Bad Wurzach – Schülerinnen und Schüler des Bad Wurzacher Salvatorkollegs haben sich intensiv mit dem künstlerischen Nachlass des vor 25 Jahren verstorbenen Künstler-Paters Egino Manall SDS (1907 – 2001) auseinandergesetzt. Mit „MANALL & CO – Original und keine Fälschung!“ präsentiert die städtische Galerie in Maria Rosengarten bis 2. September eine besondere Ausstellung, die Kunst, Archivarbeit und kreatives Lernen miteinander verbindet.

Schüler und Schülerinnen das Salvatorkollegs befassten sich mit dem künstlerischen Nachlass von Pater Egino Manall, der vor einem Vierteljahrhundert verstorben ist. Diese Gegenüberstellung zeigt rechts die Weiterentwicklung des Manall-Werks „Frau am Jakobsbrunnen“. Foto: Salvatorkolleg
Pater Egino Manall war ein vielseitiger Künstler und langjähriger Lehrer am Salvatorkolleg, der unter anderem natürlich auch Kunst unterrichtete. Im Rahmen eines Klassenprojektes sichteten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c und jetzigen Kursstufe mit ihrer Kunstlehrerin Uta Schubert gemeinsam mit P. Michael Overmann, dem Archivar der deutschen Provinz der Salvatorianer, vor ziemlich genau einem Jahr Teile des Nachlasses. Werke, die dauerhaft bewahrt werden sollen, gingen wieder zurück ins Provinzialarchiv der Salvatorianer in München. Die übrigen Gemälde wurden nicht entsorgt, sondern von den Jugendlichen kreativ überarbeitet und neu interpretiert – ein außergewöhnlicher und lebendiger Ansatz zum Thema „Aufräumen“, der nun in dieser Ausstellung sichtbar wird.
Sechs Jahre Sichten, Bewerten, „Entsammeln“
Pater Michael Overmann fungierte bei der ebenfalls außergewöhnlichen Vernissage am vergangenen Freitag (22.5.), die musikalisch von einer Kollegsband unter der Leitung von Bernhard Klein begleitet wurde, als Moderator. Er sei seit 2020 Dauergast in Bad Wurzach, seit er erstmals – hilflos – in jenem Raum gestanden war, in dem die Werke, Skizzen, Entwürfe und auch fertige Gemälde aus dem Nachlass aufbewahrt wurden. Weil er von Kunst so gut wie keine Ahnung gehabt habe, habe er sich Hilfe für das Projekt „MANALL & CO – Original und keine Fälschung!“ geholt. „Die Ausstellung hier ist der abschließende Höhepunkt des Kunstprojektes.“ Eines Projektes, das über sechs Jahre ging. Sechs Jahre, in den gesichtet, bewertet und auch „entsammelt“ wurde.
Schütt dankte namens der Stadt
Christl Linge, die gemeinsam mit Doris Schäfer die Ausstellungen in der Stadtbücherei organisiert, begrüßte die zahlreichen Vernissage-Besucher zu dieser 262. Ausstellung der städtischen Galerie. Klaus Schütt erläuterte in seiner Funktion als Stellvertreter der Bürgermeisterin die Sichtweise der Stadt auf das Projekt. „Ich selbst habe Pater Egino noch gekannt und bin deswegen sehr gespannt, wie die Bilder von den Schülern überarbeitet wurden.“ Er dankte im Namen der Stadt den Schülern und ihrer Lehrerin Uta Schubert.
Robin Holtappels und Christoph Neher dokumentierten jede Schritt
Wie das Projekt zustande kam und weiterentwickelt wurde, darüber berichteten die beiden Blogger Robin Holtappels und Christoph Neher, die beinahe jeden Schritt dokumentiert hatten und trotz Abiprüfungen auch beim Finale noch jede Minute dokumentierten. Sie berichteten vom Auswahlverfahren: „Was kann bleiben, was kann oder muss weg. „Denn Kunst ist weit mehr als die Erinnerung.“ Künstlerische Motive gab es nicht nur bei Pater Egino also in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart durch die Neuinterpretation von Uta Schubert und ihren Schülern. „Nun können die Betrachter auf das schauen, was daraus geworden ist.“
Vorher/Nachher-Vergleich
Neben einem kleinen Handout mit den ausgestellten Werken der Schüler gibt es zusätzlich eine Broschüre mit Bildern, Texten und in der Regel auch den Original Egino-Werken, so dass ein Vorher-Nachher Vergleich möglich ist.
Bernhard Maiers Laudatio
Als Laudator gewonnen hatten Pater Overmann und Uta Schubert Bernhard Maier. Dessen Vita ihn eindeutig für diese Aufgabe qualifizierte: Er kannte Pater Egino noch persönlich, lehrte am Salvatorkolleg neben Deutsch und Englisch auch Bildende Kunst und Theater und ist der Kunst weiterhin verbunden.
Was hätte Pater Egino wohl von dem Projekt Manall gehalten?“ fragte der Laudator. „Ich bin mir sicher, er hätte es befürwortet, weil er mit seinen Bildern den Dialog suchte, so wie ausgestellten Bilder den Dialog mit Ihnen, den Betrachtern suchen. Neben großem Lob für die beiden Blogger hielt Bernhard Maier auch für Pater Michael Overmann als Archivar und Bewahrer ein solches bereit. Denn die Art, wie er sich beim „Entsammeln“ um den Nachlass kümmerte – gründlich, sorgfältig gewissenhaft und immer im Dialog mit anderen – sei aller Ehren wert.
Bernhard Maier vergass aber auch nicht, auf Pater Michaels Vorgänger zu verweisen. Pater Leonhard Berchtold hatte eine erste Auflistung der Werke erstellt und Pater Günther Mayer hatte das Werkverzeichnis überarbeitet und die Werke vom Keller im Schloss ins Rentamt geholt. Auf deren Vorarbeit konnte Pater Michael aufbauen. Gemeinsam mit Pater Josef Mayer (dem „Foto-Mayer“) wurde eine digitale Fotodokumentation des Nachlasses erstellt. Weil aber der Raum im Archiv der Salvatorianer begrenzt ist, musste reduziert werden. So gingen Werke an Kunstsammlungen, Museen, Archive oder wurden bei einer Ausstellung im Naturschutzzentrum auch verkauft. Im Rahmen der Entsammlung durch die Expertengruppe entstand dann auch die Idee zu dem Kunstprojekt, das im eigentlichen Sinne am 13. März 2025 begann.
30 bis 35 Werke Manalls aus einem Themenkreis wurden im Dialog Expertengruppe/Schüler nach bestimmten Kriterien verglichen und bewertet. Zur Vernissage der ersten Runde am 15. Mai 2025 waren die Vorentscheidungen dann diskutiert und endgültige Entscheidungen getroffen. Die Bilder, die unbedingt bleiben sollten, kamen wieder ins Ordensarchiv. „Bei den anderen Gemälden konnten die Schüler dann ihre Ideen zur Umgestaltung verwirklichen.“
25 Bilder werden in „Maria Rosengarten“ gezeigt
Gezeigt werden jetzt in der Stadtbücherei in „Maria Rosengarten“ 25 von den Schülern neu interpretierte Bilder, von denen 6 sakrale bzw. biblische Motive zeigten, 7 sind Strandbilder, 10 Landschafts- bzw. Wurzel-Bilder und 2 zeigen als Motiv Reiter.
Das Besondere an diesen dialogisch-prozessartige entstandenen Arbeiten habe sich für die Schüler sehr gewinnbringend ausgezahlt, wie die beiden Schüler Anton Baumann und Felix Niedermann in ihrem Text in der Broschüre beschrieben (S.55). Auch Lehrerin Uta Schubert hat sich schöpferisch eingebracht, wie sie in ihrem Text zu ihrem Bild „Es war einmal in einer weit entfernten Galaxie“ selbst beschreibt (S. 57).
Die Broschüre
Uta Schubert gab am Schluss noch Erläuterungen zur Broschüre. Diese hat 60 Seiten. Die Schüler und Schülerinnen informieren darin über ihre Herangehensweise bei der Neu-Interpretation der 25 Manall-Werke. Auf der Rückseite des jeweiligen überarbeiteten Bildes steht ein Text der Autoren sowie das zugehörige Original Manall-Bild. Die Broschüre liegt in den Ausstellungsräumen zur Mitnahme gegen Spende aus.
Die Ausstellung kann in Maria Rosengarten im 2. Obergeschoss in der Stadtbücherei bis zum 2. September während der regulären Öffnungszeiten besucht werden.
Text und Fotos: Uli Gresser
Viele Bilder in der Galerie
Die lesenswerte Broschüre haben wir unter dem roten Downloadsbalken in der rechten Spalte hinterlegt.



































