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Wangen – 25 Jahre ist es her, dass Lehrkräfte des Beruflichen Schulzentrums Wangen (BSW) den Eine-Welt-Laden übernahmen und eine Juniorenfirma gründeten. Dieses Jubiläum feiert der Weltladen EL SOL in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen – manche sichtbar für alle, andere für die Schule. So auch jetzt mit dem Vortrag „Bittere Orangen“ von Professor Gilles Reckinger, den zwei Schulklassen und einige ehrenamtlich bei El-Sol-Engagierte hörten. Organisiert wurde er von Sabine Müller, die bereits seit vielen Jahren das Weltladen-Team unterstützt.
Bevor es um die prekären und würdelosen Beschäftigungsverhältnisse von Menschen vorwiegend aus Nordafrika auf süditalienischen Orangenplantagen ging, erinnerten Silvia Mauch, Verantwortliche für die EL-SOL-Klasse an der Schule, und Bernhard Baumann, Mitbegründer und Motor für den fairen Handel in Wangen, an die Anfangszeiten des Ladens und die Mitstreiter Josef Rauch und Myriam Gompper. „Wir haben ziemlich viel Freizeit und Herzblut investiert“, sagten sie. Heraus kam ein einzigartiges Projekt, in dem Schüler am realen Markt lernen können. Den Schülerinnen und Schülern zollten sie großen Respekt, die „die Welt herzlicher und ein wenig besser machen“ wollten durch ihren Einsatz im Weltladen, wie Bernhard Baumann sagte. Der Dank ging auch an die Stadt Wangen, die die Ladenfläche mietfrei zur Verfügung stellt.
Dann führte der Kulturanthropologe und Ethnologe, der aktuell in St. Gallen lehrt, in seine Forschungen ein und beschrieb, weshalb und wie rund 2500 aus Nordafrika Geflüchtete – zumeist Männer – in Camps und selbstgebauten Hütten und Zeltdörfern in Kalabrien hausen. „Es ist ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa“, so Reckinger. Ein Asylverfahren in Italien daure oft viele Jahre, weswegen die Geflüchteten keine Papiere hätten, die ihnen die Arbeit unter regulären Bedingungen und die Wohnungssuche ermöglichten. Deshalb müssten sie sich als Tagelöhner verdingen und auf den Feldern in Kalabrien Orangen, Clementinen, Grapefruit oder Kiwi ernten.
Diese Früchte kommen im Winter in Supermärkte in Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder, wobei die großen Anbieter ihre Marktmacht ausnutzen und den Bauern viel zu niedrige Preise für ihre schnell verderbliche Ware abringen können. Die Erntehelfer bieten ihre Arbeitskraft Tag für Tag auf dem „Arbeitsstrich“ an, von wo sie von Arbeitgebern mit dem VW-Bus abgeholt werden – oder auch nicht. Sie werden nicht wie vorgeschrieben zu neunt transportiert, sondern zu 20 oder 30 in den Wagen gestopft. Dafür muss jeder auch noch 5 Euro bezahlen. Reckinger berichtete, es habe auch schon Unfälle gegeben – mit oftmals tödlichem Ausgang. Doch weil die Gegend stark von der Mafia unterwandert ist, sind Veränderungen schwierig und erfordern großen Mut.
Einen Lichtstrahl am Horizont biete hingegen der Verein SOS Rosarno in der Kleinstadt Rosarno, so berichteten gemeinsam Gilles Reckinger und Sabine Müller. SOS Rosarno beschäftigt Migranten mit regulären Arbeitsverträgen und zahlt ihnen Tariflöhne sowie Sozialbeiträge. Der Verein vertreibt Orangen nur von Öko-Betrieben und organisiert den direkten Verkauf an Bioläden und Gruppen solidarischen Konsums, wie auch an den Wangener Weltladen EL SOL. In den Wintermonaten können diese Orangen dann auch wieder in Wangen über El Sol bestellt werden. Mehr dazu unter www.faire-orangen.de oder direkt im Weltladen unter elsol@bs-wangen.de

































