Es kamen Dokumente von 1873 zum Vorschein
Bad Wurzach – Das Rätsel um den Inhalt der Kapseln aus der vergoldeten Kugel der Kirchturmspitze ist (fast) gelöst. Flaschnermeister Wolfgang Huber hat die Zeitkapseln in seiner Werkstatt in Kißlegg geöffnet. Herausgekommen sind Dokumente von 1873 sowie drei Münzen. Anwesend bei diesem lokalgeschichtlich bedeutsamen Moment waren Stadtpfarrer Stefan Maier, der für mit der Kirchturmsanierung beauftragte Architekt Jürgen Zimmermann aus Bad Schussenried, Kirchenpflegerin Maria Ehrmann, Mitglieder des Kirchengemeinderates von St. Verena und weitere an der Geschichte der St. Verena-Kirche interessierte Bürger, darunter der 91-jährige Karl Ehrmann.







Flaschnermeister Wolfgang Huber, der das alte zylindrische Behältnis geöffnet hat, ist ein Spezialist für historische Metall-Gegenstände.
Es waren etwa 20 Zuschauer, die sich am vergangenen Dienstag, 21. Juli, zu der Öffnung des an beiden Enden verlöteten Metallzylinders in der Werkstatt von Meister Huber versammelt hatten. Auf dem Zylinder eingraviert ist das Jahr, in dem die Zeitkapsel in die Kugel gelegt wurde, nämlich 1873. Was der Flaschnermeister, der in seiner historischen Werkstatt gerade zahlreiche zu restaurierende Teile von verschiedenen Kirchen in Arbeit hat, aus der zylinderförmigen Kapsel zum Vorschein brachte, bedarf noch einer näheren Prüfung durch einen Sachverständigen, um eine einwandfreie Übersetzung des Inhaltes zu erhalten.

Reinhold Mall filmt die Sichtung der zu Tage gekommenen Zeitzeugnisse.

Pfarrer Stefan Maier und Flaschnermeister Wolfgang Huber inspizieren die alten Schriftschaften. Rechts Kirchengemeinderat Carl-August Mohr.
Dreiseitiges Schreiben des Stadtpfarrers
Es war ein dreiseitiges Schreiben des damaligen Wurzacher Pfarrers Jakob Sinz, der der Pfarrei St. Verena in Wurzach von 1865 bis 1879 vorstand.
Als äußere Verpackung des Dokumentes diente eine Ausgabe des „Schwarzwälder Botens“ vom August 1873, in die das Dokument, das noch einmal in ein noch fast blütenweiß erhaltenes Packpapier eingeschlagen war, gelegt war.
Anlass war das Anbringen eines Blitzableiters
Das darin Dokument mit Datum vom 19. August 1873, in gestochener Handschrift von Pfarrer Sinz selbst verfasst, erläutert auf drei sehr gut erhaltenen Seiten, dass der Pfarrer und die Gemeinde sich aus Sorge um die Kirche bei Gewittern dazu entschlossen hatten, an die vergoldete Kugel samt Wetterfahne einen Blitzableiter auf die Kirchturmspitze aufzusetzen. Denn es war ihnen bewusst, dass der Kirchturm als höchstes Gebäude im weiten Umkreis bei Gewittern ein hohes Gefährdungspotential hatte.
Handwerker-Dokument und drei Münzen
Das zweite „Fundstück“ in der Kugel war ein in eine Bleihülle eingeschlagenes weiteres, mit Siegelwachs versehenes Dokument der ausführenden Handwerker dieser Arbeiten auf dem Kirchturm. Diese Bleihülle wurde von Huber vorsichtig mit einer Metallsäge und einem Seitenschneider geöffnet. Zusätzlich kamen dabei auch noch drei sechs Kreuzer-Münzen zum Vorschein.
Als Pfarrer Stefan Maier den Zylinder am Mittwochmorgen noch einer erneuten Prüfung unterwarf, kamen – sensationellerweise – noch zwei Heiligenbildchen aus Metall zum Vorschein, die aus der Zeit des Kirchenbaues vor 250 Jahren zu stammen scheinen. Sie zeigen den Heiligen Ignatius von Loyola, Mitbegründer des Jesuiten-Ordens, und den Heiligen Franz Xaver, ebenfalls Mitbegründer des Jesuiten-Ordens.

Karl Ehrmann fotografiert.

Auch Marianne Schönball dokumentiert den wichtigen Moment.

„Wurzach im Königreiche Württemberg“ heißt es auf der rechten Seite dieses Blattes.

In diesen Hülsen hatten die historischen Dokumente die Zeiten überdauert. 153 Jahre lang.

Aufgefunden wurden die zwei Zeitkapseln in der Turmkugel von St. Verena. Die fast mannshohe Kugel wird in der Werkstatt von Wolfgang Huber restauriert.
Text und Fotos: Uli Gresser
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Anm. d. DBSZ-Red.: Wir werden erneut berichten, wenn die Dokumente transskribiert sind.













