Zum Hauptinhalt springen
150 Jahre Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach

Die Feier in der Halle

Foto: Uli Gresser
Die Arnacher Vereine übergaben dem Jubelverein aus Anlass seines 150-jährigen Bestehens ein Geldgeschenk. Beteiligt daran hatten sich der Musikverein, die Freiwillige Feuerwehr-Abteilung Arnach, der Sportverein, die Blutreitergruppe, der Dorfverein „Unser Arnach“, die Narrenzunft, der Kirchenchor, der Förderverein Bildungshaus, der Förderverein „Freunde der Brugger Kapelle“, die Motorradfahrergemeinschaft und die Kirchengemeinde. Ortsvorsteher Braun würdigte den Zusammenhalt der Arnacher Vereine als vorbildlich.
veröffentlicht am: 29.09.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 9 Minuten

Arnach – Nach dem Festgottesdienst zu Ehren der Soldaten- und Schützenkameradschaft (SSK) in der Arnacher Kirche – die Bildschirmzeitung hat darüber schon berichtet – zog der Festzug mit Musikkapelle und den Fahnenabordnungen zur Festhalle, wo es einen stimmungsvollen Fahneneinzug gab. Beim Fest in der Halle sprachen Bürgermeisterstellvertreter Karl-Heinz Buschle und Ortsvorsteher Manfred Braun.

In der Festhalle angekommen, nahmen die Musiker auf der Bühne Platz, um zum Frühschoppen an diesem großen Festtag aufzuspielen, während die Fähnriche draußen auf ihren großen Auftritt warteten und dort die obligatorischen Erinnerungsfahnenbänder erhielten. Alfred Rudhart, der Vorstand der SSK, rief danach die einzelnen Fahnenträger – ähnlich einem Fahneneinzug bei den großen Musikfesten – in die Halle, wo sie von tosendem Applaus empfangen wurden.

Der Fahneneinzug

Der SSK Arnach besitzt drei Fahnen; die ursprüngliche Fahne von 1876 diente als Dekoration in der Halle. Als erste wurde beim Fahneneinzug Arnachs Fahne von 1899 hereingetragen, ihr folgte jene von 1923. Danach folgten die Fahnen der Arnacher Vereine (Musikverein, Feuerwehr, Blutreitergruppe, letztere mit Standarten) sowie des Männerchores Beuren, der im Anschluss noch ein Ständchen zu Ehren des Geburtstagskindes gab. Ihnen folgten die Fahnen des Patenvereines aus Ziegelbach sowie der Schützenvereine aus Bad Wurzach und Immenried und schließlich von gut 20 Krieger- und Soldatenkameradschaften – von Altmannshofen bis Willerazhofen.

Die Ansprache von Bürgermeistervertreter Karl-Heinz Buschle

Karl-Heinz Buschle (Bild) als Vertreter der Stadt Bad Wurzach lobte in seiner Gratulation das ehrenamtliche Engagement des Vereines und seiner aktuell rund 90 Mitglieder, ohne das dieser die 150 Jahre nicht hätte überstehen können. Die Stadt und der Gemeinderat wisse, was für einen unschätzbaren Wert sie an ihren Vereinen habe. „Vereine schaffen Gemeinschaft, bringen Menschen zusammen, pflegen Traditionen, organisieren Feste und sorgen dafür, dass unsere Ortschaften lebendig bleiben.“ Deshalb sei es ihr auch wichtig, diese nicht nur mit Worten zu würdigen, sondern auch ganz konkret zu unterstützen. Dies geschehe einmal durch die Vereinsförderung, das Bereitstellen von Hallen und Veranstaltungs- und Proberäumen und immer wieder mit Unterstützung bei Investitionen und Projekten. Weil die finanziellen Möglichkeiten der Stadt begrenzt seien, sei es umso wichtiger, dass Gemeinderat, Stadtverwaltung und Vereine im Gespräch bleiben und gemeinsam nach guten Lösungen suchen. Aus Anlass des besonderen Jubiläums überreichte er namens der Stadt eine Sondergabe. Die Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach stehe für etwas, was gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig sei: das Erinnern und Gedenken. „Wer die Erinnerung an Krieg und seine Opfer wachhält, trägt auch dazu bei, den Wert von Frieden und Freiheit immer wieder ins Bewusstsein zu rufen.“ Auch Buschle erinnerte, wie zuvor in der Kirche Staatssekretär Haser an die drastischen Veränderungen in der Welt und die veränderte Rolle der Bundeswehr. „Sie bewahren Tradition, ohne sich dem Neuen zu verschließen, sie erhalten die Erinnerung an die Vergangenheit wach, um die Zukunft in Frieden zu gestalten.“

Nach einem kurzen musikalischen Intermezzo hielt Ortsvorsteher Manfred Braun seine Laudatio auf den Verein, bat dazu die Vereinsvorstände aller Arnacher Vereine nach vorne.

Die Ansprache von Ortsvorsteher Manfred Braun

„150 Jahre, das sind fünf oder sechs Generationen von Menschen, die diesen Verein aufgebaut, weitergetragen und immer wieder mit neuem Leben erfüllt haben. Und wenn ein Verein nach so langer Zeit immer noch ein fester Bestandteil unseres Dorflebens ist, dann sagt das viel über diesen Verein aus – aber auch über unser Dorf.“ Der Ort lebe von seinen Vereinen. Sie seien es, die Menschen zusammenbrächten. „Wenn einer der Vereine feiert, feiern die anderen mit. Wenn einer Unterstützung braucht, dann sind die anderen da – auch die SSK Arnach.“ Deshalb freue es ihn auch besonders, dass er im Namen aller Verein sprechen dürfe. „Euer Verein hält Traditionen lebendig, organisiert die Sammlung der Kriegsgräberfürsorge, öffnet jungen Menschen den Weg zum Schießsport, pflegt Kameradschaft und übernimmt Verantwortung – insbesondere dort, wo es um das Erinnern und Gedenken geht.“ Zur Zeit habe er verstärkt den Eindruck, dass viele Menschen noch immer nichts aus der Vergangenheit gelernt hätten. „Deshalb ist Euer Wirken auch künftig wichtiger denn je.“

Übergabe des Geschenks der Arnacher Vereine durch Gebhard Baumann, den Initiator der Aktion, an Alfred Rudhart, den Vorsitzenden des Jubel-Vereins.

Alfred Rudharts geschichtlicher Rückblick

Alfred Rudhart fasste in seiner Ansprache in einem kurzen geschichtlichen Abriss die 150-jährige Geschichte zusammen, wobei ihm Gebhard Baumann, der Arnacher Ortsheimatpfleger und -forscher fleißig unter die Arme gegriffen hatte, denn: „Wenn jemand eine Frage zur Vereinsgeschichte hat, braucht er bloß zu Gebse gehen!“ „Gebse, hast du gut gemacht“.

Als der Verein im Jahre 1876 von Teilnehmern am deutsch-französischen Krieg (1870/71) gegründet wurde, war der damalige „Löwen“-Wirt Bernhard Forderer dessen erster Vorstand. Rudhart verwies auf die erste Fahne, auf dem die großen Schlachten dieses Krieges verzeichnet sind. Auf Forderer folgten verschiedene weitere Vorstände, bis 1944  Rudolf Ringer vom Hof Balthases gewählt wurde. Diesem war zu verdanken, dass während der französischen Besatzungsmacht die Fahnen nicht vernichtet wurden. 1899 war eine zweite und 1923 die dritte Fahne angeschafft worden. Nach 1945 waren alle Kriegervereine verboten worden und sämtliche Unterlagen und Devotionalien sollten eingezogen werden. Da die Fahnen nicht auffindbar waren (sie waren unter dem Kirchturmdach versteckt worden), konnten sie auch nicht abgegeben werden.

Rudhart hatte eine weitere Geschichte zu den Fahnen parat: Die Sammlung für die dritte  Fahne fiel in die Inflationszeit: Das Geld war schon am Tag nach der Sammlung nichts mehr wert. Deshalb machte man eine Heusammlung.

1952 konnte der Verein unter dem Namen Kriegerkameradschaft Arnach mit Felix Schlump als Vorstand wieder neugegründet werden. Ludwig Dinser fungierte bis 1964 als Schriftführer. Ihm verdankte der Verein eine große Recherche, bei der die Geschichte des Vereines vor dem Zweiten Weltkrieg zusammengetragen wurden, da ja alle Archivalien des Vereines verloren gegangen waren.Zum 100-jährigen Jubiläum, gefeiert im Jahre 1977, das im Rahmen des Boschenfestes abgehalten werden sollte, regnete es allerdings in Strömen, so dass die Bestuhlung vom Festort in die Turnhalle verbracht werden mussten. 1977 wurde schließlich bei der Hauptversammlung der Name ein drittes Mal geändert: Der Name „Krieger- und Soldatenkameradschaft“ öffnete damals den Weg auch für Soldaten, die nicht im Krieg gewesen waren. Dem Ruf folgten daraufhin 29 junge Soldaten.

ANZEIGE

Dank an Otto Hierlemann

1982 schließlich gründete sich die Schützenabteilung mit Otto Hierlemann an der Spitze. Diesem dankte Rudhart ganz besonders: „Ich wüsste nicht, wie es heute um unseren Verein stehen würde, wenn Du nicht die Abteilung gegründet hättest.“

1990 wurde aufgrund eines Unfalls des Ersten Vorsitzenden Leonhard Längst erstmals mit Alfred Rudhart ein Zweiter Vorstand gewählt. 1992 hörte Otto Hierlemann als Leiter Schützenabteilung auf. 1994 beendete Leonhard Längst nach 34 Jahren an der Spitze des Vereins sein Engagement als 1. Vorsitzender. Damit rückte Alfred Rudhart auf die Position des 1. Vorsitzenden.

1995 schließlich erhielt der Verein seinen heutigen Namen „Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach“. Per Satzung wurde der Verein dabei auch für Frauen und Jugendliche geöffnet. 1999 konnte der Verein sein eigenes Vereinsheim mit Schießanlage für Luftgewehr und Zimmerstutzen einweihen, das jedoch mit dem Abriss des Gemeindehauses 2012 ein Ende fand. 2019 erfolgte der Austritt aus WLSB und WSV und der Anschluss an den Kyffhäuserbund, weil dieser aufgrund seiner Statuten besser zum Verein passt. Vor allem die Schützen praktizieren ein aktives Vereinsleben, das viel Spaß mache.

„Die Kriegsgräber mahnen“

„Wir sollten jedoch immer daran denken, unser Verein wurde während der Kaiserzeit gegründet. Er hat alle Höhen und Tiefen erlebt und es ist unsere Pflicht, die Mahnungen der Kriegsheimkehrer und die der Kriegsgräber weiterzugeben.“

Rudhart dankte allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben

Am Ende dankte der Vorsitzende der Soldaten- und Schützenkameradschaft allen am Fest Mitwirkenden: Bürgermeisterstellvertreter Karl-Heinz Buschle, Pfarrer Patrick Meschenmoser, Ortsvorsteher Manfred Braun, dem Männerchor Beuren unter der Leitung von Robert Reischmann, den Vertretern der Krieger-  und Soldatenkameradschaften, dem Musikverein Arnach für die musikalische Umrahmung des Festes in Kirche und Halle, auch für die Überlassung des Musikanhängers, der Gärtnerei Grad für den Blumenschmuck, sowie den rund ums Fest schaffenden Kameraden. Sein Dank ging auch an die Bedienungen, die vom Musikverein gestellt wurden, sowie an Siebtklässler der Realschule Kisslegg, die ebenfalls bedienten (um die Klassenkasse aufzubessern), ebenso an die Sponsoren des Festes, denen die einheitlichen T-Shirts der Vereinsmitglieder zu verdanken sind. Natürlich auch an Ortsheimatpfleger Gebhard Baumann, dem er gleich noch die Mitgliedschaft antrug, sowie Schriftführer Christian Krug, der einen interaktiven Zeitstrahl zur Geschichte des Vereins entwickelt hat (siehe nachstehenden Artikel unter „Lesen Sie hierzu auch …“). Besonders dankte er dem Organisationsteam des Vereins mit Jürgen Ebenhoch, Peter Schwarz, Hubert Völkel, Benjamin Rudhart und Daniel Brzezicha, die das Fest vorbereitet hatte. Auch sprach Alfred Rudhart den beiden Kanonieren August Hartmann und Karl Gegenbauer seinen Dank aus (Letztere wurden nach dem frühmorgendlichen Salutschießen zur Tagwache im Hause Rudhart mit Weißwürsten bewirtet). Last but not least dankte er dem Vereinsfotografen Martin Räth.

Die Musikkapelle spielte bis ca. 13.00 Uhr auf. Gerne gehört wurden Gesangseinlagen von Berthold Hiemer (Bild), Goldkehlchen Lisa Gottschling, Gebhard Baumann und Stefan Braun.

Der Musikverein Arnach hatte zuvor schon in der Kirche sowie auf dem Zug zur Kirche und zur Halle gespielt.

Wie schon in der Kirche, so auch in der Halle: Der Männerchor Beuren (bei dem Alfred Rudhart aktiver Sänger ist), erfreute mit feinem Gesang. Robert Reischmann dirigierte.

Während der Kaffeezeit wurden die Gäste von Hubert Kling und Hans-Peter Schiele am Steirischen Örgeli unterhalten.
Text und Fotos: Uli Gresser

Viele Bilder in der Galerie

Nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch …“ der Bericht von der dem Fest in der Halle vorausgegangenen Gottesdienst in der Pfarrkirche und weitere Artikel (darunter ein Kommentar)

ANZEIGE
Lesen Sie hierzu auch
Beitragsempfehlungen
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.