Stadtbücherei stimmt auf Schreibwettbewerb der literarischen Vereinigung Signatur ein
Bad Wurzach – Die literarische Vereinigung SIGNATUR e.V. hat bereits zum 12. Mal einen Förderpreis für Literatur ausgeschrieben. Das diesjährige Thema lautet „Zwischenwelten“ und mit der Lesung „Literarische Fundstücke“ durch prominente Mitglieder von Signatur am Dienstagabend (21.04.2026) in der Stadtbücherei Bad Wurzach wurden Literatur-Interessierte darauf eingestimmt.
Der Verein SIGNATUR e.V. wurde 1992 in Lindau gegründet und ist vor allem in Tettnang, aber auch in verschiedenen Orten rund um den Bodensee, im Allgäu und in Oberschwaben aktiv. Eine erste Lesung fand im März in Wangen in der Bücherei im Kornhaus statt, eine dritte wird am 04.05.2026 in der Bücherei Kressbronn stattfinden.
Angelika Banzhaf, die Vorsitzende von SIGNATUR, definierte den Besuchern, die sich im Kapitelsaal um die beiden Sessel vor dem Kamin versammelt hatten, nach der Begrüßung durch die Büchereileiterin Cornelia Merk, den Begriff der „Zwischenwelten“. „Zwischenwelten können Grautöne zwischen schwarz und weiß, Begriffe zwischen schön und hässlich, sein.“ Aber auch zwischen Orten, wenn man von A nach B wolle: Autobahn, Bahnhöfe, Hotelzimmer oder Flugzeug.
In der Ausschreibung zu dem Schreibwettbewerb, den die literarische Vereinigung SIGNATUR alle zwei Jahre gemeinsam mit der Volksbank Bodensee-Oberschwaben ausschreibt, heißt es dazu unter anderem:
„Zwischenwelten sind die Sphären ohne Eindeutigkeiten, zwischen Tag und Nacht, Ahnung und Gewissheit, süß und bitter, vielleicht gar zwischen Leben und Tod, Mann und Frau, jedenfalls zwischen dem „Nicht mehr“ und dem „Noch nicht“. Zwischenwelten können märchenhaft- geheimnisvoll sein, sind aber oft vielleicht realer als die lebensfernen Schein-Eindeutigkeiten unseres digitalisierten Alltags. Wir freuen uns auf originelle, spannende und sprachlich überzeugende Wettbewerbsbeiträge – auch auf Texte „dazwischen“, zwischen Lyrik und Prosa Ernstem und Heiterem, Traum und Realität, Fiktion und Selbsterlebtem.“
Preisverleihung am 6. Oktober
Den Gewinnern winken 500 € für den 1. Platz, 300 € für den 2.Platz und 200 € für den dritten Platz. Die Teilnahmebedingungen zu dem Wettbewerb kann man der Homepage des Vereines www.signatur-literatur.de oder den in den Büchereien aufliegenden Flyern entnehmen. Die Jury wählt die drei besten Texte aus. Das Publikum bei der Preisverleihung am 6. Oktober in der Zweigstelle der Volksbank Bodensee-Oberschwaben Tettnang entscheidet dann über die Reihenfolge der Gewinner.
Zurück zur Lesung im Kapitelsaal. Monika Schüler und Hajo Fickus sind regelmäßig als Schauspieler bei der Theatergruppe Kiesel tätig und natürlich Jurymitglieder beim Signatur-Schreibwettbewerb „Zwischenwelten“. Gemeinsam mit Ingrid Vogt, seit 1998 im Vorstand von Signatur und seit 2003 dessen zweite Vorsitzende sowie dem Gastautor aus Bad Waldsee, Wolfgang Mach, bestritten sie diese Lesung.
Schüler und Fickus eröffneten die Lesung mit im Wechsel gelesenen kurzen Texten von den Klassikern Rilke Hölderlin und aus „Steppenwolf“ von Hermann Hesse. Und zum Abschluss gab es noch eine Szene von Bertold Brecht. Im Theater bei Hamlet: „Die Darstellerin der Ophelia denkt beim Weißwein an ihre nächste Rolle als Gretchen, während oben auf der Bühne bereits ihr Grab ausgehoben wird.“
Signatur-Beirat Wolfgang Mach las einige Passagen aus Gianni Solli´s Roman: „Bei Licht ist alles zerbrechlich“. Der Sohn eines Schafzüchters aus einem kleinen Dorf geht nach der Schulzeit nach Neapel, wo er eines Tages aus einem offenen Rollladen Theaterdialoge hört und davon fasziniert ist. „Sätze wie Meereswellen erreichten ihn“. Bei seiner Arbeit in der Essigfabrik wird er für plem-plem gehalten, als er dort die Dialoge nachspricht. Er kommt immer öfter zu den Theaterproben. Eines Tages darf er mitspielen als der Darsteller eines Schiffbrüchigen ausfällt. Er wird beim Lesen immer besser und dabei wird sein Talent entdeckt: „Das Verschwinden als Mensch war die Voraussetzung für die Schauspielerei.“
Den dritten Lesungsteil bestritt die durch Lesungen u.a. bei SWR 4 bekannte Ingrid Koch. Seit 1998 im Vorstand von Signatur, wurde sie 2003 dessen zweite Vorsitzende. Sie hatte sich für einige Passagen aus „Rausch der Verwandlung“ ihres Lieblingsautors Stefan Zweig entschieden, der im Jahre 1926 spielte. Darin verwandelte sich die Postassistentin Christine Höflehner bei einem Besuch ihrer Tante eher unfreiwillig und per Missverständnis durch deren Tante vom berühmten hässlichen Entlein zu einer „von“, ein Gefühl das ihr langsam ans Herz wächst, ehe sie per Zufall „entzaubert“ wird und sie zur gebrochenen Frau macht.
Zum Abschluss der Lesung las das Duo Schüler/Fickus noch eine Passage aus „Der Jäger Gracchus“ von Franz Kafka. In Kafkas Erzählung ist der Jäger zwar gestorben, doch seine Seele erreicht das Reich der Toten nicht. Der stolze Jäger aus dem Schwarzwald stirbt bei einem Unfall, aber der Bootsführer, der ihn ins Jenseits bringen sollte, hat sich verirrt. Seitdem fährt er zwischen Leben und Tod über die Meere und gelangt auch in Städte wie Riva am Gardasee, wo er ein Zwiegespräch mit dem dortigen Bürgermeister hält. Dabei wird auch die Schuldfrage erörtert, warum aus dem Jäger ein Schmetterling wurde. Und ganz Kafkaesk: „Der Gedanke mir helfen zu wollen, ist eine Krankheit“.
Den Besuchern jedenfalls gefiel die Lesung: Zwei Besucher spielen mit dem Gedanken, bei dem Wettbewerb teilzunehmen, ein weiterer hat sich sogleich am nächsten Tag einen Leseausweis machen lassen. Kein schlechtes Ergebnis für eine zweistündige Lesung, findet Cornelia Merk.
Text und Bilder: Uli Gresser
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