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150-Jahrfeier der Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach

Bewegende Festrede von Staatssekretär Raimund Haser

Foto: Uli Gresser
28 Fahnenabordnungen haben sich im Chor der Arnacher Kirche versammelt, um dem Festgottesdienst aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Soldaten- und Schützenkameradschaft den würdigen Rahmen zu geben.
veröffentlicht am: 28.09.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Arnach – Mit 28 Fahnenabordnungen von Soldaten- und Schützenkameradschaften aus der Region sowie der Arnacher Vereine feierte die Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach (SSK Arnach) um ihren Vorstand Alfred Rudhart einen Festgottesdienst aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens. Festredner war Staatssekretär Raimund Haser MdL. Am Gefallenenmahnmal wurde ein Kranz niedergelegt.

Die Musikkapelle Arnach unter der Leitung von Berthold Hiemer geleitete den Festzug von Fahnenabordnungen mit dem Zelebranten des Festgottesdienstes, Pfarrer Patrick Meschenmoser, nach einem das Fest eröffnenden Salutschuss von der Festhalle zur Kirche. Wo auch sie sich musikalisch an der Gottesdienstgestaltung beteiligte.

Zum Einzug der Fahnen spielte Organist Matthias Tapper, während auf der Orgelempore (Bild) der Männerchor Beuren (Leitung: Robert Reischmann) sich auf seinen Einsatz vorbereitete, um dem Gottesdienst mit seinen Liedern den entsprechend feierlichen Rahmen zu geben.

Der beeindruckende Fahneneinzug dauerte acht Minuten. Nachdem die Fähnriche nach der Ehrenbezeigung vor dem Altar im Chorraum ihre Plätze eingenommen hatten und Pfarrer Meschenmoser die Festgemeinde begrüßt hatte, bei der er seine Sorgen um den Weltfrieden zum Ausdruck gebracht hatte, sang die Gemeinde das hoffnungsvolle Lied „Ein Haus voll Glorie schauet“.

Die Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach besitzt drei Fahnen: Die älteste Fahne stammt aus dem Jahr der Vereinsgründung (1876). Die zweite Fahne wurde im Jahr 1899 angeschafft. Hier im Bild die dritte Fahne; sie stammt aus dem Jahr 1923.

In einer beeindruckenden Festpredigt würdigte Pfarrer Patrick Meschenmoser die traditionspflegende, heimatverbundene und friedenstiftende Leistung der Soldaten- und Schützenkameradschaft. Die Ansprache dokumentieren wir auszugsweise in einem Extra-Artikel.   

Pfarrer Patrick Meschenmoser stand dem Festgottesdienst vor und hielt die Festpredigt.

Nach dem Segen ergriff der Vorsitzende der SSK Arnach, Alfred Rudhart (Bild), das Wort und bat nach einigen organisatorischen Hinweisen – sich etwa nicht zu erschrecken, dass zur Kranzniederlegung weitere Salutschüsse ertönen werden – den Festredner Staatssekretär und MdL Raimund Haser ans Mikrophon.

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Der Staatsekretär (Bild) bettete in seiner Festrede die Geschichte der SSK ins große Ganze ein. „Denn in diesen 150 Jahren spiegelt sich deutsche Geschichte. Es spiegelt sich darin Krieg und Frieden. Kaiserreich und Republik, Diktatur und Demokratie, Niederlage und Wiederaufbau, Teilung und Wiedervereinigung.“ Sein geschichtlicher Exkurs begann mit der der Schlacht von Königgrätz 1866, mit der die Trennung von Deutschland und Österreich besiegelt wurde. Dieses Ereignis und danach der deutsch-französischen Krieg 1870/71 führten am 30. Januar 1876 in Arnach zur Gründung des „Veteranenvereins“, aus dem 1883 der Kriegerverein Arnach wurde. Zur damaligen Zeit sei dieser Begriff nicht negativ besetzt gewesen, sagte Haser. „Das Wort Krieger konnte man damals mit Stolz tragen. Der Krieg von 1870/71 lag erst wenige Jahre zurück. Die Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles war mit ihm verbunden. Die Männer, die heimgekehrt waren, wurden öffentlich geehrt. Heute klingt das Wort ,Krieger‘ in unseren Ohren völlig anders. Und das hat einen Grund. Denn zwischen uns und den Männern des Jahres 1876 liegen zwei Weltkriege. Beide gingen von deutschem Boden aus.“

Nach dem Ersten Weltkrieg fehlten in Arnach 57 Männer. „Hinter dieser Zahl standen 57 Familien. Eltern die auf ihren Sohn warteten, Frauen die auf ihren Mann warteten, Kinder,  deren Vater nicht nach Hause kam.“ Deshalb wurde 1922 in Arnach das Gefallenen-Denkmal errichtet. Aus dem Zweiten Weltkrieg kamen gar 82 Männer aus Arnach nicht mehr zurück. 130 Namen stünden auf dem Mahnmal. Es seien keine Nummern, sondern Menschen. Um die Dimension aufzuzeigen sagte Haser: „Stellen sie sich vor: Von heute bis in wenigen Jahren sind 100 Menschen, Fußballer, Feuerwehrleute Unternehmer, Burschen aus der Nachbarschaft nicht mehr da.“

„Je länger ein Krieg zurückliegt, desto wichtiger werden die Denkmäler“

Die jetzigen Generationen seien die ersten, für die Frieden zur eigenen Lebenserfahrung geworden ist. „Unsere Kinder kennen Krieg aus dem Fernsehen und aus dem Internet. Wir selbst kennen ihn aus Geschichtsbüchern, aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern. Aber gerade deshalb dürfen wir die konkrete Erinnerung nicht verlieren.“ Es sei falsch zu glauben, diese Denkmäler seien überflüssig. „Ich denke genau das Gegenteil: Je länger ein Krieg zurückliegt, desto wichtiger werden sie.“ All die Millionen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren, seien keine anonyme Masse, sondern Menschen gewesen. Erinnerung bedeute nicht Verherrlichung, Gedenken auch nicht Verherrlichung von Krieg.

„Nie wieder Krieg. Und nie wieder wehrlos sein“

„Deshalb hat Erinnerung für mich zwei Seiten: Nie wieder Krieg. Und die Zweite: Nie wieder wehrlos sein, gegenüber denen, die Krieg und Gewalt zu ihrem politischen Mittel machen.“

Ein Soldat der Bundeswehr sei kein Soldat eines Führers, er sei Bürger in Uniform. „Er dient dem demokratischen Rechtsstaat.“ Die Freiwilligen der Bundeswehr seien keine Krieger, sondern Helden, die sich in den Dienst des Vaterlandes stellten und bereit seien, notfalls Unschuldigen das Leben zu retten.

Diesen Wandel spiegele auch die Arnacher Kameradschaft in ihrer Benennung wieder. 1977 wurde aus der Kriegerkameradschaft die Krieger und Soldatenkameradschaft. 1982 entstand die Schützenabteilung. Seit 1995 heißt der Verein Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach. „Der Verein hat sich verändert, weil sich unser Land verändert hat. Aber eines ist geblieben: Kameradschaft.“

Frieden beginne nicht Brüssel, Berlin oder bei internationalen Konferenzen. „Frieden beginnt viel kleiner. Frieden beginnt in unseren Familien. In unseren Vereinen. In unseren Gemeinden. In der Art, wie wir miteinander sprechen. In der Bereitschaft, unterschiedliche Meinungen auszuhalten.“

Man habe aus dem Leid der Vergangenheit gelernt. Diese große Versöhnungsleistung würdigte Raimund Haser mit diesen Worten: „Nationalismus, Hass und die Vorstellung, die eigene Nation könne auf Kosten anderer groß werden, haben Europa zweimal in den Abgrund geführt. Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs ist deshalb etwas entstanden, das Generationen vor uns kaum für möglich gehalten hätten: Aus Erbfeinden wurden Nachbarn. Aus Gegnern wurden Partner. Und aus einem Kontinent, auf dem sich Generation um Generation auf den Schlachtfeldern gegenüberstand, wurde ein Europa, in dem wir Grenzen überqueren, ohne überhaupt noch darüber nachzudenken. Franz Josef Strauß wird ein Satz zugeschrieben, der diesen Gedanken wunderbar zusammenfasst: ,Meine Heimat ist Bayern, mein Vaterland ist Deutschland, unsere gemeinsame Zukunft ist Europa.‘ “ Diesen Satz könne er voll und ganz unterschreiben. Man müsse nur „Bayern“ durch „Baden-Württemberg“ ersetzen.

Nationalismus nein, Heimatliebe ja – das war die Conclusio der Rede Hasers. „Wer seine Heimat liebt, muss andere Heimat nicht geringschätzen. Und wer die Geschichte seines eigenen Landes kennt, der weiß, welchen unschätzbaren Wert Frieden und Freiheit besitzen.“

Raimund Haser schloss mit den Worten: „150 Jahre Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach bedeuten für mich nicht nur 150 Jahre Vereinsgeschichte. Sie bedeuten 150 Jahre Erinnerungsgeschichte. Es ist wichtig, dass wir die Namen da draußen auf dem Friedhof ehren. Dass wir am Volkstrauertag zusammenkommen. Dass Fahnen getragen und vor dem Altar gesenkt werden. Zur Ehre Gottes und zur Mahnung für den Frieden. Wir sind heute nicht hier, um den Krieg zu ehren, sondern weil wir die Menschen ehren und den Frieden bewahren wollen.“

Mit großer Empathie dankte der Staatssekretär den Verantwortlichen der Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach, die den Verein über Jahrzehnte getragen haben, die dafür sorgen, dass am Volkstrauertag die Namen der Toten nicht vergessen werden und die dafür Sorge tragen, „dass diese Kameradschaft auch nach 150 Jahren lebendig ist. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch in Zukunft Menschen finden, die diese Aufgabe übernehmen. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit, für Ihre Kameradschaft und für Ihren Dienst an unserem Vaterland.“

Am Mahnmal: August Schuler MdL a.D., als Vertreter des Kyffhäuserbundes gekommen, Staatssekretär Raimund Haser MdL, SSK-Vorstand Alfred Rudhart, Bürgermeisterstellvertreter Karl-Heinz Buschle, Ortsvorsteher Manfred Braun und Pfarrer Patrick Meschenmoser bei der Kranzniederlegung (von links nach rechts).

Im Anschluss an die Rede wurde der Kranz von zwei Reservisten der SSK zum Mahnmal getragen und dort niedergelegt. Während in der Kirche sich Fahnen der Vereine unter den Klängen von „Ich hatt´ einen Kameraden“ senkten, folgten SSK-Vorstand Alfred Rudhart, Pfarrer Patrick Meschenmoser, Staatssekretär Raimund Haser, MdL a.D. August Schuler, der Zweite Bürgermeister von Bad Wurzach, Karl-Heinz Buschle, und Ortsvorsteher Manfred Braun dem Kranz nach draußen zum Mahnmal, um dort still der Opfer von Krieg und Gewalt, insbesondere der Gefallenen und Vermissten aus Arnach zu gedenken.

Im Anschluss an den Gottesdienst geleitete die Musikkapelle den Festzug zurück zur Festhalle. Über das dort abgehaltene Gemeindefest bringen wir einen gesonderten Bericht.
Text und Fotos: Uli Gresser

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