Arnach – Farbenfrohes Fronleichnam: Am „Herrgottstag“ zeigten die alten Arnacher Vereine Flagge. Der Musikverein, die Soldaten- und Schützenkameradschaft und die Feuerwehr, die allesamt Wurzeln im 19. Jahrhundert haben, sowie die Blutreitergruppe, die eine Standarte von 1925 besitzt – sie alle rückten zu Festgottesdienst und Prozession am 4. Juni 2026 aus.
Im Nachgang zur Erstveröffentlichung dieses Artikels hat uns Ortsheimatpfleger Gebhard Baumann noch Fotos von den zwei Standarten der Arnacher Blutreitergruppe und von den zwei Fahnen des Arnacher Musikvereins zukommen lassen; diese acht Aufnahmen (Vorder- und Rückseite) wurden nun in diesen Artikel eingearbeitet.
Feuerwehr Arnach
Die Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Arnach stammt von 1976. Damals wurde das 120-jährige Bestehen der Abteilung groß mit einem Festzelt (stand unterhalb des Schwesternhauses / heute Haus Riedle) gefeiert. Die Fahnenweihe am 11. Juli 1976 wurde sicherlich von Ortspfarrer Ludwig Segmiller vorgenommen. Unvergessen bei den Älteren ist der Auftritt des Schlagerstars Bata Illic. Joachim Braun, seit 27 Jahren Fähnrich der Arnacher Wehr, zeigte uns die Fahne.

Auf dieser Seite der Feuerwehr-Fahne von 1976 ist der Heilige Florian zu sehen und die Zeile „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ zu lesen. Foto: Gerhard Reischmann

Auf der anderen Seite der Feuerwehrfahne ist die Arnacher Kirche abgebildet, darunter das Arnacher Gemeinde-Wappen. Links sieht man die Jahresangabe „1856“, die sich auf die förmliche Gründung der Feuerwehr in jenem Jahr bezieht (anzunehmen ist, dass es in Arnach auch zuvor schon eine Feuerwehr gegeben hat, in alter Zeit oft mit Pflichtmitgliedschaft aller tauglichen Männer). Rechts, an der Spitze der Fahnenstange, sieht man Festbänder; erkennbar ist ein Band zur Erinnerung an die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Eintürnen am 18. Mai 2025 und ein Gruß aus Obergurgl (Tirol) aus dem Jahre 1993. Foto: Gerhard Reischmann
Spritzenmeister 1856 war Simon Fimpel, der Urgroßvater von Simon Gut (geb. 1938). Jener Simon Fimpel wie auch sein Sohn Simon Fimpel jun. betrieben neben ihrer Landwirtschaft auch die Arnacher Schmiede, die Mitte der 1930er-Jahre dann von dem aus Riedlings stammenden Schmiedemeister Matthias Gregg gekauft wurde, der zuvor bei Fimpels als Geselle gearbeitet hatte. Sein Sohn Richard (geb. 1938) war jahrzehntelang als Maschinist ein besonders wichtiges Mitglied der Arnacher Feuerwehr. Drei oder vier Feuerwehrautos hat er nacheinander gewartet; die erste Spritze nach dem Krieg war noch von einem Traktor gezogen.
Lesenswert sind die Ausführungen von Lehrer Siegfried Maucher zur Geschichte der Arnacher Feuerwehr in der Festschrift von 1976.
Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach
Die Soldaten- und Schützenkameradschaft, gegründet 1876, besitzt drei Fahnen: jene aus dem Gründungsjahr, eine von 1899 und eine von 1923.

Die drei Fahnen der Fahnen der Soldaten- und Schützenkameradschaft Arnach (zu sehen ist jeweils nur eine Seite). Fotos: Alfred Rudhart

Die Fahne des Arnacher Veteranenvereins (heute: Soldaten- und Schützenkameradschaft) von 1923. Obwohl Württemberg 1923 seit viereinhalb Jahren kein Königreich mehr war, sondern eine Republik mit einem Staatspräsidenten, trägt die Fahne ein bekröntes Wappen. Foto: Gerhard Reischmann

Die Rückseite der Fahne von 1923 zeigt einen Soldaten, der die Gottesmutter mit ihrem Kind anbetet. Möglicherweise ist die Szene so zu deuten, dass er die Krone des Lebens für seinen Soldatentod zu erwarten hat. Foto: Gerhard Reischmann
Musikverein Arnach
Der Musikverein besitzt zwei Fahnen: eine von 1981 und eine von 1890.

Die Fahne des Musikvereins von 1981 zeigt eine Ansicht des Dorfes. Foto: Gebhard Baumann

Die Rückseite der Arnacher Musikvereinsfahne von 1981 zitiert das Leitwort der Fahne von 1890. Es lautet: „Das deutsche Lied, das deutsche Wort, ertöne frei an jedem Wort“. Foto: Gebhard Baumann

Die Arnacher Musikvereinsfahne von 1890 trägt das Leitwort „Das deutsche Lied, das deutsche Wort, ertöne frei an jedem Wort“. Foto: Gebhard Baumann

Die Fahne des Musikvereins Arnach von 1890 (damals Musik-Gesellschaft geheißen). Foto: Gebhard Baumann
Die Blutreitergruppe Arnach
Die Blutreitergruppe Arnach besitzt eine Standarte von 1925 und eine von 1954.

Die Arnacher Blutreiter-Standarte von 1925. Sie zeigt den Arnacher Kirchen-Patron Bischof Ulrich. Gebhard Baumann

Die Arnacher Blutreiter-Standarte von 1925. Sie zeigt das Reliquiar von Weingarten. Anno 1925 nahmen die Arnacher Blutreiter am Blutritt in Weingarten teil (das Bad Wurzacher Heiligblutfest gibt es erst seit 1928). Ein Reliquiar ist ein prächtig gestaltetes Behältnis für eine Reliquie. Foto: Gebhard Baumann

Die Arnacher Blutreiter-Standarte von 1954. Sie zeigt den Drachentöter Georg. Das Bild steht für den Kampf zwischen Gut und Böse. Foto: Gebhard Baumann

Die Arnacher Blutreiter-Standarte von 1954 Sie zeigt das Reliquiar von Bad Wurzach. Foto: Gebhard Baumann
Text: Gerhard Reischmann
Siehe Kommentar unter „Lesen Sie hierzu auch“








