Bad Wurzach – Vor kurzem hat Karl Ehrmann den Ortsheimatpflegern eine Museumsführung angedeihen lassen. Die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ hat darüber berichtet. Das private Heimatmuseum des ehemaligen Unternehmers am Viehmarkt ist so reichhaltig und vielfältig ausgestattet, dass genug Stoff für weitere Artikel bleibt. Diesmal wollen wir den Fokus auf das Schultheißen-Zimmer im Ehrmann’schen Museum richten.

Trauerndes Mädchen. Skulptur auf dem Bad Wurzacher Friedhof.
Kaum einer in Bad Wurzach weiß um die Geschichte der schwarzen Skulptur am Grabdenkmal des Alten-und Pflegeheims zum Heiligen Geist auf dem Städtischen Friedhof am Gottesberg. Die Figur stellt ein trauerndes Mädchen dar. Karl Ehrmann, der 90-Jährige mit dem so großen heimatgeschichtlichen Wissen, berichtet uns von der tiefen Trauer, die den Stifter der Skulptur umtrieb: Es war kein Geringerer als Stadtschultheiß Franz Graf, der seine Tochter Ilse, geboren 1896, 16-jährig begraben musste. Man sagte, sie sei an Schwindsucht verstorben, weiß Karl Ehrmann, geboren 1935, vom Hörensagen. Der Schultheiß, heute sagt man Bürgermeister, war damals 50 Jahre alt. Die Skulptur war Bestandteil des imposanten Graf’schen Familiengrabes, das einst rechts unterhalb des großen Friedhofkreuzes gestanden hatte. Franz Graf, der 1938 mit 76 Jahren starb, hatte dort ein weißes Bänkle errichten lassen, auf dem man ihn öfter habe sitzen sehen – vermutlich gelegentlich auch mit seiner Frau Johanna, einer geborene Feirle, stammend von der Mühle in Truschwende (1869 – 1941).
Als die Nachfahren das Grab auflösten, gaben sie die Skulptur – vermutlich aus Bronze – im Wege einer Schenkung an die Stadt.

Schenkungsplakette am Altenheim-Grabstein. Der Text lautet: GESTIFTET V. D. ANGEH. D. BÜRGERMEISTERS I. R. FRANZ GRAF. Links ist der Fuß der Skulptur erkennbar.

Familie Graf um 1910. Links Ilse, die um 1912 im Alter von 16 Jahren starb. Ob sich ihre Gesichtszüge in der Figur des trauernden Mädchens wiederfinden? Das Ehepaar Franz und Johanna Graf hatte neben Ilse noch drei Kinder, Alfred (1899 – ?), Paula und Alice (1904 – 1985).
Nach dem Tod von Johanna Graf, der Mutter der so früh verstorbenen Ilse, kaufte Weberei-Besitzer Xaver Ehrmann das Graf’sche Haus in der Mühltorstraße 10. Das war im Jahre 1941; damals hieß die Mühltorstraße Adolf-Hitler-Straße. „Den Kaufvertrag hon i grad heit in de Händ ghett“, sagte Karl Ehrmann am 15. Juni im Gespräch mit der Bildschirmzeitung. Durch den Kauf des möblierten Hauses kam das Schultheißen-Zimmer in den Besitz der Familie Ehrmann. Karl Ehrmann hat mit dem Graf’schen Interieur – darunter eine geschirrbestückte Vitrine und ein weinrotes Sofa – einen Raum in seinem Museum am Viehmarkt ausgestattet. Das Schultheißenzimmer zeigt den Bürgerstolz einer Familie, die in der Königszeit – Württemberg war bis 1918 ein Königreich – und in der Weimarer Zeit in Wurzach eine hervorgehobene Rolle innehatte.


Das Schultheißen-Zimmer im Ehrmann’schen Museum am Viehmarkt.
Interesse an einer Museumsführung? Karl Ehrmann ist bereit dazu. Unter Tel. 9365041 können kleinere Gruppe einen Termin vereinbaren. Die Führung ist kostenlos, aber gewinnbringend.
Text und Fotos: Gerhard Reischmann








