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Zur Krankenhausversorgung in der Region
Die Entscheidung des Bodenseekreises, das Klinikum in Friedrichshafen an den privaten Träger AMEOS zu übergeben, markiert einen tiefen Einschnitt in der regionalen Gesundheitsversorgung. Sie ist nicht nur ein Verwaltungsakt, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die seit über einem Jahrzehnt zur schrittweisen Ausdünnung stationärer Strukturen in Oberschwaben und am Bodensee geführt hat.
In den vergangenen Jahren wurden Kliniken in Isny, Leutkirch, Weingarten, Bad Waldsee und Lindenberg geschlossen. Nun verliert auch Tettnang seine stationäre Perspektive. Diese Entscheidungen wurden jeweils einzeln begründet – doch in der Summe entsteht ein Bild, das für viele Bürgerinnen und Bürger besorgniserregend ist: Die Wege werden länger, die Abhängigkeit von wenigen Zentren wächst, und die Frage nach der Versorgung im ländlichen Raum bleibt offen.
Dass der Kreistag Ravensburg und der Gemeinderat Friedrichshafen zuvor für eine kommunale Lösung mit der Oberschwabenklinik votiert hatten, macht die Entscheidung des Bodenseekreises nicht illegitim, aber erklärungsbedürftig. Denn die kommunale Verbundlösung hätte eine demokratisch steuerbare, tarifgebundene und regional abgestimmte Versorgung ermöglicht. Das nun gewählte privatwirtschaftliche Modell setzt dagegen auf Zentralisierung und vertragliche Steuerung – mit allen Chancen und Risiken, die damit verbunden sind.
Die Landeskrankenhausplanung spielt dabei eine zentrale Rolle: Ohne Förderentscheidungen aus Stuttgart gibt es keinen Neubau und keine langfristige Perspektive. Die Region ist also nicht nur auf die Entscheidungen des Kreistags angewiesen, sondern ebenso auf die Weichenstellungen des Landes.
Mein Anliegen ist schlicht: Die Menschen in dieser Region haben ein Recht darauf, dass die Grundversorgung nicht zum Spielball wirtschaftlicher oder politischer Interessen wird. Krankenhauspolitik ist Daseinsvorsorge – und sie sollte auch als solche behandelt werden.
Stefan Weinert, Ravensburg
Anm. d. DBSZ-Red.: Stefan Weinert, Blogger aus Ravensburg (Schussental-Medial), beobachtet die regionale Krankenhausszene schon seit gut zehn Jahren mit großer Sachkunde und wachsender Skepsis. In seinem Blog „Schussental-Medial“ hat er im Beitrag „Der Kreistag Bodensee sagt ,Amen‘ zu AMEOS!“ eine Bilanz der regionalen Gesundheitspolitik der vergangenen Dekade gezogen (erschienen am 15. Mai 2026).
Den Weinert-Artikel „Der Kreistag Bodensee sagt ,Amen‘ zu AMEOS!“ haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt






























