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Ein frischer Blick auf fast tausend Jahre Geschichte

In aller Freiheit: Waldburg und Schattenburg schmieden neues Bündnis

Foto: Max Haller
veröffentlicht am: 03.06.2026
Autor: Max Haller, Waldburg
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Waldburg – Zwei der bedeutendsten Burgen im Bodenseeraum verbünden sich: gemeinsame Ausstellungen, vergünstigte Eintritte und ein frischer Blick auf fast tausend Jahre Geschichte.

Zwei Burgen, ein Ziel: Die Waldburg im oberschwäbischen Voralpenland und die Schattenburg über Feldkirch beleben ihre historischen Bande neu. Was im Mittelalter durch Adelshäuser, Allianzen und Heiraten verknüpft war, wird heute als kulturelle Partnerschaft im internationalen Bodenseeraum fortgeschrieben.

Das Bild zeigt Martin Caldonazzi – Schattenburg (links) und Max Haller Waldburg

Mit einer neuen Kooperation, gemeinsamen Ausstellungen und einer Partnerkarte wollen die beiden Burgen Geschichte grenzüberschreitend erlebbar machen – und zugleich zeigen, wie lebendig mittelalterliches Erbe sein kann.

Die Waldburg: Stauferglanz über Oberschwaben

Seit beinahe einem Jahrtausend thront die Waldburg auf einem Drumlin im Voralpenland – mit einem spektakulären Blick über den Bodensee, die Alpen und Oberschwaben. Sie gilt als eine der schönsten Burgen Deutschlands: nie zerstört, nie abgebrannt, bis heute in weiten Teilen original erhalten.

In der Stauferzeit steigt die Waldburg zur Amtsburg der Truchsessen der deutschen Kaiser auf. Gleich drei Stauferkaiser haben hier ihre Spuren hinterlassen: Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und Friedrich II. von Hohenstaufen sind eng mit der Geschichte der Burg verbunden. Heinrich VI. und Friedrich II. brachten den Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches auf die Waldburg – ein Symbol höchsten kaiserlichen Vertrauens.

Auch künftige Herrscher wuchsen hier auf: Drei deutsche Könige – Heinrich VII., Konrad von Hohenstaufen und Konradin, der letzte Staufer – verbrachten Teile ihrer Kindheit auf der einst mächtigen Festungsanlage im Herzogtum Schwaben.

Im Bauernkrieg tritt mit Georg III. Truchsess von Waldburg ein weiterer Name hervor, der eng mit der Burg verbunden ist. Als Heerführer des Schwäbischen Bundes kämpft er gegen die aufständischen, nach Freiheit strebenden Bauern – ein Konflikt, der bis heute als Markstein der europäischen Geschichte gilt.

Bis in unsere Tage zählt die Waldburg zu den geschichtlich bedeutendsten Burgen Mitteleuropas. Sie ist nach wie vor in Privatbesitz des Fürstlichen Hauses Waldburg zu Wolfegg und Waldsee. Betrieben wird die Burg mit viel Herzblut von der Pächterfamilie Max Haller als Museum ohne staatliche Bezuschussung. Rund 40.000 Besucherinnen und Besucher jährlich lassen sich von der Geschichte, den Ausstellungen und dem täglichen Kinderprogramm begeistern.

Die Schattenburg: Feldkirchs Wahrzeichen über der Altstadt

Als Wahrzeichen der Stadt Feldkirch beeindruckt die mittelalterliche Schattenburg mit 18 historischen Räumen, wertvollen Kunstsammlungen sowie spannenden Waffen aus mehreren Jahrhunderten. Seit 1917 ist auf der Schattenburg das Schattenburgmuseum untergebracht. Das vom Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch betriebene Museum zählt heute zu den größten des Landes Vorarlberg mit über 39.000 Besuchern pro Jahr.

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Der älteste Teil der Schattenburg, der Bergfried, entstand unter Rudolf II. (gest. 1302) als neue Residenz der Montforter vermutlich zwischen 1260 und 1270 als Eckturm der damaligen Befestigungsanlage. Mehrere An- und Umbauten erfolgten im Lauf der Jahrhunderte. Der Stadtgründer Hugo I. von Montfort (gest. vor 1237) residierte mit einiger Sicherheit noch auf der Burg Alt-Montfort, zwischen Weiler und Fraxern im Vorarlberger Vorderland gelegen.

Der Name Schattenburg, wie er in der Emser Chronik 1616 erstmals erwähnt wird, könnte auf die zerstörte „Blasenberg-Burg“ Bezug nehmen, die im Westen, also an der Sonnenseite lag. Der Legende nach wurde die Schattenburg mit den Steinen der abgetragenen Blasenberg-Burg auf der Schattenseite von Feldkirch errichtet. Bis 1390 – als Rudolf V. ohne Nachkommen verstarb und die Burg an das Haus Habsburg fiel – war sie Stammsitz der Grafen von Montfort – eines der damals tonangebenden Adelshäuser im Bodenseeraum, das auch durch die Schlösser Tettnang und Langenargen bekannt ist. Auch zur Waldburg bestanden über Jahrhunderte enge Verbindungen. Über das Grafenhaus Königsegg waren die Montforter den Waldburgern nah.

Wie die Waldburg ist auch die Schattenburg in großen Teilen original erhalten geblieben. Heute beherbergt sie ein Museum und Gastronomie. Daneben ermöglicht ein Minigolfplatz Turniere anderer Art. Besonders Familien dürfen sich auf ein abwechslungsreiches Kinderprogramm freuen: Museal-pädagogische Spiele machen Geschichte spannend und spielerisch erlebbar, der Rundgang durch die Burg wird so zu einem besonderen Erlebnis für Groß und Klein. Ein weiteres Highlight ist der traumhafte Blick vom Bergfried über die Feldkircher Altstadt und die umliegende Bergwelt – ein ideales Ausflugsziel für die ganze Familie.

Alte Bande, neue Kooperation

Die beiden „geschichtlichen Schwergewichte“ im Bodenseeraum knüpfen nun an ihre gemeinsamen Wurzeln an und beleben die freundschaftlichen Bande vergangener Jahrhunderte neu. Herzstück der neuen Kooperation ist eine Partnerkarte: Besucherinnen und Besucher, die eine der beiden Burgen besichtigen, erhalten in der jeweils anderen Burg eine Eintrittsermäßigung.

Doch damit nicht genug: Der Ravensburg-Weingartener Kunstverein, der bereits vergangenes Jahr mit 3 Kunstausstellungen zum Bauernkrieg auf der Waldburg Gäste begeistert, wird künftig uch mit einer Wanderausstellung zwischen Waldburg und Schattenburg organisieren. Den Auftakt macht die Ausstellung mit dem sprechenden Titel „Zwischen Kerker und dem Hauch von Freiheit – ein künstlerischer Blick“

Die Vernissage auf der Waldburg ist für den 6. August 2026 um 18 Uhr geplant. Ab April 2027 wird die Ausstellung in veränderter Form dann auch auf der Schattenburg in Feldkirch zu sehen sein.

Rittertage und Blick in die Zukunft

Auch die beliebten Rittertage, die traditionell rund um den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober auf der Waldburg stattfinden, sollen künftig in Vorarlberg, eine Woche später, eine Entsprechung finden. Mittelalterliche Atmosphäre, historische Darstellungen und Mitmachaktionen werden damit auf beiden Seiten der Grenze erlebbar.

Die Verantwortlichen auf Waldburg und Schattenburg sehen in der Zusammenarbeit erst den Anfang: Die Kooperation biete „noch viel Luft nach oben“ – und vor allem jede Menge Freude an gemeinsamer Geschichtsvermittlung über Grenzen hinweg.

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Max Haller, Waldburg
veröffentlicht am
03.06.2026
Lesedauer: ca. 5 Minuten
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