Ziegelbach – Das Bauerntheater Ziegelbach wurde 50 Jahre alt. Das feierten Charly Glaser & Co mit einem Festabend, zu dem der Verein zahlreiche Ehemalige, Sponsoren und befreundete Theatervereine am Samstagabend (26.9.) in den Dorfstadel eingeladen hatte.
Als Ehrengäste waren neben der Ziegelbacher Ortsvorsteherin Sybille Schleweck und Bürgermeister Florian Schiller Vertreter diverser Ziegelbacher Vereine etwa vom Ortschaftsrat, der Feuerwehr, der Landjugend, dem Schützenverein, dem Kriegerverein, den Landfrauen und dem Kirchenchor gekommen, die Charly Glaser als Urgestein, Herz und Motor des Theatervereines herzlich willkommen hieß. Und natürlich auch die Musikkapelle um Vorstand Freddy Holzmiller, die in kleiner Besetzung für die musikalische Unterhaltung an diesem Samstagabend sorgte. Der Blutreitergruppe aus Baindt, dem Theaterverein Arnach, dem ehemaligen Mitspieler Walter Kolb und Rolf Butscher als Mitspieler und Feuerwehrkommandant, versprach Charly Glaser in seiner Begrüßung einen Abend in fünf Akten, den er nach dem Sektempfang mit seiner berühmten Glocke einläutete. Er verwies auch auf das Quiz, für das im ganzen Saal Requisiten aus gespielten Stücken verteilt waren.
Bürgermeister Florian Schiller durfte sozusagen als Hausherr als erster das Wort ergreifen.

Er erinnerte sich, dass der Theaterbesuch in Ziegelbach immer der Höhepunkt der Weihnachtsferien war, als er Aufführungen im Adler besuchen durfte. Auch weil sich sein Vater damals ebenfalls als Schauspieler tätig war.
Als zweite Hausherrin und Gastrednerin eröffnete Ortsvorsteherin Sybille Schleweck ihr Grußwort mit einem Zitat von Willy Millowitsch: „Ein Tag an Dem du nicht lachst, ist ein verlorener Tag.“ Daher sei das Bauerntheater Ziegelbach „unsere“ Gesundheitsvorsorge.

Mit seinem Spruch „Good Night hot mi gfreit!“ verabschiedeten sich Charly Glaser und Seine Mitspieler seit Jahrzehnten vom Publikum. An diesem Jubiläumsbend begrüßten Schleweck nun ihn und seine Mitspieler mit diesen Worten. „50 Jahre das bedeutet unzählige Probenstunden, kilometerweise auswendig gelernte Texte, tonnenweise Schminke und wahrscheinlich auch den einen oder anderen Nervenzusammenbruch kurz vor der Premiere.“ Was das Bauerntheater in diesen 50 Jahren geschafft habe, lasse sich nicht in eine Tabelle pressen: „Ihr schenkt unserem Dorf seit fünf Jahrzehnten etwas Unbezahlbares: „Lachen, Begeisterung und ein echtes Stück Heimat.“
Ein Theaterabend hier sei sehr viel mehr als ein Stück Kultur, es sei ein Wiedersehen mit Nachbarn und Theaterfreunden. Es sei das gemeinsame Schmunzeln über Anspielungen, die verdächtig an reale Begebenheiten im Dorf erinnern. Hinter jedem Stück stecke auch unglaublich viel Arbeit, die auf der Bühne spielerisch leicht wirke. Daher ging ihr Dank ausdrücklich weit über die SchaupielerInnen auf der Bühne hinaus: Auch Souffleuse, Bühnenbauern und Technikern, Maskenbildnerinnen. „Und wer braucht schon ein zehnköpfiges Produktions-Team, wenn man jemanden wie Charly hat, der in Personalunion für Regie, Bühnenbild und Requisiten verantwortlich ist.“ Dem mit Ottmar Bendel, Doris Grimm und Marga Loritz die erfahrenen Schauspieler zur Seite stehen.
Sehr beeindruckend fand die Ortsvorsteherin auch, dass in den ganzen 50 Jahren die Last der Verantwortung für die Aufführungen nur auf den Schultern von zwei Personen, nämlich Robert Bischofberger und Charly Glaser, gelastet haben, wovon sich manch andere Vereine eine große Scheibe abschneiden könnten.
Schleweck dankte an diesem Punkt auch dem Verpflegungsteam und Steffi Glaser für die tollen Fotos und ihre Aufzeichnungen, so dass auch unsere Nachkommen sich noch Bild von der Rührigkeit des Vereines machen könnten. Den Schauspielern wünschte sie für die nächsten 50 Jahre eine nie versiegende Spielfreude, ehe sie sich mit einem „Hot mi gfreit, dass ihr mi eiglada hont!“ von der Bühne verabschiedete und Charly Glaser das opulente kalte Büfett eröffnen konnte.

Frisch gestärkt und immer musikalisch von der Musikkapelle unterhalten, stieg Charly Glaser in den nächsten Akt ein: Ein Rückblick auf die Theaterzeit in Ziegelbach. Diese begann jedoch nicht erst vor 50 Jahren. Bereits 1903 wurde in der Möwe erstmals Theater gespielt und nachdem in den letzten Kriegstagen der Adler abgebrannt war, dauerte es bis 1954, bis wieder mit dem „Trompeter von Säckingen“ erstmals nach dem Krieg im neuen Adlersaal wieder Theater gespielt werden konnte. 1966 begann in Charly Glaser die bis heute anhaltende Theaterleidenschaft zu brennen und im Jahr darauf durfte er erstmals mitspielen.
Die Theatergruppe Ziegelbach hatte ihren ersten großen Auftritt außerhalb von Ziegelbach: mit ihrem Stück „d´r Susi ihr G´Spusi “ trat die Gruppe im Kursaal in Bad Wurzach auf. 1976 wurde dann der Verein gegründet, der erstmals beim Richtfest 1979 an seiner neuen Spielstätte, dem Dorfstadel, einen Auftritt hatte, zu dessen Bau auch der Theaterverein einen großen Beitrag leistete. Damals wurde dann das letzte Mal im Adlersaal gespielt.
Eine besondere Anekdote hatte Charly aus dem Jahre 1984 parat. Die Truppe sollte im ausverkauften Konzerthaus in Ravensburg ein Gastspiel geben, doch war ihnen der Hauptdarsteller plötzlich abhanden gekommen. Aber irgendwie brachten sie das Stück dann dennoch auf die Bühne…
Zwei neue Ehrenmitglieder
Ein Jubiläum ist immer auch die Zeit für Ehrungen. Dies war nun auch beim Jubiläum des Theatervereines so. Und so konnte Charly Glaser seinem Jugendfreund Ottmar Bendel, mit dem er auch zusammen zum Theaterspielen gekommen war, die Ernennungs-Urkunde zum Ehrenmitglied überreichen. Und noch ein weiteres Ehrenmitglied wurde ernannt: Charly Glaser selbst. Die Laudatio auf ihn hielt Doris Grimm, seine Stellvertreterin im Vorstand und langjährige Mitstreiterin auf der Bühne.
Was ihr in den 25 Jahren, die Glaser den Verein leitete, besonders aufgefallen war – natürlich neben der vollen Hingabe an die Bühne „Charly lebt das Theater“, war sein enormes Gespür, welche Rolle für wen die richtige ist. Und dass er aus jedem das Beste herauskitzeln konnte.
Am Ende dankte Charly Glaser den beiden „Kerlen“, die das wunderbare Büfett geschaffen hatten, er dankte seinen Schauspielern, aber auch den Bedienungen und dem Thekenpersonal. Er verabschiedete sich stilecht mit seinem Theaterspruch „Good night, hot mi gfreit!“
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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