Bad Wurzach (rei / MW) – Am 30. Mai 1901 wurde Sepp Mahler im Wurzacher Leprosenhaus geboren – also vor 125 Jahren. Dieser Geburtstag wird nun gefeiert: am 12. September im barocken Treppenhaus des Wurzacher Schlosses (17.00 Uhr) und am 13. September im Sepp-Mahler-Haus. Das Treffen im Treppenhaus wird ein musikalisch-literarischer Geburtstagsbesuch der besonderen Art werden. Festredner ist Walter Frei (Ehingen), ein herausragender Sepp-Mahler-Rezitator. Musikalische Geschenke kommen von Pedro Jiménez Laux und Kaan Kara. Die Begrüßung erfolgt durch Adelgund Mahler. Der Eintritt ist frei, Einladung ergeht an jedermann. Veranstalter ist der Förderkreis Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus e. V. Am Folgetag, dem Tag des offenen Denkmals, ist das Sepp-Mahler-Haus von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Es gibt dort eine Ausstellung, die die Torfgewinnung am Beispiel der Familie Mahler darstellt und so ein Stück Wurzacher Industriegeschichte deutlich macht.
Sepp Mahler kam vor 125 Jahren als Sohn des Torfmeisters Josef Mahler im „Siechenhaus“, dem heutigen Leprosenhaus-Museum, zur Welt, einem der wenigen noch erhaltenen Seuchenspitäler, damals aber von Torfarbeitern des nahen fürstlichen Torfwerks bewohnt. Im Werk Sepp Mahlers kam das Siechenhaus immer wieder als Leitmotiv vor und wurde in seinen Bildern zum Sinnbild menschlichen Schicksals. In einer Art symbolischer Revanche haben sich die Freunde Sepp Mahlers entschlossen, das Geburtstagsständchen zu seinen Ehren an einem Ort darzubieten, das für einen ganz anderen Pol der Wurzacher Kulturgeschichte steht: im Wurzacher Schloss und dort im besonderen Ambiente des barocken Treppenhauses. „Das mutet fast ebenso surreal an wie die Tatsache, dass es vor wenigen Wochen gelungen ist, ein Hauptwerk Sepp Mahlers, eben dieses ,Siechenhaus“ von 1927, wieder in den Werkbestand des Sepp-Mahler-Hauses zurückzuholen. Eine Aktion, nebenbei bemerkt, der die eine und andere wohlmeinende Spende noch sehr guttun würde!“, schreibt Martin Wolf vom Förderkreis.
Walter Frei spricht und rezitiert
Die Darbietungen im Schloss werden vom literarisch-deklamatorischen Zeremonienmeister Walter Frei koordiniert. Er wird sicherlich auch Sepp-Mahler-Texte rezitieren. Mit von der Partie ist unter anderem Kammersänger Pedro Jiménz Laux mit Begleitung sowie das musikalische und künstlerische Multitalent Kaan Kara aus Bad Wurzach. Adelgund Mahler wird in die Veranstaltung einführen. Der musikalisch-literarische Geburtstagsbesuch bei Sepp Mahler am Samstag 12. September im Barocktreppenhaus des Wurzacher Schlosses beginnt um 17.00 Uhr.
13. September: Tag des offenen Denkmals
Am Tag des offenen Denkmals am 13. September startet im Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus die Sonderausstellung „Vernetzung und Infrastruktur von Wirtschaftswesen und Torfindustrie in Wurzach“. Die Dauerausstellung im Torfmeisterzimmer wird durch eine Installation in der Pergola des Naturgartens ergänzt, in der auch das damals vielbeachtete „Jahr der Torfarbeit“ (1997) noch einmal auflebt. Führungen durch die Ausstellung am Sonntag, 13. September, werden während der Öffnungszeiten (14.00 Uhr bis 18.00 Uhr) angeboten. Adelgund Mahler, Zeitzeugin und Tochter des Künstlers, freut sich auf Gespräche. Veranstalter: Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus Förderkreis e.V.
Die Familie Mahler
Die Industriegeschichte Wurzachs, insbesondere die Torfgewinnung und -verarbeitung, bildet sich wie in einem Brennglas ab in der Familiengeschichte des Josef Mahler, eines gebildeten Mannes, der im 1880 gegründeten Fürstlich-Waldburg-Wurzach‘schen Torfwerk als erster Torfmeister wirkte. Mahlers Frau leitete die Kantine des Torfwerks, sein Sohn aber, der 1901 zur Welt gekommene »Sepp« Mahler, wurde später Chronist und »Expressionist« für eine Generation von Moorbauern und Torfarbeitern und setzte mit Mitteln der Kunst jene Achtung vor dem Eigenrecht der Natur fort, das bereits den Vater beseelte. Der baute 1903 ein Bürgerhaus an der Ravensburger Straße, das heute als Kulturdenkmal von diesen Entwicklungen zeugt und sie im Torfmeisterzimmer mit Exponaten (Gerätschaften, Kontobücher, Fotografie Zeiler Torfwerk ab 1898) erlebbar macht.
Adelgund Mahler hatte 1997 zum Jahr der Torfarbeit mit einer Publikation und weiteren Projekten zur Erhaltung und Würdigung dieser Geschichte wesentlich beigetragen. So wurden die Erinnerungen der letzten Torfabeiterinnen im Rahmen eines mehrjährigen Oral-history-Projekts für die Nachwelt festgehalten.
Heute gehört das Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus zusammen mit dem Leprosenhaus-Museum und dem Oberschwäbischen Torfmuseum zu den historischen Denkmalen, die eine genuin wurzach’sche Konstellation erlebbar machen („und denen man, nebenbei bemerkt, eine synergetische Belebung sehr wünschen würde!“ / Martin Wolf). Adelgund Mahler macht die Vernetzung der Themen Torfarbeit, Umwelt-, Sozial- und Kulturgeschichte mit dem Werk von Sepp Mahler in gewiss einzigartiger Weise anschaulich und nachvollziehbar. Sie freut sich auf Gespräche mit bekannten und neuen Gästen und wird am Tag des offenen Denkmals selbst durch die Ausstellung führen.





Das Sepp-Mahler-Haus in der Ravensburger Straße in Bad Wurzach wurde im Jahre 1903 von Torfmeister Josef Mahler, dem Vater des Künstlers, gebaut. Das Porträt des Vaters schuf der 19- oder 20-jährige Sohn ums Jahre 1920 – vier, fünf Jahre nach dem Tod des Vaters. Das Foto des Kulturdenkmals Sepp-Mahler-Haus (Gartenseite) stammt von Herbert Geiger.
Heuer gab es zwei Sepp-Mahler-Ausstellungen
Heuer gab es zwei Sepp-Mahler-Ausstellungen: in der Lände in Kreßbronn und im DGB-Haus in Stuttgart. Bildschirmzeitungsreporter Herbert Eichhorn hat beide besucht. Nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch …“ finden Sie seine Eindrücke.








