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Im Barocktreppenhaus im Wurzacher Schloss

Musikalisch-literarischer Geburtstagsgruß für Sepp Mahler

Foto: Uli Gresser
Für den musikalischen Geburtstagsgruß sorgten Pedro Jiménez Laux, ein Kammersänger und ehemaliger Kollegsschüler, sowie das musikalische Multitalent Kaan Kara.
veröffentlicht am: 16.09.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bad Wurzach – Am 30. Mai 1901 wurde Sepp Mahler im Wurzacher Leprosenhaus geboren – also vor 125 Jahren. Ein Grund, diesen Geburtstag gebührend zu feiern: Am Samstag, 12. September, mit einem musikalisch-literarischer Geburtstagsgruß im barocken Treppenhaus des Wurzacher Schlosses und tags darauf, am Tag des offenen Denkmals im Sepp-Mahler-Haus.

Festredner beim Festakt im Barocktreppenhaus unter dem griechischen Götterhimmel war Walter Frei aus Ehingen, ein herausragender Sepp-Mahler-Rezitator. Für den musikalischen Geburtstagsgruß sorgten Pedro Jiménez Laux, ein Kammersänger und ehemaliger Kollegsschüler, sowie das musikalische Multitalent Kaan Kara, der Beisitzer im Vorstand des Förderkreises Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus e. V. ist.

Offenes Haus bei Adelgunde Mahler

In ihrer Begrüßung der Besucher, darunter auch Bürgermeister Florian Schiller, seinen Stellvertreter Klaus Schütt und einige ältere Wurzacher, wie Martha Wild, die den Maler und Poeten noch persönlich gekannt hatten, ging Adelgund Mahler zum einen auf das Jubiläum ein, verwies aber auch auf den Folgetag, dem Tag des offenen Denkmals, an dem das Sepp-Mahler-Haus von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet war. Gezeigt wurde dort eine Ausstellung, die die Torfgewinnung am Beispiel der Familie Mahler darstellte. Sie erklärte, dass sie die Veranstaltung ohne Kaan Kara nicht hätte stemmen können. Gleichzeitig freute sie sich, dass es dem Verein gelungen sei, mit Walter Frei eine der besten Sepp-Maler-Rezitatoren für diesen Spätnachmittag im Barocktreppenhaus zu gewinnen. „Walter Frei erinnert mich im Tonfall und Stimme an meinen Vater“ erklärte Adelgund Mahler weiter. Der fast 90jährige Frei selbst bedauerte, der seit 50 Jahren aus den Werken von Sepp Mahler rezitiert, dass er diesen nicht mehr persönlich kennenlernen durfte.

Geboren im Leprosenhaus

Sepp Mahler kam vor 125 Jahren als Sohn des Torfmeisters Josef Mahler im „Siechenhaus“, dem heutigen Leprosenhaus-Museum, zur Welt, das dank des ehemaligen Stadtarchivars Otto Frisch eines der wenigen noch erhaltenen Seuchenspitäler darstellt. Dort waren in jener Zeit die Torfarbeiter des nahen fürstlichen Torfwerks untergebracht. Kein Wunder, dass das Haus im Werk Sepp Mahlers immer wieder zum Hauptmotiv wurde, in seinen Bildern zum Sinnbild menschlichen Schicksals.

Walter Frei hob in seinem Vortrag eine Gabe des Maler-Dichters hervor: Seine Gabe im Umgang mit Sprache, die eine Offenbarung war und die ihn zum Dompteur werden ließ. Eine weitere herausragende Eigenschaft von Mahler sei es gewesen, der im Moor einen Hinweis auf die Herkunft und die Schöpfung sah, dass er seine Botschaft nicht laut hinaus geschrien habe, sondern still, ja fast stumm verarbeitet habe. Er habe die Zeichen der Zeit viel eher erkannt als manch anderer. Und er sei in seinen Werken nie auf die Oberfläche fixiert gewesen. SM sei fromm, dies aber nicht im kirchlichen Sinne, gewesen. Sein Werk sei keiner Kunstrichtung zuzuordnen gewesen, weswegen er als Eigenbrötler galt. „Aber er ist sich seiner Gabe bewusst gewesen, die Melodie des Lebens zu erfassen.“ Wie etwa in seinen „Rufer“-Texten, von denen Frei zwei Sätze rezitierte: „Der Traum ist wirklicher als die Wirklichkeit.“ „Die Kunst hat ihre eigenen Gesetze und ist die Ordnung selbst.“

Diese Ordnung sichtbar zu machen, war das stete Bestreben von Sepp Mahler, aber auch bei der Darstellung von Trauer und Schmerz gehörten positive Botschaften dazu.

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Walter Frei streute auch einige Zitate von Hermann Hesse ein, der zwar ein Vierteljahrhundert älter als Sepp Mahler war, aber dem Frei den Titel „Bruder im Geiste“ gab.

Vagabunden-Leben

Frei thematisierte auch das Vagabunden-Leben von Sepp Mahler in seiner Jugend. Damals sei der Begriff noch niicht so negativ besetzt gewesen wie heute. Denn für Mahler war es damals die einzige Möglichkeit, selbstgewählt die enge Heimat zu verlassen.

Frei zeichnete auch noch einen weiteren Charakterzug Sepp Mahlers nach: „An so schönen Tagen wie diesem wäre er unruhig geworden und es hätte ihn ins Ried getrieben.“

Nach einem weiteren von den beiden Musikern gemeinsam vorgetragen Musikstück, war es an der Zeit „Danke“ zu sagen. Adelgund Mahler tat dies mit einem ganz besonderen Geschenk an Walter Frei. Sie hatte für ihn eine Mappe zusammengestellt, in der die „50 Jahre Rufer-Rezitationen“ von Walter Frei dokumentiert waren. Sie nutzte die Gelegenheit aber auch, um dem neuen Bürgermeister Florian Schiller im Bezug auf Kunst- und Kulturförderung ins Gewissen zu reden.

Zwei Stunden, die dank der durch die wunderbare Dekoration geschaffene heimelige Atmosphäre und der spannenden und wunderbar pointierten Rezitationskunst von Walter Frei sowie den gelungenen musikalischen Beiträgen der beiden Musiker, wie im Fluge vergangen sind.
Bericht und Bilder: Uli Gresser

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