Auch wenn man die starke Seibranz-Fraktion außer acht lässt, die ein ortschaftsbezogenes Anliegen zur Teilnahme an der heutigen Gemeinderatssitzung veranlasst hatte (es ging um das Lokal für die örtlichen musischen Vereine), war ein auffällig starker Besuch zu konstatieren. Offensichtlich wollten nicht wenige Bürger mit eigenen Augen sehen, wie sich der neue Bürgermeister in der ersten von ihm geleiteten Sitzung schlug.
Punkt 19.00 Uhr ertönte die Glocke, die man schon lange nicht mehr vernommen hatte. Florian Schiller hatte die Hand-Glocke seines Vorvorgängers Roland Bürkle aus dem Fundus geholt und sich damit Gehör verschafft. Er wolle die Glocke nur behutsam einsetzen, bemerkte er, „in Notfällen“, falls es einmal hoch hergehen sollte. Am 26. Juli, bei der Premieren-Sitzung, kam der Klangkörper nicht mehr zum Einsatz. Schiller, der Bürgermeister-Novize, tadellos gewandet, im dunklen Anzug mit Krawatte, zeigte sich inhaltlich bestens vorbereitet, führte souverän und zielorientiert durch die Sitzung, sprach alle Räte, die ums Wort baten, mit Namen an. Sprach, als gebürtiger Bad Wurzacher, hochdeutsch, was – bei aller Liebe zur schwäbischen Mundart – sich für einen Bürgermeister geziemt. Bescheiden sagte er mehrfach, dass er noch lernen müsse, aber er gebe sich redlich Mühe. Er stehe heute erst am elften Tag seiner Amtszeit.
Als ein Bürger – Dr. Wolfgang Hübner – eine Lanze für die Kurhausgenossenschaft brach und indirekt eine Bezuschussung von Seiten der Stadt forderte, reagierte Schiller professionell: Die Stadt halte einen Genossenschaftsanteil, er selbst sei Genosse; man fühle sich der Genossenschaft „sehr verbunden“, stehe im Austausch mit ihr. Die Wünsche würden gehört und „im Rahmen des Möglichen“ beachtet.
Mehr Zusage kann man beim besten Willen bei einem spontanen Dialog nicht machen.
Eine routinierte Replik.
Um 20.50 Uhr wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. In weniger als zwei Stunden waren 13 Tagesordnungspunkte abgehandelt. Die Stimmung im Rat war konstruktiv, zugewandt, wohlwollend.
Fazit: Die Premiere ist gelungen.
Gerhard Reischmann
Anm. d. DBSZ-Red.: Auf die Einlassung von Dr. Hübner werden wir noch näher eingehen.






