
Arnach – Verkehrsprobleme sind ein kommunalpolitisches Dauerthema. Bei der Ortschaftsratssitzung in Arnach am 2. September wurde Bürgermeister Florian Schiller von Bürgern darauf angesprochen.
Gerhard Reischmann aus Brugg überreichte im Rahmen des Tagesordnungspunktes „Fragen und Anliegen der Bürger“ dem Stadtoberhaupt zwei Unterschriftenlisten; eine von Seiten der Brugger Weiler-Gemeinschaft und eine, die von Patienten und Nutzern der Gesundheitspraxis „Brugg 10“ unterschrieben ist. In beiden Petitionen wird eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf der B 465 auf Höhe Brugg auf Tempo 60 gefordert.
Michael Schuchert übergab Bürgermeister Schiller ein von ihm verfasstes Gutachten zur Verkehrsbelastung in Arnach innerorts.
„Tempo 70 ist einfach zu hoch“
„Es geht um die Brugger Kreuzung“, sagte Reischmann. „Dort stoßen zwei große Verkehrsströme aufeinander: Auf der B 465 in Brugg fahren täglich im Durchschnitt 10.000 Fahrzeuge, darunter 1000 Lkw. Auf der Landesstraße von und nach Arnach verkehren mindestens 2000 Fahrzeuge täglich. Geboten an der Kreuzung ist Tempo 70. Das ist einfach zu hoch.“
Das empfänden nicht nur die Brugger Anlieger so, das sähen auch die vielen von Arnach her kommenden Verkehrsteilnehmer so, die vor allem morgens zwischen 6.00 und 8.00 Uhr oft lange warten müssten, um dann „gestresst“, wie Reischmann sagte, in die Kreuzung einzufahren.
Das Problem „Brugger Kreuzung“ sei auch beim Ortschaftsrat und beim Gemeinderat erkannt. Es gebe Beschlüsse beider Gremien, in denen Tempo 60 gefordert wird. „Nun können Stadt und Ortschaft bei einer Bundesstraße nicht mehr tun, als Anregungen geben, Forderungen stellen und Vorschläge machen“, gab sich Reischmann realistisch. Entschieden werde das auf höherer Ebene. Herbert Ringer, der Betreiber des Gesundheitszentrums in Brugg, und er als Anlieger hätten sich deshalb mit der Bitte um Tempo 60 an das Landratsamt gewandt. Zunächst habe man hierzu von dort einen abschlägigen Bescheid bekommen.
„Es braucht einen Kreisverkehr“
In Reaktion auf die Absage hätten die beiden Initiatoren dann am 24. August 2026 den Vorschlag zum Bau eines Kreisverkehrs in Brugg beim Landratsamt eingereicht, „verbunden mit großräumiger Lkw-Umlenkung zur Entlastung von Arnach und Eintürnen“, wie Reischmann ausführte.
Entlastungen für Eintürnen und Arnach
„Eine großräumige Umlenkung von Lkw-Verkehr hin zur Bundesstraße brächte Entlastungen für Eintürnen und Arnach, aber eine massive Mehrbelastung für Brugg, in geringerem Maße auch für Truschwende. Deshalb braucht es eine Entlastung in Brugg in Gestalt eines Kreisverkehrs“, führte Gerhard Reischmann in der Ortschaftsratssitzung am 2. September aus. Diese Baumaßnahme müsste noch ergänzt werden durch den Bau von Lärmschutzwällen und -wänden. An der Brugger Kreuzung würde bei einer großflächigen Lkw-Umlenkung viel zusätzlicher Verkehr zusammenströmen. Deshalb seien große Baumaßnahmen unabdingbar.
Diesen Vorschlag der beiden Initiatoren Gerhard Reischmann und Herbert Ringer – Kreisverkehr plus Lärmschutzwall / -wand – hat das Landratsamt umgehend zuständigkeitshalber an das Regierungspräsidium in Tübingen weitergeleitet.
Den Vorschlag haben die beiden Initiatoren auch Verkehrsstaatssekretär Raimund Haser sowie den Ortsvorstehern in Eintürnen und Arnach und der Stadt Bad Wurzach zugeleitet.
„Wir wissen: Das ist ein dickes Brett, das es hier zu bohren gilt“, sagte Reischmann. „Aber“, fügte er hinzu, „wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
„Realitätswidrige Lärm-Darstellung“
Während die Stadt in der Frage der Geschwindigkeitsbeschränkung und der Verkehrssicherung auf der Bundesstraße in Brugg keine Handhabe habe, habe sie sehr wohl Einflussmöglichkeiten und Eingriffsmöglichkeiten bei der Lärmbekämpfung, führte Reischmann des weiteren aus; er nannte die Lärmeinschätzung im aktuellen Lärmaktionsplan, Brugg betreffend, „realitätswidrig“.
Die Ausarbeitung von Michael Schuchert
Der neue Bürgermeister bekam im Rahmen der Sitzung ein weiteres Schriftstück überreicht. Es war das vom Arnacher Bürger Michael Schuchert erarbeitete private Gutachten, in dem die innerörtlichen Verkehrsprobleme von Arnach beschrieben sind, insbesondere die Belastung der Ortsdurchfahrt mit Lkw-Verkehr.
In dieselbe Kerbe wie Michael Schuchert schlug eine Bürgerin, die ebenfalls den starken Lkw-Verkehr durch Arnach beklagte. Dazu warf ein Ortschaftsrat ein, dass an dem Lkw-Verkehr von Wolfegg her auch viele regionale Arbeitsplätze hingen.
Ein weiterer Bürger fragte, warum um die St. Ulrich-Straße keine Tempo-30-Zone möglich sein sollte, so wie das in anderen Städten in der Region möglich sei. Dazu erklärte Ortsvorsteher Manfred Braun, dass die Großen Kreisstädte darüber selbst entscheiden können, für Bad Wurzach aber das Landratsamt bestimme.

Michael Schuchert übergibt seine Verkehrsanalyse, die Ortsdurchfahrt Arnach betreffend. Darin macht er auch Lösungsvorschläge.
Weitere Bürger-Anliegen
Katja Buhmann fand als besorgte Mutter die Situation an der Schule mit Blick auf die Verlässliche Grundschule unbefriedigend, nachdem zum Ferienbeginn alle Betreuerinnen gekündigt hatten. Zwar konnten während der Ferien drei neue Mitarbeitende gewonnen werden, wie Ortsvorsteher Braun in seinem Bericht erläuterte. Die neuen Kräfte könnten ihren Dienst aber erst am 1. Oktober antreten. Bis dahin bat der Ortsvorsteher um Geduld.
Anton Baumann fragte nach, wie die Stadt zukünftig Bürger schneller informieren wolle. Bürgermeister Schiller deutete an, dass man daran arbeite, hier neue Wege zu gehen.
Text und Fotos: Uli Gresser
Ein weiterer Bericht zur Arnacher Ortschaftsratssitzung vom 2. September folgt. Bereits am 3. September haben wir über die kommende Anbringung von zwei Zebra-Streifen berichtet (siehe nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch …“).
Transparenzhinweis: Der Bürger Gerhard Reischmann, der in der Arnacher Ortschaftsratssitzung am 2. September 2026 Verkehrsprobleme ansprach und einen Lösungsvorschlag unterbreitete, und der Mitherausgeber der Bildschirmzeitung und Redaktionsleiter Gerhard Reischmann sind ein und dieselbe Person. Er sprach als Initiator der ersten und als Mitinitiator der zweiten Unterschriftenliste im Namen von 64 (20 + 44) Personen – und im Interesse von zahllosen Verkehrsteilnehmern.







