
Bad Wurzach – Die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ hat noch in der Nacht nach der Kandidatenvorstellung (16.4.) mit einer bebilderten Schnellmeldung über das kommunalpolitische Topereignis berichtet. Weiter haben wir die von der Stadt organisierte Übertragung in einem Artikel verlinkt, der inzwischen mehr als 5600-mal aufgerufen wurde. Redaktionsleiter Gerhard Reischmann hat in einem Kommentar wichtige Aspekte der Veranstaltung aufgegriffen. Hier nun die nachrichtliche Zusammenfassung aus der Feder unseres Reporters Uli Gresser:

Schlangestehen am Kurhaus vor Saalöffnung.
Fünf der sechs Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Bad Wurzach stellten sich am vergangenen Donnerstag (16.4.) im Kur-Saal im Rahmen der offiziellen, von der Stadtverwaltung organisierten Kandidatenvorstellung der Bürgerschaft vor. Bereits eineinhalb Stunden vor Beginn der Vorstellungsrunde begann sich vor dem Eingang eine Schlange von Interessierten zu bilden, die zum Einlasstermin bereits am Möwenbrunnen vorbei über die Fußgängerbrücke hinausreichte und die 450 Plätze des Saales innerhalb von nicht einmal zehn Minuten komplett füllte.

Klaus Schütt (Bild), Stellvertreter der Bürgermeisterin im Gemeinderat und Leiter des Gemeindewahlausschusses, begrüßte die Bürgerschaft und gab erste Erläuterungen, so zum Zeitplan vom Gemeinderatsbeschluss zur Ausschreibung der Bürgermeisterstelle bis zur Kandidatenvorstellung an diesem Abend. Martin Tapper (Stadtverwaltung) erläuterte die Regularien der Vorstellung. Die Reihenfolge der Vorstellung wurde nach der Abgabe der Bewerbungen festgelegt: Bürgermeisterin Alexandra Scherer war damit die erste Rednerin; wegen der Absage von Fatma Iramil, die als zweite ihre Bewerbung abgegeben hatte, rückte Florian Schiller auf Position zwei, Sven Stöckle auf die drei, Lukas Häfele auf die vier und Daniela Amann auf die fünf.

Martin Tapper griff stets nach 14 Minuten Redezeit zur Glocke, um den bevorstehenden Ablauf der Redezeit nach 15 Minuten zu signalisieren.
Jeder Bewerber hatte 15 Minuten Zeit, sich und seine Vorstellungen, was er als Bürgermeister zu tun gedenke, vorzustellen. Im Anschluss konnten Besucher 10 Minuten lang je eine Frage an die Bewerber richten. Während ein Bewerber im Saal sprach, warteten die anderen Bewerber im „Torfstecher“ unter Aufsicht zweier Stadtbediensteter ohne Zugang zum Livestream auf ihren Auftritt. Tapper bat die Besucher darum, die Fragestellung möglichst prägnant zu halten.
Alexandra Scherer

Amtsinhaberin Alexandra Scherer (Bild) eröffnete ihren Vortrag mit der namentliche Begrüßung aller neun Ortschaften und der Kernstadt und sprach ein Lob auf das bürgerschaftliche Engagement in der Stadt und ihrer Teilgemeinden. Die ländliche Struktur, wo man sich kennt, sich grüßt und aufeinander achtet, sei ihr ans Herz gewachsen. Sie selbst stamme von einem Bauernhof in einem kleinen Dorf, komme „von d‘r Alb ra“. „Als Diplomverwaltungswirtin FH habe ich mein Handwerk von der Pike auf gelernt. Ich kann Bürgermeisterin!“ Und zwar nicht nur in der Theorie. Sie habe in der Kommunalpolitik als bodenständige und nahbare Politikerin 22 Jahre Erfahrung. Diese wolle sie auch weiterhin zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger einbringen, neutral und unabhängig – so wie bisher auch. Die Stadt habe viel Potential und Möglichkeiten zur Gestaltung und das sei das, was sie an der Kommunalpolitik reize. Ihre Familie unterstütze die erneute Kandidatur. Seit dem Kauf einer Eigentumswohnung vor sieben Jahren sei sie Bad Wurzacherin, mit allem was dazu gehört, wie etwa Steuern zahlen.
Weil ihre Familie in Laupheim verwurzelt ist – ihr Haus dort diene für Mann und Kinder noch als Zweitwohnsitz und werde von den Kindern übernommen – habe sie dort ihre Bewerbung für das Amt des Oberbürgermeisters eingereicht. „Es ist die Heimat unserer Kinder. Es war keine Entscheidung gegen Bad Wurzach“, betonte sie. „Es waren persönliche, private Gründe. Wenn ich Sie damit verletzt habe, tut es mir sehr leid.“ Seitdem habe sie keinen einzigen Tag weniger Leistung für Bad Wurzach gebracht und wolle deshalb an diese Sache „einen Punkt machen“.
Für ihre zweite Amtszeit wolle sie ihre vor acht Jahren gesetzten Schwerpunkte weiter fortführen: Zum einen die wirtschaftliche Weiterentwicklung sowie die Ausrichtung von Bad Wurzach als Gesundheitsstadt. Bei ihren Gesprächen mit den Unternehmen habe sich gezeigt, dass diese mit den von der Stadt gesetzten Rahmenbedingungen zufrieden seien, ihre Interessen gewahrt sehen und ihr persönlicher Einsatz für die heimische Wirtschaft anerkannt wird. Die vorhandenen Stärken in Natur, Kultur und Umwelt seien in den Vergangenheit gestärkt und noch besser gemacht worden. Als Beispiele hierfür nannte sie die Städtische Galerie im Kapitelsaal von Maria Rosengarten und die Modernisierung des Wohnmobilstellplatzes im Bereich Tourismus. Besonders freue sie sich, dass es gelungen sei, mit dem Kurhaus und dem „Wurzelsepp“ zwei städtische Gebäude wieder zu verpachten. Das damals leerstehende Kurhaus sei vor acht Jahren ein wichtiges Thema gewesen, das die Menschen im Städtle bewegt hatte.
Sie betonte auch die wichtige Grundlage solider Finanzen. Die städtischen Finanzen stünden so gut da wie schon lange nicht. In ihren acht Jahren wurde die Verschuldung von 5,8 Millionen € auf 2,1 Millionen € im Kernhaushalt zurückgefahren. „Das ist die Basis für generationengerechtes Handeln, damit auch unsere Kinder noch Spielraum für aktives Gestalten haben.“
Es seien wirtschaftlich gute Zeiten gewesen, trotz Corona-, Energie- und Flüchtlingskrise. Förderprogramme seien dank ihrer guten Netzwerke zu den Entscheidungsträgern in Ministerien, im Regierungspräsidium und Ämtern immer konsequent genutzt worden. „So wurde zum Beispiel während meiner Amtszeit allein über das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum / ELR 12,8 Millionen € direkte Förderung an unsere Unternehmen, an private Bauherren und an die Stadt erreicht. Das kommt allen zugute und hat wiederum Investitionen von mehr als 105 Millionen € ausgelöst, die zu einem großen Teil wieder als Aufträge an örtliche Unternehmen und Handwerksbetriebe gegangen sind.“
Sorgenkind sei allerdings aktuell der Kurbetrieb. Es sei nicht tragbar, dass die Stadt dauerhaft große Verluste einfahre. Der Stadtkämmerer sei aktuell als Interimsgeschäftsführer dazu abgeordnet, alle rechtlichen und tatsächlichen Auswirkungen würden geprüft. „Aber: Es gibt nicht die einfache Schwarz- oder Weiß-Lösung. So, wie auch die zu späte Feststellung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage nicht mit der persönlichen Schuldzuweisung an eine einzige der beteiligten Personen erklärt werden kann.“ Seit der Feststellung der wirtschaftlichen Lage seien Kontrollmechanismen eingeführt worden, die nicht mehr umgangen werden können, notwendige Entscheidungen könnten unter ihrer Führung rasch getroffen werden.
In ihrem Rückblick zeigte sie das bisher Geleistete auf. „Zusammen mit dem Gemeinderat haben wir viel Gutes auf den Weg gebracht, sei es den Breitbandausbau, die Baulandentwicklung, die Familien-, Jugend- und Seniorenpolitik, bei den Kindergärten und Schulen mit dem bedarfsgerechten Ausbau der Betreuung, der Erhalt und der Ausbau der kommunalen Infrastruktur, die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt, unsere Maßnahmen zum Natur- und Klimaschutz, die verlässliche Partnerschaft mit der Landwirtschaft, die absolut wichtige und unerlässliche Unterstützung des Ehrenamts und der Vereine oder die Stärkung der Vielfalt unserer Ortsteile.“ In diesem Zusammenhang erinnerte sie „an das wunderschöne Fest zu 50 Jahre Eingemeindung im vergangenen Jahr, wo wir unser Zusammenwachsen und das gute Miteinander prächtig gefeiert haben!“
Den eingeschlagenen Weg, mit dem die Stadt gut gefahren sei, würde sie gerne fortführen. „Meine Konzepte können Sie nachlesen und mich beim Wort nehmen. Das sind keine schwammigen Aussagen, keine vagen Versprechen, kein würde, könnte, sollte man. Sondern: konkrete Inhalte!“ Für ihre zweite Amtszeit habe sie sich vorgenommen, die Sanierung der Hallen als Stätten der Begegnung zu einem Schwerpunkt zu machen.
Ganz wichtig sei ihr das Miteinander in der Stadt. Eine große Unzufriedenheit in der Stadt oder Gräben in der Stadtgesellschaft kann sie nicht erkennen. „Und das sollten wir uns auch nicht einreden lassen, vor allem nicht von denen, die genau davon dann profitieren wollen.“ Zu allen Themen gebe es unterschiedliche Meinungen und werde es auch immer geben, wie etwa beim Biosphärengebiet. „Das ist gut so, das macht eine lebendige Gemeinschaft aus. Dass man dann kommunalpolitisch um die beste Lösung ringt, ist auch gut so. Das sind dann aber keine ,Gräben‘, das ist das Wesen unserer Demokratie!“
„Erfreulich ist auch, dass wir Unruhen in der Verwaltung beheben konnten. Sehr schön ist, dass wir sogar ehemalige Mitarbeiter wieder begrüßen dürfen und die Stimmung allgemein besser ist. Ich bin sehr froh darüber. Es ist mir wichtig, dass es den Mitarbeitern gut geht und dass sie ihrer Arbeit bestens nachgehen können.“
Natürlich sei in den letzten acht Jahren nicht alles gut gelaufen. Sie verwahrte sich aber gegen Gerüchte, dass der Turm im Ried eine persönliche Idee gewesen sei. Das Projekt sei bereits von ihrem Vorgänger angestoßen worden. Das Fronleichnamshochwasser habe alle sehr gefordert, man habe die vorgebrachte Kritik sehr ernstgenommen.
Als Schlussfolgerung aus den genannten Punkten möchte sie nach der Wahl einen Bürgerdialog auf den Weg bringen. Zusammen mit dem Gemeinderat, mit sogenannten „Zufallsbürgern“ und mit allen, die Lust haben, mitzuarbeiten und mitzudenken, wolle sie ausloten, wo die Stadt sich zukünftig hin entwickeln soll.
„Sehr gerne möchte ich auch weiterhin mit ganzer Kraft Ihre Bürgermeisterin sein, mit Herzblut und Leidenschaft. Objektiv, neutral und nur dem Wohl der Stadt verpflichtet.“
In der zehnminütigen Fragerunde meldeten sich mehrere Bürger. Claudius Caesar hatte im aktuellen Haushaltsplan noch eine große Summe für den per Bürgerbegehren abgelehnten Turmbau entdeckt. Scherer bedankte sich bei ihm dafür, dass er diesen Fehler aufgedeckt hatte. Denn um einen solchen handelte es sich dabei, der Turmbau sei mit dem Bürgerentscheid ad acta gelegt worden.
Herbert Birk fragte nach, warum der große Abmangel des Kurbetriebes so spät entdeckt worden sei. Dies hätten Gemeinderat und Verwaltung erst im Folgejahr bei den Arbeiten zum Jahresabschluss erfahren. Die Gründe, wie das Defizit zustande kam, waren damals in der Gemeinderatsitzung kommuniziert worden.
Richard Brekker fragte, ob sie sich dieses Mal für acht Jahre wählen lassen wolle. Scherer bestätigte dies, bekräftigte aber auch, dass die Bewerbung in Laupheim so nicht geplant gewesen sei. Er dürfe sie beim Wort nehmen, dass sie im Falle ihrer Wiederwahl acht Jahre als Bürgermeisterin tätig sein werde.
Robert Mößle, Landwirt aus Truschwende, fragte nach, wie sie das Verhältnis mit der Landwirtschaft in ihrer nächsten Amtszeit handhaben werde, was bisher ja ein gutes gewesen sei. „Die Landwirte sind unsere Partner, zum Beispiel wenn wir Grundstücke für die Erschließung von Baugebieten brauchen“, erwiderte Scherer ihm. Beim Thema Biosphärengebiet seien ihr die Sorgen und Nöte der Landwirte wichtiger gewesen als die unklaren versprochenen Vorteile.
Peter Wild fragte, wo die Bürgermeisterin in Zeiten knapper Mittel Prioritäten setzen würde und wo sie besonders keine Abstriche machen würde. Scherer sagte dazu, in keinem Fall würde sie bei Kindern und Jugendlichen Abstriche machen, also die Angebote für sie auf jeden Fall aufrechterhalten. Also Kindergärten und Schulen nach dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ in der Fläche und dezentral zu erhalten. Der aktuelle Haushalt sei zwar nicht mehr so komfortabel wie in den Vorjahren, aber eine solche Frage stelle sich noch nicht.
Florian Schiller

Der in Bad Wurzach aufgewachsene parteilose, verheiratete (ein Sohn) 51-jährige Florian Schiller gab zu, angesichts der Kulisse etwas nervös zu sein. Er begann seinen Vortrag mit der Zusammenfassung seines Lebenslaufes.
Nach Grundschule und Salvatorkolleg (Abitur 1994) studierte er Jura in Konstanz, später in Göttingen und Regensburg. Sein Referendariat mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht absolvierte er am Oberlandesgericht Nürnberg. Stationen im Referendariat waren das Landratsamt Ansbach und der Bundesrechnungshof in Bonn. „Dort, wo die Verteilung der vom Staat eingenommenen Steuern überprüft wird.“ Ein Semester an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer kam hinzu. Nach dem zweiten Staatsexamen zog es Schiller nach Südafrika, wo er an der Stellenbosch-University den zusätzlichen Abschluss LL.M (Master of Laws) erwarb. Nach der Rückkehr – gemeinsam mit seiner Frau – nach Deutschland fand er 2003 eine Anstellung als Rechtsanwalt in einer Insolvenzverwaltung in Bayreuth, wo er „das Handwerk der Insolvenzverwaltung“ erlernte und 2006 erstmals zum Insolvenzverwalter bestellt wurde. Nachdem er zwischen 2008 und 2015 erneut in Südafrika tätig war, dieses Mal als Unternehmer, kehrte er wieder nach Deutschland zurück und baute in Singen für eine überregionale Insolvenzverwaltung eine Niederlassung auf. 30 Jahre sei er aus Bad Wurzach weg gewesen, seine Walz sei etwas länger gewesen als sonst üblich.
„Meine Motivation zur Kandidatur liegt in meiner Heimatverbundenheit. Trotz langer Abwesenheit habe ich den Kontakt nach Daheim nie abreißen lassen und ich möchte meine berufliche und private Zukunft nun in Bad Wurzach fortsetzen. Ich mag Menschen und sehe das Amt des Bürgermeisters nicht nur als Beruf, sondern als Berufung. Zudem reizen mich die Herausforderungen einer neuen und spannenden Aufgabe.“ Er wolle wieder „hoim“, er wolle sich nur hier – in Bad Wurzach – als Bürgermeister bewerben.
Er sehe sich für das Amt gut gerüstet: Mit reichlich Führungserfahrung in verantwortungsvoller Position, mit großer Personalverantwortung. Wirtschaftliches Verständnis sei etwas, das man immer brauchen könne. Dies gelte auch für den öffentlichen Bereich. Er verfüge über viel Erfahrung als Mediator bei verschiedenen Interessensgruppen, wie es sie auch in Bad Wurzach mit seiner Kernstadt und den Gemeinden gibt.
Zu seinen Vorhaben als Bürgermeister sagte er: „Ich habe eine Vision, ich möchte irgendwohin.“ Als Mittel, dorthin zu kommen, sieht er den Dialog untereinander. Diesen Prozess wolle er transparent gestalten. Im Alltag verliere man oft den Fokus, was wollen wir eigentlich und wo wollen wir hin. Was wollen wir als Gemeinde erreichen.
Er wolle für alle Bevölkerungsgruppen Angebote machen, wolle einen gemeinsamen Nenner für eine lebendige, lebenswerte Gemeinschaft schaffen. Er will die Wirtschaft stärken, Arbeitsplätze schaffen, damit Menschen zuziehen und die Jungen nicht wegziehen. „Eine lebenswerte Lebensumgebung schaffen, dass die Leute gerne hier wohnen.“ Gewerbegebiete ausweisen, Tourismus fördern, Angebote schaffen für alle Gruppen. Familien mit Kindern etwa bräuchten andere Angebote wie zum Beispiel Jugendliche. Unternehmen würden sich dort ansiedeln sich, wo Arbeitskräfte vorhanden sind, so griffen beide Rädchen ineinander.
Nachdem die Gesellschaft in den letzten Jahren auseinander gedriftet sei, sei ein offener Dialog sehr wichtig, damit man aus der eigenen Bubble heraus- und in den Austausch mit anderen komme. Er wolle die Gesprächsbereitschaft fördern, um auch eventuelle unsichtbare Mauern zwischen Bürgern und der Stadtverwaltung abzubauen. Ihm sei bei diesem Prozess auch Transparenz sehr wichtig. „Diese muss von oben gelebt werden, dafür stehe ich.“
Der Kurbetrieb sei eine wirkliche Baustelle, da müsse er ran. Aber dafür sei er sehr gut gerüstet, er mache dies seit nunmehr 20 Jahren. „Ich werde es auch schaffen, diesen Kurbetrieb zu sanieren, wenn die Voraussetzungen stimmen.“ Dafür brauche es jedoch eine Bestandsaufnahme, die nach seinem Kenntnisstand aktuell jedoch noch nicht möglich sei.
Weiteren Handlungsbedarf sieht Schiller bei der ärztlichen Versorgung, etwa durch Schaffung eines Ärztehauses oder Medizinischen Versorgungszentrums. Die Innenstadt attraktiver zu machen, Förderung des Tourismus, Ausbau und Erhaltung der Infrastruktur, Erhalt von öffentlichen Gebäuden in den Ortschaften waren weitere Punkte, die er ansprach.
Wenn er die Wahl gewinnen sollte, versprach er den Bürgern, würden es acht interessante Jahre. „Gehen sie zur Wahl und machen sie Ihr Kreuz bei Florian Schiller“, so sein Appell zum Schluss.
Melanie Mühlig, Schülerin, fragte, was er über das Jugendhaus hinaus für Jugendliche machen wolle. Schiller antwortete ihr, dass er außerhalb ihrer Altersgruppe sei und deswegen zunächst den Dialog mit den Jugendlichen suchen werde, um dann festzustellen, was von diesen gewünscht würde und damit dann in die entsprechenden Gremien zu gehen. Damit die Entscheidungen dann auch bedarfsgerecht sind und von allen akzeptiert werden können.
Anastasia Fischer, ebenfalls Schülerin, kam auf die mangelhaft funktionierende Vernetzung und Medienausstattung in den Schulen zu sprechen. Trotz großem finanziellen Aufwand sei digitaler Unterricht noch nicht oder nur eingeschränkt möglich. Was würde er in Zukunft ändern, fragte sie den Kandidaten. Das sei klassischer Infrastruktur-Mangel. „Offensichtlich wurden da Dinge angefangen, aber nicht zu Ende gebracht.“ Dies höre er schon in vielen anderen Bereichen, gerade bei Datenleitungen. Hier müsse man Ursachenforschung betreiben. Er freue sich aber auf die Herausforderung.
Reinhold Mall fragte, nachdem er den großen Einsatz von der amtierenden Bürgermeisterin gelobt hatte, die auf sehr vielen Veranstaltungen präsent sei, ob dieser ebenfalls bereit sei, so viel Einsatz zu zeigen. Dieser antwortete ihm, dass es ja sein Anliegen sei, wieder in die Heimat zurückzukommen. Ein Arbeitspensum von 60 bis 80 Stunden pro Woche sei für ihn nichts Neues, und es sei für ihn keine Arbeit, am Wochenende einem Konzert zu lauschen, etwa beim Musikverein Arnach. Er freue sich bereits auf die sich im Anschluss daraus ergebenden Gespräche. „Für mich ist das keine Arbeit. Für mich ist das ein Vergnügen.“
Auf die Frage von Mall, ob er mit seiner Familie im Falle seiner Wahl nach Bad Wurzach ziehen werde, antwortete Schiller: „Ja, natürlich. Das ist ja der Grund, weshalb ich mich zur Bürgermeisterwahl stelle. Ich will ja wieder heim.“
Robert Mößle: „Wie stellen Sie sich neue Gewerbeflächen vor und neuen Wohnraum?“ Man müsse es einfach versuchen, hartnäckig dranbleiben. Und wer es bezahlt, konnte Schiller auch gleich beantworten: „Wir sind ja nicht pleite, ich werde ja Bürgermeister und nicht Insolvenzverwalter.“ Ein Bonmot, das ihm anerkennendes Lachen einbrachte.
Friedrich Thorsten Müller fragte nach einer finanziellen Entlastung für Familien mit Kindern, weil ja diese immer mehr unter Druck gerieten. Schiller sah hier schon eine seiner Prioritäten, „Familien mit Kindern sind unsere Zukunft.“ „Sie können sich drauf verlassen, die Familien werden nicht vergessen.“
Sven Stöckle

Sven Stöckle (51 Jahre), Vater zweier Töchter, geborener Leutkircher, lebt der Liebe wegen seit 30 Jahren in Herlazhofen. Nach kaufmännischer Ausbildung, bei der er auch betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen erwarb, was für einen Bürgermeisterkandidaten von Vorteil sei. Nach einer zweiten Ausbildung als Krankenpfleger ist er inzwischen „zwischen zwei Welten“, wie er sagte, unterwegs: Auf der einen Seite als Ortsvorsteher von Herlazhofen, andererseits im sozialen Bereich mit einer Halbtagesstelle als Gemeindepsychiatrischer Koordinator im Landkreis Ravensburg. Fünf Jahre als Schöffe beim Verwaltungsgericht hätten ihm viel Erfahrung im Bau- und Beamtenrecht gebracht. Er ist Gemeinderat in Leutkirch und weiß, wie eine Verwaltung tickt, aber er kenne er auch die Tücken einer Verwaltung und weiß, dass manche Prozesse ihre Zeit bräuchten. „Durch meine Tätigkeiten als Ortsvorsteher und Koordinator habe ich mir ein großes Netzwerk auch zum Landratsamt aufbauen können.“ Und auch bei den Bundes- und Landespolitikern habe er auf diesem Weg so manchen Tipp erhalten.
Er sei von verschiedenen Seiten angesprochen worden, ob er nicht Bürgermeister werden wolle. Nachdem vor wenigen Wochen die Bewerberlandschaft noch anders ausgesehen hatte, habe er sich dazu entschlossen, „meinen Hut in den Ring zu werfen“. Sein Vorteil sei, dass er aus Leutkirch komme und mit niemandem in Wurzach verbandelt sei; so könne er ganz objektiv auf Wurzach und die Aufgaben schauen.
„Als Bürgermeister wäre es mir ganz wichtig, das Gleichgewicht zwischen der Kernstadt und den ganzen Ortsverwaltungen zu halten.“ Denn es sei wichtig, den Fokus auf beidem zu halten. Es gebe im großen Gemeindegebiet eine große Infrastruktur zu verhalten, so etwa ein Straßen- und Wegenetz von fast 500 Kilometern, das gehegt und gepflegt werden müsse.
Als Bürgermeister wolle er gestalten, nicht nur verwalten und er wolle die Menschen mitnehmen. Er wolle ihnen zeigen, dass Kommunalpolitik durchaus spannend sein könne. Hier könne man durchaus noch etwas bewegen, auch wenn es sehr zeitaufwendig sei. Denn in einer Kommune gebe es viele Akteure und das brauche Zeit, bis es zu einer Entscheidung komme.
Ein klares Ziel als Bürgermeister sei die Stärkung des Tourismus, etwa über eine langfristige Kooperation mit Center Parcs, um Bad Wurzach bekannter zu machen. Im Bereich Stadtmarketing würde er einen sogenannten City-Manager installieren, um die Innenstadt zu beleben, Events in die Stadt holen, aber auch um Terminkollisionen zu vermeiden. Eine weitere Aufgabe wäre für den City-Manager, Tourismus und Naturschutz noch besser in Einklang zu bringen.
„Ein weiteres großes Thema ist der Durchgangsverkehr in der Innenstadt.“ Daran arbeite die Verwaltung mit einen Verkehrskonzept. Menschen, die zum Einkaufen in die Stadt wollen oder zu einem Arzt, sollten nach wie vor in die Innenstadt kommen. Andere Verkehrsströme sollten Bad Wurzach umfahren.
Stöckle schnitt auch das Thema „Hausärztliche Versorgung“ an. Viele ältere Hausärzte machten bereits länger als sie müssten, weil der Nachwuchs „sehr überschaubar“ sei. Hier gelte es, das Gespräch mit den Hausärzten zu suchen; ein Ärztehaus oder MVZ zu installieren sei anzustreben. Das sei zwar keine kommunale Aufgabe, aber sich nicht darum zu kümmern, wäre sträflich.
Auch Stöckle thematisierte die finanzielle Schieflage des Kurbetriebs, die schon viele Jahre andauere. Hier müsse nach den Ursachen geschaut werden. Das Thema sei in Bad Wurzach sehr sensibel sei, da der Kurbetrieb Teil der Bad Wurzacher Identität ist. Ein Betrieb im Gesundheitswesen sei heute sehr komplex; die Stadt könne es kaum aus eigener Kraft schaffen, ihn wieder zu konsolidieren. Die Stadt könne es sich „nicht ewig“ erlauben, den Betrieb zu bezuschussen. Als Lösung denkt er an eine Teilprivatisierung. „Man muss jetzt handeln und es muss dazu der politische Wille vorhanden sein.“
Andreas Brand fragte, wie Stöckle als Ortsvorsteher von Herlazhofen zur Unechten Teilortswahl stehe. „Wir sind die letzte Bastion in der Großen Kreisstadt, wo sie gehegt und gepflegt wird. Wir in Herlazhofen sind stolz darauf und ich sehe keinen Anlass, daran etwas zu ändern.“
Lukas Häfele

Der 39-jährige Lukas Häfele aus Oberziegelbach startete seine Vorstellung mit einer einminütigen Gebärdensprachenvorführung. Vielen Menschen gehe es nämlich so, wie gerade dem Publikum. Für ihn gilt daher: „Kommunikation ist nicht das, was gesagt wird, sondern das was auch verstanden wird.“ Sprache dürfe keine Barriere sein.
Als Werkrealschüler habe er ein klares Ziel gehabt: Er wollte Softwareentwickler werden. Nach einer Elektronikerausbildung holte er die Fachhochschulreife nach, absolvierte seinen Zivildienst in einer Einrichtung für entwicklungsverzögerte Kinder. In Ulm studierte er technische Informatik und machte seinen Bachelor of Sciences in England. Danach arbeitete er im Allgäu, in der Schweiz und in Biberach, dort in einem großen Pharmaunternehmen. Inzwischen arbeitet er wieder in der Großgemeinde im Bereich der erneuerbaren Energien. „Ich engagiere mich, weil ich überzeugt bin, wir dürfen Probleme nicht verwalten, sondern müssen sie lösen. Ich komme nicht aus der Politik, sondern aus der Praxis. Ich bin ein Macher.“
Er wolle heute drei Themen ansprechen, die alle beträfen. Zum einen die Ärzte-Versorgung. Die hausärztliche Situation sei so angespannt, dass viele bereits in andere Städte ausweichen müssten. Ein einzelner Arzt allein löse das Problem nicht. Man müsse aktiv auf Ärzte zugehen und Anreize schaffen. Das im „Adler“-Quartier in Ziegelbach angedachte Konzept gehe in die richtige Richtung, um moderne Strukturen mit Teamarbeit zu schaffen.
Auch Häfele befasste sich mit dem Kurbetrieb. Dieser sei zentral für die Stadt. Aber die Lage sei bei Verlusten in Millionenhöhe sehr ernst. Deshalb seien klare Schritte, eine Ausweitung auf mehrere Partner erforderlich, um zu große Abhängigkeiten zu vermeiden. Es brauche professionelle Führung mit Erfahrung. „Mein Ziel: ein Kurbetrieb, der langfristig tragfähig ist.“
Zur wirtschaftlichen Entwicklung sagte Häfele, die Innenentwicklung müsse Vorrang genießen, um Leerstände nutzen, Betriebe zu stärken und Bürokratie abzubauen. Landwirtschaft, Betriebe und Unternehmen seien das Fundament der Stadt.
Die Förderung der Jugend sei ihm besonders wichtig. Deswegen setze er sich für einen Jugendgemeinderat ein, damit junge Menschen früh lernen, wie Demokratie funktioniert und aktiv an Entscheidungen beteiligt werden. Denn: „Wer heute mitreden darf, übernimmt morgen Verantwortung.“
Bad Wurzach habe als Großgemeinde enormes Potential. Die Herausforderungen allerdings würden immer komplexer. Verwaltung sei wichtig, aber die Aufgaben der Zukunft seien Digitalisierung, Fachkräftemangel, Bürokratie und Künstliche Intelligenz. Und da sehe er von Berufs wegen als Softwareentwickler seine Stärken. Er arbeite täglich daran, Systeme zu verbessern und effizienter zu machen. Dabei gelte: „Technik darf kein Selbstzweck sein, sie muss den Menschen dienen.“ Sein Ziel sei eine moderne Verwaltung, die unterstützt und nicht aufhält. Er sei Pragmatiker und wolle ein Bürgermeister sein, der zuhört und Verantwortung übernimmt. „Wenn auch Ihr das wollt, bitte ich Euch um Eure Unterstützung am 26. April.“
Fragen wurden aus dem Publikum an den Bewerber keine gestellt.
Daniela Amann

„Bad Wurzach ist nicht irgendein Ort für mich, es ist mein Zuhause.“ Mit diesen Worten startete Daniela Amann ihre Vorstellung. Sie sei hier aufgewachsen und lebe mit ihrer Familie und ihren Kindern hier. Sie sei Wurzacherin mit Leib und Seele. Ihre gesamte Familie sei mit Wurzach tief verwurzelt. Ihr Uropa sei hier Postbote gewesen und ihre Uroma habe im Ried Torf gestochen. Nach ihrer Schulzeit bis zum Abitur sei sie dem Salvatorkolleg auch danach noch eng verbunden geblieben, denn sie beteilige sich aktiv an der alle zwei Jahre stattfindenden Studienberatung. Ihr Jura-Studium absolvierte sie inklusive ihrer beiden Staatsexamen an der Uni Augsburg, war aber auch in dieser Zeit nie ganz weg von Bad Wurzach. 2011 machte sie sich kurz nach ihrem Studienabschluss hier als Anwältin selbstständig. Seit knapp 15 Jahren sei sie mitten im Geschehen und verfolge die Stimmung in der Gemeinde. Ihre Kinder gehen in Bad Wurzach in die Schule, daher bekomme sie einiges mit.
„Ich kandidiere als Bürgermeisterin, weil ich überzeugt bin, dass ich Bad Wurzach stärken und vieles besser machen kann.“ Die Stadt verdiene eine Wurzacherin als Bürgermeisterin. Eine Wurzacherin, die hier ihren Lebensmittelpunkt habe, die einfach greifbar sei.
Als Juristin bringe sie Verständnis mit für sämtliche Fragestellungen, aber auch für Verwaltungsrecht. Sie habe viele positive Eigenschaften, die ihr Beruf mit sich bringe wie Überzeugungskraft. Diese habe sie allerdings schon früher gehabt.
„Mir persönlich ist wichtig eine Menschlichkeit, ein persönliches Miteinander, der Zusammenhalt liegt mir am Herzen. Ich glaube an ein starkes Miteinander.“ Denn gemeinsam sei man immer besser als einer allein.
Die große Vielfalt der Gemeinden beeinflusse sich gegenseitig; man könne nicht das eine oder das andere sehen, alles zusammen sei ein großes Bad Wurzach. Die Stadt wolle sie für alle noch lebens- und liebenswerter gestalten, für Gewerbe, Familien und Tourismus, damit alle sich wohlfühlen können.
Für Familien seien genügend Betreuungsplätze erforderlich. Sie werde sich für genügend Spiel- und Freizeitmöglichkeiten einsetzen. „Wir brauchen genügend Wohnraum und Arbeitsplätze, wo Beruf und Familie miteinander vereinbar sind.“ Denn viele Familien brauchen inzwischen zwei Einkommen, um damit auszukommen.
Ein großes Anliegen ist ihr die Sicherheit an Schulen. Da wäre zum Beispiel die zentrale Bushaltestelle am Salvatorkolleg, wo oft gefährliche Situationen entstehen können.
Auch die kinderärztliche Versorgung bereitet ihr Sorgen. Diese sei ein wenig in der Öffentlichkeit ins Hintertreffen geraten, diese gebe es in Bad Wurzach schon lange nicht mehr.
Die Landwirtschaft sei ein Teil der Identität der Stadt. „Seien wir doch froh, dass wir regionale Produkte haben.“ Hier gebe es Bauernhöfe, Ferienbauernhöfe, dafür solle sich Wurzach glücklich schätzen.
Auch das Gewerbe müsse unterstützt werden. Auch wenn die Stadt auf vielen Säulen stehe, sei das Gewerbe doch das Fundament.
Sie habe schon die Überzeugung, dass „wir“ das Problem mit dem Kurbetrieb hinbekommen, weil dieser immer ein Teil der Stadt war. Aber dafür müsse man neue Pfade einschlagen. Es sei für sie nicht nachvollziehbar, warum in der Rehaklinik Patienten wochenlang auf ein Bett warteten, Mütter und Kinder ein Jahr auf ein Kur warten müssen, während der städtischen Klinik die Patienten fehlen. Eine Klinikschließung wäre fatal, würde sich auf viele andere Bereiche auswirken. Daher müsse bei der Umstrukturierung sehr genau hingesehen werden.
Ihr Ziel sei ein wirtschaftlich gesundes Bad Wurzach, attraktiv für Familien und Tourismus.
Bei der anschließenden Fragerunde fragte die Schülerin Milena Mönig, wie Busverbindungen, auf die viele Schüler angewiesen sind, zu verbessern sind, sie seien oft schlecht getaktet und auch teuer. Bei den Verbindungen müsse man in die Kommunikation gehen, um Veränderungen herbei zu führen, sagte diese. Bei der Preisgestaltung gäbe es sicher Mittel und Wege für Ausnahmeregelungen
Text und Fotos: Uli Gresser
Unter dem roten Link-Balken rechts oben können Sie die Aufzeichnung der Kandidatenvorstellung ansehen
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