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Eigenes Schicksal bringt Reiter zum Engagement für Kinder

Ein schwerer Reitunfall verändert das Leben von Franz Mayer

Foto: Waldburg-Zeil Kliniken
Franz Mayer mit seinem Pferd „Gold“. Nach einem schweren Reitunfall und monatelanger neurologischer Rehabilitation reitet er heute wieder regelmäßig und engagiert sich für therapeutisches Reiten für Kinder mit Einschränkungen.
veröffentlicht am: 31.07.2026
Autor: Christof Folkerts, Waldburg-Zeil Kliniken
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Meckenbeuren/Bad Wurzach. Ein schwerer Reitunfall im Juli 2022 verändert das Leben von Franz Mayer aus Meckenbeuren innerhalb weniger Sekunden. Die Diagnose ist niederschmetternd: schweres Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung, mehrere Knochenbrüche und nur zwei Prozent Überlebenschance. Heute sitzt der leidenschaftliche Reiter wieder im Sattel und engagiert sich dafür, Kindern mit Einschränkungen durch therapeutisches Reiten neue Perspektiven zu schenken. Wichtige Wegbegleiter zurück in den normalen Alltag waren die Ärzte und Therapeuten der Fachkliniken Wangen und der Rehaklinik Bad Wurzach.

„Ich lag auf dem Operationstisch und die Überlebenschance lag bei gerade einmal zwei Prozent“, erinnert sich Mayer an die dramatischen Stunden nach seinem Unfall. Was folgte, war ein monatelanger Kampf zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Nach der notfallmedizinischen Versorgung und einer lebensrettenden Operation in der Oberschwabenklinik Ravensburg begann die Rehabilitation bei den Waldburg-Zeil Kliniken: Erst durchlief der 63-Jährige die neurologische Frührehabilitation in den Fachkliniken Wangen. Anschließend setzte er seine Genesung in der Rehaklinik Bad Wurzach fort.

Dort arbeitete ein interdisziplinäres Team aus Ärzten sowie Therapeuten gemeinsam mit ihm daran, verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen. Laufen, Sprechen und alltägliche Bewegungsabläufe mussten wieder neu erarbeitet werden.

„Ich musste lernen, geduldig zu sein“, erzählt Mayer und fügt an: „Fortschritte kommen nicht von heute auf morgen. Aber jeder kleine Schritt bringt einen weiter.“

Der Weg verlief jedoch alles andere als geradlinig. Während der Rehabilitation stürzte der Meckenbeurer erneut und zog sich einen Beinbruch zu. Nach einer Operation kehrte er wieder in die Rehaklinik Bad Wurzach zurück und setzte seine Therapie konsequent fort.

Sein Pferd Gold schenkt neue Hoffnung

Pferde seien für ihn schon immer weit mehr als ein Hobby gewesen, sagt der leidenschaftliche Reiter. Sie begleiteten ihn auch während seiner schweren Zeit. Den Moment, als er sein Pferd nach der Reha wieder sah, werde er nie vergessen: „Mein Pferd Golden legte einfach seinen Kopf auf meine Schulter. Für mich war das ein ganz besonderer Augenblick. Da wusste ich: Es geht weiter.“

Im September 2023 wagte er schließlich den nächsten großen Schritt und stieg erstmals wieder in den Sattel. Heute reitet der begeisterte Westernreiter wieder regelmäßig.

Ein weiterer Traum erfüllte sich im vergangenen Jahr: Drei Wochen verbrachte Mayer auf einer Ranch in Wyoming in den USA und unterstützte dort Cowboys beim Viehtrieb – ein Erlebnis, das nach seinem schweren Unfall kaum vorstellbar gewesen wäre.

Aus eigener Erfahrung anderen helfen

Die eigene Geschichte hat Mayer nachhaltig verändert. Aus Dankbarkeit für die Unterstützung auf seinem Weg entstand der Wunsch, selbst etwas zurückzugeben. Gemeinsam mit dem RSV Krumbach initiierte er ein Projekt für therapeutisches Reiten für Kinder mit körperlichen und psychischen Einschränkungen. Ziel ist es, jungen Menschen durch den Kontakt mit Pferden Selbstvertrauen, Lebensfreude und neue Perspektiven zu vermitteln.

Ein wichtiger Meilenstein wurde erst kürzlich erreicht: Gemeinsam wurde in der Schweiz ein speziell geeignetes Pferd für das therapeutische Reiten ausgewählt und gekauft. Künftig soll es Kinder auf ihrem Weg begleiten und ihnen durch die besondere Beziehung zum Pferd neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

„Wenn meine Geschichte anderen Mut macht oder sogar Kindern helfen kann, dann hat all das einen tieferen Sinn bekommen“, sagt Mayer. Heute arbeitet der 63-Jährige wieder in seiner Versicherungsagentur, fährt Auto, reitet regelmäßig und engagiert sich für andere Menschen.

Für das Team der Rehaklinik Bad Wurzach steht die Geschichte exemplarisch für viele Menschen, die nach schweren neurologischen Erkrankungen oder Verletzungen den Weg zurück in ein möglichst selbstständiges Leben antreten.

„Rehabilitation bedeutet nicht, von heute auf morgen gesund zu werden“, sagt Klinikdirektor Pepe Kaiser. „Sie bedeutet, Schritt für Schritt Fähigkeiten zurückzugewinnen, Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln. Franz Mayer hat gezeigt, was mit Geduld, professioneller Begleitung und einem starken eigenen Willen möglich ist.“

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