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GISOTON-Seminar

Klassentreffen der Baubranche – mit Glamourfaktor

Foto: Hans Reichert
Die ARD-Wirtschaftsexpertin Anja Kohl brachte TV-Glamour nach Aitrach. Gastgeber Friedrich Gebhart (links) begrüßte neben der Moderatorin weitere fachkundige Gäste wie die Gebäudetechnologin Prof. Elisabeth Endres und Dr. Ulrich Lotz, Präsident des Beton-Fertigteile-Verbandes.
veröffentlicht am: 24.04.2026
Autor: Hans Reichert
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Aitrach – Die Szene wirkt fast wie ein Klassentreffen der Baubranche: Männer in Arbeitskleidung stehen in kleinen Gruppen vor der Halle in Aitrach, Weißwurst auf dem Teller, alkoholfreies Weizenbier in der Hand. Man kennt sich, man duzt sich. Gastgeber Friedrich Gebhart geht von Tisch zu Tisch, bleibt stehen, fragt nach, hört zu. „Wie geht’s Gschäft?“ – „Mir könntet meh baue, dia Leut´ kaufet it!“ Gesprächsfetzen wie diese mischen sich mit Lachen und dem Klirren von Gläsern. Die Sonne scheint, die Stimmung ist offen, direkt, bodenständig. Es ist das GISOTON-Seminar, und schon vor Beginn zeigt sich: Hier wird nicht um den heißen Brei geredet.

High-Tech und Förderdschungel

Gastgeber Friedrich Gebhart im Dialog mit dem Architekten Daniel Ulrich.

Im Inneren der Halle wird der Ton sachlicher, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Friedrich Gebhart eröffnet mit einem Überblick über die Geschäftsaussichten und stellt die High-Tech-Produkte seines Unternehmens vor. Energetisches, platzsparendes Bauen steht im Mittelpunkt, ebenso der Versuch, Orientierung im Förderdschungel zu geben, mit dem der Staat seine Lenkungsfunktion ausübt. GISOTON setzt dabei auf durchdachte Steingrößen mit integrierter Dämmung und Schallschutz. „Schlanker wie mit uns könnet Ihr das nicht bauen“, sagt Gebhart selbstbewusst – und meint damit nicht nur die Wandstärke, sondern auch den effizienteren Umgang mit Fläche.

Die Kunst des Weglassens

Friedrich Gebhart mit Prof. Elisabeth Endres und Daniel Ulrich.

Professorin Elisabeth Endres (TU Braunschweig) richtet den Blick auf das enorme Einsparpotenzial im öffentlichen Bauen. Am Beispiel von Schulbauten in Weimar zeigt sie, wie durch einfache planerische Entscheidungen – etwa Außentreppen oder den Verzicht auf aufwendige Lüftungssysteme – Kosten drastisch gesenkt werden können. Ihr Credo: „Man muss die Kunst des Weglassens üben.“ Was an der Meisterschule für Schreiner im Fach Entwurfslehre gelehrt wird, überträgt sie konsequent auf die Architektur. Beispiele aus der Praxis unterstreichen das: ein umgebautes Gefängnis in Berlin, das heute als Hotel dient, oder Häuser in Ingolstadt, die ohne klassische Heizung auskommen. Gleichzeitig mahnt sie mit Blick auf das Stadtklima: Die Zahl der Tropentage steigt, und damit wachsen die Anforderungen an klimagerechtes Bauen.

Neue Anforderungen an die Planung

Daniel Ulrich bringt die Perspektive eines großen Architekturbüros ein. In einem internationalen Team mit 220 Mitarbeitenden aus 25 Nationen arbeitet er an Bauleitplanungen und sieht die Branche vor grundlegenden Veränderungen. „Ingenieure sollten das tun, was sie gelernt haben: richtige Lösungen für die drängenden Probleme finden“, sagt er. Eines dieser Probleme ist der strukturelle Wandel im Immobilienmarkt: Durch Homeoffice und digitalisierte Arbeitsplätze sinkt der Bedarf an Büroflächen, während gleichzeitig Wohnraum knapp bleibt. Der Umbau von Bürogebäuden zu Wohnungen gewinnt an Bedeutung, ebenso wie der Trend zu Micro-Apartments in Großstädten, die stark nachgefragt sind.

Bezahlbares Wohnen im Fokus

Die Frage nach bezahlbarem Wohnen zieht sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Gebhart widerspricht dem schlechten Image der Branche als „Abzocker“ und „Kapitalritter“ und wirbt um Vertrauen. Viele Bauherren schrecken vor dem bürokratischen Aufwand der KfW-Förderprogramme zurück – „zu kompliziert“, heißt es oft. Doch Gebhart hält dagegen: „Keine Angst, das kriegen wir hin.“ Mit den richtigen Materialien und Konzepten lasse sich nicht nur effizienter, sondern auch wirtschaftlicher bauen – bei gleichzeitig besseren Werten für Wärme- und Schallschutz.

ARD-Frau Anja Kohl zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

TV-Glamour bringt Anja Kohl (Bild), bekannt aus der ARD-Sendung „Wirtschaft vor Acht“, nach Aitrach. Sie zeichnet gesamtwirtschaftlich ein Bild anhaltender Unsicherheit: steigende Preise, eine mögliche Energiekrise über mehrere Jahre, schwaches globales Wachstum. Viele staatliche Mittel kämen nicht dort an, wo sie gebraucht würden, Investitionsprogramme versickerten. Ihre Forderung: konsequentes Sparen, Strukturen überprüfen, Bürokratie abbauen – „zehn Prozent müssen weg“. Gleichzeitig sieht sie Chancen in der Digitalisierung und im Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Für die anwesenden Bauunternehmer hat sie konkrete Ratschläge: langfristige Verträge für Baustoffe und Energie abschließen, ein solides Forderungsmanagement aufbauen und die eigenen Kosten genau im Blick behalten. Entscheidend sei die Frage: „Was ist der Kern meines Geschäftsmodells – auch noch in 30 Jahren?“

Trotz aller Risiken bleibt sie optimistisch: Immobilien seien weiterhin ein Inflationsschutz, Sachwerte gewännen an Bedeutung und auch Investitionen in Aktien könnten sich im Zuge des KI-Booms auszahlen. Ihr Schlusswort ist ebenso nüchtern wie ermutigend: „Ich wünsche für Ihre Geschäfte das Beste.“

Aitrachs Bürgermeister Thomas Kellenberger (Mitte) ist stolz auf das Vorzeigeunternehmen GISOTON und auf das alljährliche GISOTON-Seminar. Seit fast vier Jahrzehnten veranstaltet der Baustoffspezialist GISOTON in Aitrach hochrangige Seminare. Gegründet von Siegfried Gebhart, führen seine Söhne Friedrich und Hans das ambitionierte Fachseminar für Architekten und Ingenieure fort. Stets ist auch ein prominenter Gast aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft vor Ort, um über tagesaktuelle Fragen allgemeiner Art zu sprechen. Große Namen verzeichnet die GISOTON-Gästeliste: Mit Lothar Späth, Gerhard Schröder und Erwin Teufel waren schon Top-Politiker Gast der Familie Gebhart. Heuer – zum 36. GISOTON-Seminar – kam die renommierte Wirtschaftsjournalistin Anja Kohl. Sie sprach am 17. April zum Thema: „Welt im Wandel: wie Deutschland seine Chancen nutzen kann“.

Text und Fotos: Hans Reichert

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24.04.2026
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