alles andere als einfach sei es gewesen, diesen durch die für ein Oldtimermuseum eigentlich viel zu enge zweiflüglige Tür zu bugsieren. Nur mit viel Geschick und Geduld sei das schlussendlich gelungen.

Und dann steht da noch ganz hinten rechts im Raum das wahrscheinlich wertvollste Gefährt: Ein Original-Landauer vom damaligen Hersteller Binder-Paris, der nur als Vierspänner habe eingesetzt werden können. Gut 170 Jahre habe dieser auf dem Buckel und sei nach dem Krieg für unglaubliche 100.000 Mark gehandelt worden. Der Name „Landauer“ sei, so eine gängige Version, entstanden, als Josef I., der spätere Kaiser, im Jahre 1702 damit von Wien nach Landau in die Pfalz gefahren sei. Eine andere Version bringt den Kutschnamen mit dem Ortsnamen Landau in Verbindung. Dort sollen Wagen dieses Typs zuerst oder in besonderer Qualität gebaut worden sein.

Für diese und auch andere Kutschen sei es erforderlich gewesen, einen sogenannten Bremsschuh für die Fahrt bergab einzusetzen, da die meisten Kutschen nicht mit ausreichend sicheren Bremsen ausgestattet gewesen seien.

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Nicht zuletzt wegen dieses Bremsproblems gelten die Kutschen heute nicht mehr als verkehrssicher, weshalb sie auf öffentlichen Straßen und Wegen nicht mehr eingesetzt und somit auch nicht mehr verliehen werden. In dem Zusammenhang merkte Karl Ehrmann süffisant an, dass „drei Sacha niamols verlieha werra dürfet: Kutsche, Frau und d‘r Geldbeitel“.

Karl Ehrmann zeigt das zum Doktorwagen passende Utensil: eine alte Arzttasche.

Als letzte Kutsche kam er auf den Doktorwagen zu sprechen, der früher hauptsächlich von Ärzten gefahren worden sei, weil es ein Einspänner war; der Arzt, oft auf die Schnelle da und dorthin gerufen, war beim „Doktorwagen“ beim Einspannen nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

Dass der Doktorwagen mitsamt Pferd in seinem Museum zu bestaunen war, verdankt Karl Ehrmann „wieder einmal einem Zufall“. Bei seiner allerletzten von insgesamt 58 Fahrten mit Hilfslieferungen nach Weißrussland (offiziell: Belarus) entdeckte er auf einem freien Feld in Polen ein lebensgroßes Pferd aus Kunstharz. Sofort dachte er an seinen Doktorwagen und wurde rasch mit dem Besitzer, einem polnischen Straßenhändler, handelseinig. Sein Bus sei auf der Rückfahrt zwar leer gewesen, aber den unbiegsamen, störrischen Gaul ins Fahrzeug hineinzuverfrachten sei nicht ganz einfach gewesen. Zusammen mit Paul Thum, dem früheren Stadtbaumeister, der bei den Hilfsfahrten oft dabei war, sei das nach einigem Hin und Her gelungen, ohne dass Bus oder Pferd Schaden genommen hätten.

Auch wenn der „Pole“, wie Ehrmann das Tier mehr oder weniger liebevoll nannte, beim Betreten des Museums schon wegen seiner Größe unweigerlich ins Blickfeld rückt, stechen andere Schätze deutlich stärker ins Auge: seine Oldtimersammlung.

Mehr noch als von seinen Pferde-Kutschen schwärmte Karl Ehrmann noch von den auf Hochglanz polierten, teils restaurierten „motorisierten Kutschen“. Schließlich dürfen, besser gesagt, müssen diese Karossen regelmäßig bewegt werden, damit sie nicht an Wert verlieren oder im wahrsten Sinne des Wortes einrosten. Und nichts lieber als das tut Ehrmann, etwa beim jährlichen Oldtimertreffen am 1. Mai auf Schloß Zeil. Zuletzt habe er dazu seinen alten Opel mit der Bezeichnung „1033“ aus der Garage geholt. Es sei für ihn etwas sehr Besonderes gewesen, diesen 18-PS-Oldtimer mit 998 ccm zu lenken, zumal Gefährt und Fahrer das gleiche Baujahr (1935) aufweisen und dieses Modell nur in relativ geringer Stückzahl gebaut worden sei.

Dagegen sticht sein nur um ein Jahr jüngerer BMW 319 (Bild) ungleich mehr ins Auge. Schon ob seiner feuerroten Farbe ist das 45 PS starke Cabrio ein wahrer Hingucker mit einer bewegten Vergangenheit. Es sei 1936 nagelneu, damals in grauer Farbe, von der Wehrmacht eingezogen und in Oslo für militärische Zwecke verwendet worden. In den Achtzigern habe ein Fabrikant aus Hittisweiler das Auto erstanden und es aufwändig restauriert. Nach seinem Tod habe die Witwe das Interesse verloren und sich zum Verkauf entschlossen.

Kaum weniger auffallend steht links daneben der „Wanderer W 10“ (Bild) , eine 4-türige Limousine, die später gerne als Hochzeitsauto Verwendung gefunden habe und vom Voreigentümer deshalb „leider grün lackiert“ worden sei. Obwohl ihm die neue Farbe so gar nicht gefiel, und er sogar eine Umlackierung erwogen habe, habe Ehrmann den 30-PS-Oldtimer, der zwischen 1930 und 1932 lediglich 4500 Mal gebaut worden sei, vor allem deshalb erworben, weil sein Vater Xaver einen solchen besessen habe.

In Ehrmanns Oldtimer-Museum findet sich ein Abteil mit zugehörigen Gerätschaften. Hier zeigt der Sammler einen historischen Bremswegmesser.

Ehrmanns ältester Oldtimer hat genau 100 Jahre auf dem Buckel, wurde gebaut anno 1926. Die wegen seiner grünen Farbe im Volksmund landläufig als Laubfrosch bezeichnete 16 PS-Oldtimer-Rarität war das erste am Fließband produzierte Auto für den „kleinen Mann“, sozusagen der erste Volkswagen, allerdings kein VW, sondern ein Opel.

Der Opel „Laubfrosch“ aus dem Jahr 1926 hat noch die Originallackierung von damals. Das Auto ist fahrbereit.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie dieses gut erhaltene, nie restaurierte, also im Originalzustand befindliche Exemplar, das einst der Gründer von Ravensburger Spiele, Otto Maier, besessen hatte, den Weg ins Museum gefunden hat, der darf sich gerne an seinen heutigen Besitzer wenden. Wir hatten den Eindruck, Karl Ehrmann schließt seine unscheinbare zweiflüglige Museumstür für Interessierte gerne auf.
Text: Winfried Reischmann / Fotos: Winfried Reischmann (5), Margit Reischmann (2)

Nachstehend, unter „Lesen Sie hierzu auch“, finden Sie Teil 1 und Teil 2 unserer kleinen Serie zu Karl Ehrmanns privatem Museum. Damit schließen wir die Serie vorerst ab. Kann sein, dass wir wieder mal bei ihm vorbeischauen. Im Oberstock wartet ein Fülle an Gerätschaften, hinter denen so manche Geschichte steckt. Karl Ehrmann weiß sie zu erzählen.

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