Zum Leserbrief „So reißt man Gräben auf“ (DBSZ am 22. April, 10.08 Uhr)
Die jüngsten Vorwürfe gegen den Bürgermeisterkandidaten Florian Schiller suggerieren, dass Kritik an der aktuellen Stadtführung automatisch „unsachlich“ oder „persönlich“ sei. Doch wer den Wahlkampf als bloße Harmonieveranstaltung versteht, verkennt meiner Meinung nach die Rolle des demokratischen Wettbewerbs.
Dass die wirtschaftliche Lage des Kurbetriebs „auf den Marktplatz“ der Sozialen Medien getragen wird, ist kein Mangel an Respekt gegenüber den Mitarbeitern, sondern gelebte Transparenz. Wenn ein Eigenbetrieb über Jahre hinweg signifikante Verluste einfährt, die aus Steuergeldern ausgeglichen werden müssen, dann ist das kein internes Verwaltungsthema für verschlossene Türen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, im Wahlkampf zu erfahren, welche Konzepte gegen die finanzielle Schieflage vorliegen – „intensive Beratungen“ allein sind noch keine Lösung.
Einem Kandidaten vorzuwerfen, er würde die Stadt polarisieren, nur weil er bestehende Probleme wie die Stimmung im Rathaus oder strukturelle Defizite anspricht, ist ein bekannter rhetorischer Kniff. Probleme verschwinden jedoch nicht dadurch, dass man denjenigen kritisiert, der sie ausspricht. Ein Rechtsanwalt ist von Berufs wegen der Wahrheit und der Prüfung von Fakten verpflichtet; die Unterstellung, er ließe sich ungeprüft von „interessengeleiteten Gruppen füttern“, ist daher haltlos.
Es ist die vornehmste Aufgabe eines Herausforderers, den Status quo zu hinterfragen. Das Ziel ist nicht die Unruhe in der Bevölkerung, sondern die Suche nach dem besten Weg für die Zukunft von Bad Wurzach. Eine lebendige Gemeinde verträgt eine ehrliche Analyse – auch wenn sie unbequem ist. Am Ende geht es darum, finanzielle Spielräume zurückzugewinnen, von denen alle profitieren: der Kurbetrieb, die Verwaltung und vor allem wir Bürger.
Ursula und Heinz Weizenegger, Bad Wurzach-Dietmanns
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Leserbriefe zur Bürgermeisterwahl werden nur bis Freitag, 24. April, 12.00 Uhr angenommen. Die Fairness gebietet es, Leserbriefe bis Donnerstag, 23. April, einzureichen, damit eine gegebenenfalls angegriffene Person noch reagieren kann. Die Redaktion behält sich vor, zum Ausgleich notwendige Leserbriefe nach Ablauf der Frist zuzulassen. Am Samstag, 25. April, werden keine Leserbriefe mehr neu eingestellt.






