Bad Wurzach – Karl Ehrmann, der Gründer des Busunternehmens Ehrmann Reisen, frönt schon seinen Lebtag lang einer Passion: Er sammelt Gegenstände samt ihrer Geschichte(n). Nun gab der 90jährige den Ortsheimatpflegern und Interessierten der Großgemeinde einen Einblick in seine Schatzkammern.
Was diesen Rundgang so besonders machte, waren die Ausstellungsstücke selbst, aber vor allem die Geschichten, die Karl Ehrmann zu dem jeweiligen Exponat zu berichten hatte.
Da gab es die Geschichte der Viktoria-Kutsche, die er auf einem Hofgut in Witzmanns entdeckt hatte und die einst im Besitz des Chemie-Nobelpreisträgers Fritz Haber gewesen war. Oder wie er das aus Polen stammende, lebensgroße Pferd aus Kunstharz, das in der Ausstellung den einspännigen Doktorwagen „zieht“, damals bei seiner letzten Hilfs-Fahrt nach Weißrussland auf dem Rückweg in seinen Bus bekommen hat. Oder wie er den in diesem Jahr 100 Jahre alt werdenden hellblauen und mit einem Schwiegermuttersitz ausgestatten Opel-Laubfrosch-Oldtimer auf Vermittlung des Kabarettisten und Mundartdichters Manfred Hepperle von dem Gründer der Ravensburger Spiele, Otto Maier, abkaufen konnte. Oder die Geschichte eines alten Koffers, auf dem ein Bild des Hotels in Venedig prangt, in dem Karl Ehrmann mit 50 Jahren Verspätung seine Flitterwochen verbrachte.
Eines seiner neuesten Prunkstücke ist das Schultheiß-Zimmer, das er mit vielen Exponaten aus der Einrichtung eines Wohnzimmers eines Schultheißen, wie der Bürgermeister früher genannt wurde, bestücken konnte. Im Zimmer daneben hatte er seine eigene elektrische Modelleisenbahn aufgebaut, um jüngeren Menschen zu zeigen, dass es auch noch etwas anderes zum Spielen gibt als die virtuelle Welt des Tablets.
Im oberen Stockwerk präsentierte Karl Ehrmann neben zahlreichen Handwerkszeugen von Handwerkern und Landwirten unter anderem einen „Arbeitsbock“ eines Schuhmachers, der auf den Namen Schusters Rappe hörte. Aber auch die Büroeinrichtung seines Vaters samt einer Geschichte zu der Hyperinflation von 1923. Ein Bauer, der seinen Hof verkaufen musste, erhielt für den Verkaufspreis am anderen Tag gerade einmal einen Laib Brot als Gegenwert! Dass natürlich auch die Stadt Wurzach ihr eigenes Notgeld druckte, auch dafür hatte Karl Ehrmann einen Beweis: Er quittierte das Zeigen eines 50 Millionen Mark-Scheines mit der ironischen Bemerkung, dass er diesen gerne für den entsprechend aufgedruckten Wert hergeben würde.
Webstühle der Firma X. Ehrmann
Nicht fehlen durften natürlich einige Webstühle. Bis zu 350 Leute waren in der Weberei X. Ehrmann und seinen beiden Filialen in ihren besten Zeiten beschäftigt.
Die Führung hatte auch einen topaktuellen Bezug: Karl Ehrmann hat das originale, bestimmt sehr alte sogenannte Glockenjoch aus Eichenholz aufgehoben, das damals in den 70er Jahren im Glockenstuhl des St. Verena Kirchturmes durch ein solches aus Stahl ersetzt wurde. Diözese und Kirchengemeinde haben bereits für die aktuelle Turmsanierung von St. Verena, in deren Zug die Glockenjoche wieder aus Eichenholz gefertigt werden sollen, angefragt, ob sie das Joch als Vorbild „ausleihen“ dürften.
Im Laufe des zweiten Weltkrieges sollten auch die Glocken von St. Verena für Kanonen eingeschmolzen werden. Viel Glück hatte Bad Wurzach, dass es dazu nicht kam. Die Geschichte der abenteuerlichen, ja gefährlichen Rückholaktion, nachdem diese nach dem Krieg auf einem Schrottplatz in Dülmen entdeckt worden waren, bei der sein Vater Xaver Ehrmann maßgeblich beteiligt war, war eine weiteres von vielen Mosaiksteinchen, mit dem Karl Ehrmann die Besucher fesselte.
Zum Abschluss des Rundganges durch seine Sammlung lud er die tief beeindruckten Besucher noch zu sich nach Hause ein, wo er neben den in dem Gebäude untergebrachten „gröberen“ heimatgeschichtlichen Gegenstände eine weitere Sammlung mit kleineren, feineren Kultur- und Alltagsgegenstände besitzt.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
Weitere Bilder in der Galerie







































