Arnach – Im Arnacher Neubaugebiet St. Anton wurde durch Beschluss des Ortschaftsrates der Straßenname vergeben. „Theresienweg“ heißt die neu geschaffene Straße. Sie ist benannt nach zwei Opfern der NS-Mordaktion T4. Etwa 70.000 Menschen, geistig Behinderte, psychisch Erkrankte wurden in den Jahren 1940 / 1941 in Tötungsanstalten wie Grafeneck umgebracht, oft vergast. Auch zwei Frauen aus Arnach zählen zu den Opfern: Theresia Maurer (1896 – 1940) und Theresia Steinhauser (1904 – 1940). Gerhard Reischmann, der in seinem Buch „Menschenskinder“ (erschienen 2007, 2. Auflage 2008) die beiden Euthanasie-Opfer namentlich erwähnt (S. 11) und dabei bedauernd feststellt, dass solche Opfer staatlicher Gewalt nicht auf dem Arnacher Mahnmal der Opfer von Krieg und Gewalt genannt sind, hatte den Vorschlag zu dieser Straßenbenennung gemacht. Seine Spurensuche mit Blick auf Theresia Maurer nimmt zunächst einen beiläufigen Anfang und führt dann zu einer Erinnerung an eine Familie, die über viele Jahrzehnte in Arnach eine herausgehobene Rolle spielte, die heute aber nahezu vergessen ist.

Seit 2026 gibt es in Arnach (Stadt Bad Wurzach) einen Theresienweg. Er erinnert an Theresia Maurer und Theresia Steinhauser, die beide 1940 im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet wurden. Foto: Gerhard Reischmann
Vor etlichen Jahren, es mögen wohl an die zwanzig sein, brachte mir Edgar Stehmer ein gerahmtes Bild. Er habe es auf dem Dachboden seines Hauses gefunden und wisse nicht, wer da abgebildet sei. Er vermute, es sei die Familie Maurer, der einst das Anwesen, damals ein Dorfladen mit Bäckerei und Landwirtschaft, gehört hat.
Edgar und Regina Stehmer hatten das Haus in der St.-Ulrich-Straße in Arnach 1991 von Bertha Diem, die dort mit ihrem Mann Eberhard jahrzehntelang Laden und Bäckerei betrieben hatte, gekauft und dann als Elektrogeschäft wiedereröffnet. Bertha (1906 – 2000) war eine geborene Maurer. Ich befragte einen alten Arnacher, der viel von Früher wusste, ob er die Bertha auf dem Bild erkenne oder sonst eine der Personen. Aber er konnte mir nicht weiterhelfen.
Nach vielen Jahren, ums Jahr 2018, nahm ich das Bild wieder in die Hand und betrachtete es genauer. Es zeigt drei Erwachsene und sechs Kinder. In der rechten Bildhälfte der professionell gemachten Aufnahme sitzt eine Frau von vielleicht 40 Jahren. Im Zentrum des Bildes ist ein Knabe platziert, den man auf 12 oder 14 Jahre schätzen kann. Der Familienvater, der an dieser Stelle stehen müsste, fehlt. Gemacht hat die Aufnahme ein Felix Osswald aus Leutkirch, dessen Vermerk sich unten rechts auf dem Passepartout befindet.
„Die Platten bleiben aufbewahrt“
Wer war Felix Osswald? Rasch eine Mail an Leutkirchs Stadtarchivarin Nicola Siegloch abgesetzt und dann weiterrecherchiert. Meine Schulkameradin Silvia Thanner (Foto-Thanner) kommt mir in den Sinn. „Silvia, sagt Dir der Name Felix Osswald was?“ – „Ja, aber das war lange vor unserer Zeit. Mein Vater hat 1969 am Gänsbühl angefangen. Davor war er bei Foto-Wagner (war neben dem Central-Theater). Frag doch mal bei Jochen Wagner.“ Der war auf die Schnelle nicht erreichbar.
Was weiß das Internet? Mehr als ich gedacht hätte. Ein Osswald-Foto „Kind sitzt auf Hund“ wird auf Ende 19. Jahrhundert datiert. Dieses Motiv ist atypisch. Zumeist findet man Porträts. „Bürgerliche Dame“, „Betagte Dame“, „Herr mit Schnauzbart“, „Dame mit Hochsteckfrisur“ – so lauten die Bildunterschriften. Angeboten werden die alten Fotos im Netz ab 3 Euro das Stück.
Beim weiteren Durchklicken ein Zufallstreffer. Wohl die Rückseite eines Fotos, ein Karton oder etwas in dieser Art: „Felix Osswald Leutkirch“, steht da und: „b. d. evang. Kirche“. „Atelier für moderne Photografie. Die Platten bleiben aufbewahrt.“
Nun ist Felix Osswald nicht mein eigentlicher Untersuchungsgegenstand. Mir reicht es zu wissen, wann er in etwa gearbeitet hat. Die Angabe „Ende 19. Jahrhundert“ hat mich etwas überrascht, denn ich vermutete zunächst in der sitzenden Frau in der rechten Bildhälfte die 1906 geborene Bertha. Ich meinte aus meiner eigenen Erinnerung an die alte Bertha in dieser Person die junge Bertha zu erkennen. Dann aber wäre die Entstehung dieses Bildes in den Vierzigerjahren oder noch später anzusiedeln. Das passt aber eigentlich von der Kleidung her nicht recht (die selbstbewussten Bürgerstolz ausstrahlt). Gewissheit verschaffte mir Nicola Siegloch: Felix Osswald, der Fotograf, ist 1923 gestorben (geb. 1869 in Rottweil).
Dann kann die Vierte von rechts nicht die Bertha sein.
Befragen wir Haiss. Hermann Haiss war bis Anfang der 1930er-Jahre Lehrer in Arnach gewesen und verfasste neben einer Ortschronik auch eine Liste der Arnacher Bauerngüter. Das Lädele mit der angeschlossenen Bäckerei hatte, wir erinnern uns, auch eine kleine Landwirtschaft mit knapp 12 Morgen. Deshalb findet sich auch eine entsprechende Eintragung zum Anwesen Maurer bei Haiss. Demnach kaufte Gottfried Maurer anno 1908 das Anwesen, in das zehn Jahre zuvor der Vorvorbesitzer Andreas Rist eine Bäckerei eingebaut hatte. In der 1931 von Haiss angefertigten Liste heißt es unter der Rubrik „Heutiger Besitzer“: Witwe Amalie Maurer. Und das seit 1912!
Die „Löwen“-Aufteilung
Was war geschehen? Unfall? Krankheit? Gottfried Maurer (1864 – 1912) stammte vom Höfle „Mosers“, das bei der Arnacher Vereinödung 1780/82 nördlich des Tobelbaches auf dem Ziegelberg entstanden war (Flurname St. Veit). Der Wohnplatz Mosers existiert heute nicht mehr (war oberhalb des Ziegelwerks, in der Nähe des einstigen Boschenfest-Geländes). 1894 übernahm Gottfried Maurer seine „Hoimet“ von Josef Anton Maurer (sicherlich der Vater; bereits 1815 ist ein Lorenz Maurer auf dem Hof „Mosers“ genannt). Mit 15 Morgen (4,88 ha laut Haiss im Jahre 1931) war es ein kleiner Hof.
1908/1909 verkaufte Gottfried Maurer seine Einöde Mosers und erwarb dafür das im Dorf liegenden Anwesen „Azzissers“, das im 19. Jahrhundert zum großen Besitz der Arnacher Brauersfamilie Müller gehört hatte und 1898 an den besagten Bäcker Rist verkauft worden war. Bei „Azzissers“ war kein Land dabei. Gottfried Maurer schaute deshalb um Ausgleich und konnte bei der Aufteilung der „Löwen“-Landwirtschaft zur selben Zeit Felder erwerben (3,90 ha); das Gasthaus selbst, dazu einige der Felder und den zugehörigen Wald, kaufte „Adler“-Bräu Josef Müller, der damit zwei der drei Arnacher Dorfwirtschaften sein eigen nennen konnte.
Gottfried Maurer hatte für seine große Familie nun alles bereitet. Er besaß ein eingeführtes Geschäft in der Dorfmitte mit angeschlossener Landwirtschaft. Doch schon wenige Jahre später – 1912 – kommt er zu Tode. Woran er gestorben ist – mit erst 48 Jahren – darüber schweigen die Quellen.

Was wir von Gottfried Maurer wissen, haben wir von Haiss. Betrachten wir das Foto, von dem wir lediglich deshalb annehmen, es sei Gottfrieds Familie abgebildet, weil es auf dem Dachboden seines Hauses aufgefunden wurde. Auf unserem Foto fehlt das männliche Familienoberhaupt. Aus der Haiss’schen Höfeliste wissen wir vom Todesjahr Gottfried Maurers (1912). Die kleinsten Kinder sind fünf, sechs Jahre alt. Das Foto ist also spätestens um 1918 entstanden.
Das passt zu Felix Osswald, der ab 1906 in Leutkirch gemeldet ist (und 1923 gestorben ist).
Aber ist das überhaupt die Familie Maurer?
Bei der Stadt Bad Wurzach werden die alten handschriftlich geführten Standesamtsbücher der früheren Gemeinde Arnach verwahrt. Wenn man ein begründetes Interesse hat, zum Beispiel ein journalistisches, dann bekommt man Auskunft.
Dem historischen Familienregister zufolge hat Gottfried Maurer anno 1894 die Theresia Schüle geheiratet. Das passt zur Hofübernahme (die laut Haiss in jenem Jahr war).
In dem Register werden zwölf Kinder aufgeführt. Auf dem Foto sieht man acht Kinder und die Witwe. Beim zweiten Blick in die alte Liste erkennt man: Vier Kinder sind früh gestorben: 1899, 1903, 1905 und 1908. Und wir wissen: Das Foto muss 1912 oder später gemacht worden sein (weil der 1912 verstorbene Vater fehlt).
Das Kind ohne Namen
Eine Tragödie steckt hinter der Eintragung von 1899: „Kind ohne Namen“, geboren am 23. November. Dahinter ein Kreuz. Eine Totgeburt. Vier Tage später stirbt die Mutter. Theresia Maurer geb. Schüle wird 29 Jahre alt. Sie hinterlässt drei Kinder: Maria Magdalena, geboren 1895, Theresia (1896) und Josef Anton (1898).
Der Witwer, 35 Jahre alt, drei kleine Kinder, Haus und Hof und Vieh, heiratet kein Vierteljahr später die 26-jährige Amalia Burger aus Langensteig (Hochzeit am 6. Februar 1900). Am 2. Oktober 1900 erblickt Josefa das Licht der Welt. 1901 kommt Amalie. 1902 Paulina (gestorben 1903). 1904 eine zweite Paulina; sie starb 1905. Dann ein Bub, Johannes. Er starb 1908 mit drei Jahren. 1906 wird Bertha, 1908 Sophie und zuletzt – 1909 – Maria geboren.
1912, wie gesagt, stirbt Gottfried, der Vater der Kinderschar.
Die Auskunft, die uns das alte Register gibt, passt ins Bild. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist die Familie Maurer, es sind die acht überlebenden Maurer-Kinder mit der Mutter, die im Falle der drei Ältesten die Stiefmutter ist.
Grafeneck
Im Jahre 2007 bekam die Stadt Bad Wurzach eine Anfrage aus Meckenbeuren, wohin Liebenau gehört. Die Anfrage galt einer Theresia Maurer aus Arnach. Sie sei im Dritten Reich im Rahmen der T4-Euthanasie ermordet worden. Laut dem Arbeitskreis Heimatgeschichte des Kulturkreises Meckenbeuren e. V. ist die am 9. 10. 1896 in Arnach geborene Theresia Maurer, eingeliefert in Liebenau am 22. 7. 1935, von dort am 13. 8. 1940 mit Ziel Grafeneck (Schwäbische Alb) abtransportiert worden. Zur Tarnung seien die Opfer dieses Transportes zunächst nach Zwiefalten „verlegt“ worden, erläuterte Josef Friedel (Meckenbeuren) den Vorgang in einem Gespräch am 23. 5. 2018. Friedel, der die Schicksale aller Liebenauer Mordopfer – es waren 501 Menschen – untersucht hat, weiß, wann Theresia Maurer aus Arnach den Gas-Tod im Schuppen von Grafeneck gestorben ist: Es war am 30. August 1940. Sie war damals 43 Jahre alt. Vermutlich hat ihre Familie in Arnach einen jener standardisieren „Trostbriefe“ erhalten, in denen das eigens eingerichtete Sonder-Standesamt Grafeneck fadenscheinige Todesursachen vorgab, um die Ermordung zu verschleiern.
Meine Mutter Theresia Reischmann, geboren 1926 in Brugg bei Arnach, konnte sich an Theresia Maurer nicht erinnern – weil diese sich eben schon ab 1935 in Liebenau befunden hatte. Wohl aber wusste sie von einer Schwester jener Theresia. Diese sei schwermütig gewesen und „ins Wasser gegangen“.
Zwei dieser ernst in die Kamera blickenden Menschen – die ernste Miene war der Stil der Zeit – starben eines unnatürlichen Todes. Mindestens zwei.
Theresia, die zweitälteste der acht Maurer-Kinder, unsere Theresia, die in Grafeneck ihr Leben verlor, muss die Dritte von links sein. Die Älteste – Maria Magdalena, geboren 1895 – ist sicherlich die im Zentrum des Bildes Stehende. Der einzige Bub steht an Vaters Stelle.
Wo ist der Bub abgeblieben? Sicher ist: Er hat das elterliche Geschäft – eine auskömmliche „Hoimet“ – nicht übernommen. Das hat die Bertha gemacht und sie hat um einen passenden Mann geschaut: Eberhard Diem, ein paar Jahre jünger als sie, aber fürs Geschäft sehr geeignet: Er war Bäcker von Beruf.
Bertha (geb. 1906) ist laut Register die drittjüngste. Sie muss das rechts sitzende Mädchen sein.
Man beachte das Mädle mit der weißen Blume in der Hand neben der Mutter. Dass die wohl jüngste der Gruppe ihre rechte Hand in die Rechte der Mutter legt, ist sicherlich kein Zufall; das wird der Fotograf so arrangiert haben.
Aufgrund der Geburtsjahre der Kinder (Maria, die jüngste, an der Hand der Mutter, erblickte am 31. März 1909 das Licht der Welt) und des Todeszeitpunktes des Vaters (5. März 1912) datieren wir das Foto auf die zweite Hälfte des Jahres 2012 oder ins Jahr 2013, nicht später.
Acht Kinder und keinen Mann mehr – Amalia Maurer hatte sicherlich harte Jahre. Bis wieder ein Mann im Geschäft mit anpackte, verging mehr als ein Vierteljahrhundert. Eberhard Diem, Jahrgang 1911, Bäckermeister seines Zeichens, hat 1940 hergeheiratet.
Wie es mit Bertha und ihrem Eberhard weiterging, ist eine andere Geschichte. Davon berichten wir ein andermal.
Ein Bericht zu Theresia Steinhauser, der zweiten Namensgeberin des Arnacher „Theresienweges“, ist in Vorbereitung. Er wird hier in der Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ publiziert werden.
Gerhard Reischmann

Das Anwesen Maurer im Jahre 1914, die „Hoimet“ von Theresia Maurer. Theresia war damals 18 Jahre alt. Sie ist ziemlich sicher in der Gruppe, die sich vor dem Haus für den Fotografen aufgestellt hat. Das Bild wurde Gerhard Reischmanns Broschüre „Ross-Stall – Gefangenenlager – Dorfmarkt“ entnommen (S. 7). Es stammt aus dem Archiv Bernhard Kling.(rei)

Arnach vor 1911: In der rechten Bildhälfte, den großen Giebel dem Betrachter zugewandt, zeigt sich das Anwesen Maurer, das bis 1908 einem Josef Notz gehörte (bis 1903 war Andreas Rist Besitzer; davor – bis 1898 – hatte das Anwesen im Eigentum der Brauerei-Familie Müller gestanden). Links vom Anwesen Maurer sieht man die 1901 erbaute Schule (das 1911 angebaute Rathaus ist noch nicht vorhanden). Zwischen Schule und Kirche dominiert das Pfarrhaus die Szenerie. Dahinter liegt die Müller’sche Brauerei; rechts daneben ist der Giebel des „Adlers“ erkennbar, Zentrum des umfangreichen Besitzes der Familie Müller, zu dem auch eine große Landwirtschaft gehörte. Links im Vordergrund sieht man „Weinhändlers Hof“, 1889 von Brauherr Bernhard Müller erworben, 1898 an seinen Sohn Albert gegangen. Links von der Kirche sieht man den „Löwen“, 1908 von Braumeister Josef Müller (Sohn von Bernhard Müller, Bruder von Albert Müller) erworben. Rechts im Hintergrund sieht man den großen Hof von Ziegler Blank (Blanks Villa neben dem Hof ist noch nicht erbaut). – Die hier beschriebene Arnach-Ansicht ist ein Ausschnitt aus einer historischen Ansichtskarte. Nachstehend die ganze Karte. Sie stammt aus dem Archiv von Paul Sägmüller in Bergatreute. (rei)

Arnach vor 1911. Neben der Totalansicht von Arnach sieht man rechts die Handlung Mangold (in Konkurrenz zum Geschäft Maurer stehend; des Weiteren gab es damals den Steinhauser’schen Laden). Das Bild unten links zeigt das mächtige Brauereigebäude, rechts daneben den „Adler“, in der Lücke dazwischen im Hintergrund den Kuhstall der Brauersfamilie Müller. Links im Bild die 1901 gebaute Schule (die Lücke zur Brauerei wird 1911 mit dem Rathaus bebaut). Das Bild rechts zeigt das kirchliche Gebäude-Ensemble Arnachs mit (von rechts) Mesnerhaus (nahe der Kirche), Pfarrhaus und Kaplaneihaus. Die Ansichtskarte stammt aus dem Archiv Paul Sägmüller, Bergatreute. (rei)
Anmerkungen
Der Euthanasie-Fall Theresia Maurer ist dokumentiert in: Josef H. Friedel: „Gegen das Vergessen – Die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau“, herausgegeben vom Kulturkreis Meckenbeuren e. V. (Arbeitskreis Heimatgeschichte), Meckenbeuren 2008 (kurz: Friedel 1), S. 50, und Josef H. Friedel: Gegen das Vergessen – Die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau. Teil 2: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009; hrsg. v. Kulturkreis Meckenbeuren e.V. (Arbeitskreis Heimatgeschichte), Reihe Materialien zur Ortsgeschichte Meckenbeuren, Heft 7 (kurz: Friedel 2), S. 287.
Zum Sonderstandesamt Grafeneck: Thomas Stöckle, „Grafeneck 1940“, S. 123 ff. Hinweis von Susanne Droste-Gräff.

Die Broschüre von Josef H. Friedel (geb. 1938; der gelernte Werkzeug-Macher wirkte jahrzehntelang als Diakon in der Liebenau). Meckenbeuren 2008.

Susanne Droste-Gräff von der Stiftung Liebenau hat uns am 8. 5. 2026 diesen Scan aus der Dokumentation von Josef H. Friedel zukommen lassen (Friedel 2, S. 287). Dieses Datenblatt haben wir hier in der Bildschirmzeitung als herabladbare PDF unter dem roten Download-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

„Es tut uns aufrichtig leid …“ – Einer der wahrheitswidrigen Trostbriefe wird als Faksimile bei Friedel 1 auf S. 34 wiedergegeben. Mit solchen Fakes versuchten die Organisatoren, die von der Berliner Dienststelle Im Tiergarten 4 (T4) aus gesteuerte staatliche Mordaktion zu vertuschen. Grafeneck war Teil eines reichsweiten Tötungssystems, dem in den Jahren 1940 / 1941 etwa 70.000 Menschen zum Opfer fielen. In der Bevölkerung gab es bald Zweifel an den amtlichen Darstellungen. In der Familie des Autors dieses Artikels ist die Bemerkung von Kreszentia Kling (1899 – 1984, Brugg) überliefert: „D’r Hitler macht d‘ Irra-Heis’r leer. Ab’r dia wachset alle nooch.“ Bischof Galen in Münster protestierte im Juli und August 1941 in drei mutigen Predigten gegen die Untaten. Obwohl die NS-Diktatur damals – 1941, zu Zeiten großer Erfolge im Krieg – auf dem Gipfel ihrer Macht war, wurde das T4-Morden 1941 eingestellt. Scan von Susanne Droste-Gräff. Unterstreichung im Zitat durch den Verfasser. Den – wahrheitswirdrigen – Trostbrief haben wir unter dem roten Downloadbalken in der rechten Spalte hinterlegt. Er bezieht sich nicht auf Theresia Maurer; ihre Familie wird aber sicherlich ein vergleichbares Schreiben erhalten haben. (rei)

Vorstehender Artikel basiert auch auf Gesprächen mit Günther Müller, Überlingen (geb. 1926 in Arnach, gestorben ca. 2018), und weiteren Arnacher Zeitzeugen sowie auf der Haiss’schen Höfeliste (aufgestellt 1931) und auf der Haiss’schen Chronik (unveröffentlichtes Typoskript, ebenfalls von 1931). Dieser Ausriss aus der handschriftlichen Liste zeigt einen Teil der Anmerkungen von Hermann Haiss zur Familie Maurer. Haiss war in den 1920er- und frühen 1930er Jahren Dorfschullehrer in Arnach gewesen. Außer der aufschlussreichen Höfeliste hat er auch eine maschinengeschriebene Dorfchronik hinterlassen. (rei)

Teile des Artikels wurden von Gerhard Reischmann erstmals in der Broschüre „Ross-Stall – Gefangenenlager – Dorfmarkt“ im Jahre 2005 veröffentlicht (20 Seiten, Selbstverlag; vergriffen).

Einer der Busse, mit denen die Todgeweihten abgeholt wurden. Dieses Bild zeigt eine Deportationsszene in Liebenau im Jahre 1940. Archiv Liebenau.

Theresia Maurer (1896 – 1940). Ausschnitt aus dem Familienbild von 1912/1913. Sie wurde am 13. August 1940 aus Liebenau weggebracht und über Zwiefalten nach Grafeneck transportiert. Wo sie im Gas umkam. Repro: Redaktionsbüro Reischmann.

Der Theresienweg in Arnach erinnert an Geschehnisse in dunkler Zeit. Foto (2026): Gerhard Reischmann








