
Arnach – Vor ziemlich genau zehn Jahren schwebte Elmar Würzer eine berufliche Neuorientierung vor; er wollte sich selbstständig machen, nachdem er viele Jahre Marktleiter eines Edeka-Supermarkts war. Und so kam es, dass er, der gebürtige Kisslegger, der damals noch in Salem wohnte, im Juni 2016 auf unüblichem Weg – nämlich von dort über Bad Wurzach und Arnach – nach Kisslegg fahrend, am leerstehenden Dorfmarkt in Arnach vorbeikam.
Er erkundigte sich, wem das Gebäude gehörte, damals noch Bäcker Mayer aus Isny. Mit Manne Braun, damals noch Ortschaftsrat in Arnach und wie er gebürtiger Kisslegger, habe er sich damals ausgetauscht. Dass der Dorfmarkt wieder eröffnet werden sollte, daran hatte Braun, inzwischen Ortsvorsteher, schon damals sehr viel gelegen. Er führte dann auch die Verhandlungen mit dem Besitzer, Bäcker Mayer.
Elmar Würzer hatte seine Bedingungen: Er wollte keinen Edeka-Franchise-Laden haben, er wünschte sich freien Einkauf. Er war daher sehr dankbar, dass die Firma Utz Lebensmittel Großhandel aus Ochsenhausen ihn dabei unterstützte.
Am 17. 02. 2017
Es dauerte ein Dreivierteljahr, ehe Elmar Würzer am 17.02.2017 endlich „seinen“ Dorfladen eröffnen konnte. Nachdem er anfangs noch die Backwaren ausschließlich von Mayer bezog, änderte sich das bald. Weil die Kundschaft es so wollte, bezog er nun auch Bio-Backwaren aus Schmalegg; Fleisch und Wurst kamen von Berthold Hirschle von der Schlossmetzgerei in Kisslegg. Später dann, als die Finkhöfler das Haus übernahmen und immer mehr zu guten Stammkunden, fairen Partnern und Freunden wurden, wurde er auch von Bodan und Rapunzel beliefert, die normalerweise keine Mischmärkte beliefern.
Der von ihm anfangs praktizierte Backwaren-Sonntagsverkauf wurde für ihn aber zum Problem: Lange laborierte er an einem Bandscheibenvorfall, nicht gut, wenn man viele schwere Kisten heben muss.
„Wie ein Sechser im Lotto“
„Das Personal, das ich von Margret Ringer übernehmen konnte, war für mich wie ein Sechser im Lotto“, lobt er seine Stützen Anke Schiele und Berta Eckstein. Überhaupt habe er über die Jahre immer gutes und verlässliches Personal gehabt, zeigt sich Würzer sehr dankbar. Die Mitarbeiter hatten Erfahrung, wussten, was ging und was nicht.
Sehr dankbar zeigt er sich auch für das gute nachbarschaftliche Verhältnis zur gegenüberliegenden Filiale der Volksbank Allgäu-Oberschwaben, die wie selbstverständlich ihren Parkplatz der Kundschaft von „Elmar’s Dorfmarkt“ zur Nutzung überließ.
„Wa brauchsch?“
Wer wissen will, wie Elmar Würzer tickt, dem seien zwei Begebenheiten erzählt, die während unseres – nach Geschäftsschluss geführten – Interviews erfolgten: Eine Frau, die vergessen hatte, dass der Laden am Mittwochnachmittag Ruhetag hat, aber extra hergefahren war, fragte Elmar Würzer: „Wa brauchsch?“ Flugs hatte er die zwei Gläser Joghurt aus dem Lager geholt. Oder die Stammkundin, die ebenfalls übersehen hatte, dass nicht geöffnet ist und deren Kühlschrank leer war. Auch sie bekam das Gewünschte.
„Ich würde es wieder machen“
Wenn er daran denkt, wie ihn die Vereine von Anfang an unterstützt haben, wird er ein wenig wehmütig. „Es war eine richtig schöne Zeit. Ich würde es wieder machen.“ Er sah und sieht sich auch nicht als Konkurrenz zum Arnacher Lagerhaus: „Jeder soll sein Ding machen.“
In Frauenzell im kleineren Maßstab
Aber: Mit 63 macht man sich schon Gedanken zur Zukunft. Er höre ja nicht schlagartig auf, denn er habe ja noch den Laden in Frauenzell, wo alles etwas kleiner ist: ein kleinerer Ort und weniger Stunden.
Elmar Würzer ist dankbar und ein wenig stolz, dass er für seine Nachfolger eine gute Grundlage geschaffen hat, mit der es sich für sie gut arbeiten lässt.
Uli Gresser
Der Arnacher Laden wird vom Ehepaar Hanna und Svend Haas weitergeführt. Sie eröffnen am 1. Juli. Siehe nachstehenden Artikel unter „Lesen Sie hierzu auch“.







