Zum Hauptinhalt springen
Die Nacht, als der Regen kam

Lichterprozession musste abgebrochen werden

Foto: Uli Gresser
Andacht unterm Regenschirm.
veröffentlicht am: 06.07.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Bad Wurzach – Die Wetterprognosen waren so, dass man es riskieren konnte. Punkt 21.00 Uhr setzte sich die Prozession unter den Klängen der Stadtkapelle in Bewegung Richtung Gottesberg. Doch schon bei den ersten Schritten begann es zu tröpfeln. Und der Regen wurde immer stärker. Unser Reporter Ui Gresser berichtet:

Als sich die Geistlichkeit, die Stadtkapelle, der Kirchenchor und die Gläubigen auf dem Klosterplatz versammelten, schien alles gut zu werden. Doch kaum hatte sich die Prozession in Bewegung gesetzt, setzte Regen ein. Alle, Geistlichkeit, Ministranten, Musikanten, Kirchenchor und Gläubige waren vom Regen durchnässt, als sie auf dem Gottesberg ankamen, wo sie vom neuen Superior Pater Wolfgang Sütterlin begrüßt wurden.

Es ist sein erstes Heiligblutfest als Superior: Pater Wolfgang Sütterlin begrüßt die zur Lichterprozession Gekommenen.

Während die Pilger unter den Bäumen Schutz vor dem Regen suchten, drängten sich die Akteure – Geistlichkeit, Stadtkapelle, Kirchenchor – unter dem Baldachin an der Wallfahrtskirche.

Zum Auftakt auf dem Klosterplatz hatte Pfarrer Stefan Maier aus dem Buch Genesis gelesen. Er rezitierte jene Stelle, in der Gott den Israeliten befahl, ihre Türpfosten mit dem Blut von geschlachteten Lämmern einzustreichen – eine Andeutung auf den Tod Jesu am Kreuz hin – um so der Bestrafung der Ägypter zu entgehen, um so gerettet zu werden.

Stadtpfarrer Maier nahm das Bild vom unschuldigen Lamm in seiner Predigt auf, unterlegte sie mit Abbildungen von Lamm-Gottes-Darstellungen aus verschiedenen Kirchen der Seelsorgeeinheit. Ausgeliehen aus der Pfarrkirche in Hauerz hatte er zwei Kirchenfahnen, auf denen das Wort „Ecce Agnus Dei“ (Seht das Lamm Gottes) abgebildet ist. Dieser als „Fingerzeig des Johannes“ bekannte Ausspruch stammte von Johannes dem Täufer, der im Jordan stehend Jesus auf sich zukommen sah. Johannes erhält in diesem Moment die Gabe, prophetisch zu reden, spricht vom „Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt“ – ein Satz, der bei jeder Eucharistiefeier zur Wandlung von Brot und Wein vom Priester gesprochen wird und den Gläubigen damit die Gegenwart des lebendigen Gottes vor Augen hält. Zum „Blut des Lammes“, das über Leben und Tod entschied und entscheidet, zeigte Pfarrer Maier auch ein passendes Bild von einem Kirchenfenster der Hauerzer Kirche St. Martin.

ANZEIGE

Der Fingerzeig des Johannes: Dieses Bild der Arnacher Täuferfigur wurde im Rahmen der Predigt von Pfarrer Stefan Maier gezeigt.

Lamm-Gottes-Darstellung aus der Verena-Kirche Bad Wurzach. Auch dieses Bild war Bestandteil der „illustrierten Predigt“ von Pfarrer Maier.

Die Heiligblut-Reliquie von Bad Wurzach ist in diesem prächtigen Reliquiar enthalten.

Vorzeitiges Ende

Nach dem Singen der dritten Strophe des Heilig-Blut-Liedes gab Pfarrer Maier mit Bedauern die Entscheidung bekannt, wegen des Regens die Wortfeier vorzeitig zu beenden. Er spendete den Abschluss-Segen bereits jetzt und man sah vom Gang mit den Lichtern zum Marienbrunnen ab. Einige der Gläubigen entzündeten trotzdem ihre Kerzen und nahmen so ein wenig Licht und Wärme mit nach Hause.

Ironie des Abends: Kaum machte man sich auf den Heimweg, hörte der Regen auf.

In der Zeit des Bad Wurzacher Heiligblutfestes leuchtet das rote Kreuz auf dem Gottesberg.

Text und Fotos: Uli Gresser

Weitere Bilder in der Galerie

ANZEIGE
Bildergalerie
Fotos: Uli Gresser
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
ANZEIGE
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.