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Besuchermassen und eine Knüllernachricht zum Klosterjubiläum

Die Roter wissen zu feiern, das beweisen sie alljährlich bei ihrem Mega-Event, ihrem Dorffest.

Foto: Ulrich Gresser
1. März 1803: Der Tag der Säkularisierung des Klosters Mönchsrot durch die Übertragung an den Grafen Ludwig von Wartberg. Szene aus dem Freiluftspiel.
veröffentlicht am: 12.08.2026
Autor: Uli Gresser
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Rot an der Rot – Mit einem Empfang am Samstagmorgen (8.8.) wurde im Sitzungssaal des Rathauses durch Bürgermeister Andreas Maaß für Ehrengäste wie MdB Wolfgang Dahler, MdB a.D. Josef Rief sowie für Sponsoren und verdiente Helfer das diesjährige Dorffest in Rot an der Rot eingeläutet. Ein besonderer Dank in Form eines Schecks ging in diesem Jahr an die Schüler, die in diesem Jahr für die Bewirtung der Gäste bei dem Empfang gesorgt hatten.

Bürgermeister Maaß konnte von gigantischen Zahlen berichten: Das von den über 40 Vereinen aus der Gemeinde gemeinsam organisierte Fest ziehe alljährlich rund 18.000 bis 20.000 Besucher an. MdB Dahler wiederum erklärte, den Chef des Dorffestvereins, Stefan Sigg, zum wichtigsten Mann des Festes. Er wisse nämlich sehr genau, dass dieser – und nicht nur er –für dieses Zwei-Tages-Fest sehr viel Zeit und Arbeit investiert habe. Er bedankte sich bei allen, die in irgendeiner Weise mit zum Gelingen des Festes beitragen. Letzterer fügte auch die Förderer und Sponsoren hinzu, ohne die so ein Fest nicht realisiert werden kann.

Danach zogen pünktlich um 10.00 Uhr die Vertreter der beteiligten Vereine in historischen Gewändern, wie immer angeführt vom Graf Erbach Fanfarenzug, durch das Obere Tor und präsentierten sich dem Publikum. Vom ersten Dorffest 1993 an gehört das dann folgende Historienspiel auf der Freilichtbühne vor der wunderbaren Kulisse des Klosters zum Programm dazu. In diesem Jahr spielte die Gruppe „900 Jahre Klostergründung – von der Gründung bis zur Säkularisation“ verschiedene Szenen aus der wechselvollen, auch von Katastrophen nicht verschonten Geschichte des Klosters. Bereits wenige Jahre nach der Gründung brannte das Kloster 1182 erstmals nieder. Unter Abt Berchtold, der den Wiederaufbau in die Hand nahm, wuchs das Territorium des Klosters kontinuierlich.

Abt Petrus, der das Kloster 1397-1402 leitete, wird in den historischen Quellen als unfähig bezeichnet: Ihn nahm die Roter Narrenzunft Bobohle zum Vorbild ihrer Narrenfigur. Auch dieses wurde beim Theater thematisiert. Während des 30jährigen Krieges wurde das Kloster mehr als 200mal von der Soldateska beider Konfliktparteien geplündert. Abt Martin Ertle „genannt der Unvergleichliche“ baute eine Barockkirche auf, mit der das markante Chorturmpaar entstand. Diese wurde zwischen 1777 und 1786 von den Äbten Mauritius Moritz und Willebold Held durch den jetzigen Kirchenbau von St. Verena ersetzt. Dieser gilt als letzter Klosterkirchenneubau in Süddeutschland. Doch nur 17 Jahre nach der Kirchweihe endete nach 677 Jahren das Klosterleben in Mönchsroth: Am 1. März 1803 gingen die Besitztümer des Klosters Mönchsroth im Rahmen der Säkularisation an den hochverschuldeten Graf Ludwig von Wartenberg. Aus Mönchsroth wurde Rot an der Rot.

Zum Münster erhoben

Mit dabei beim Historienspiel, sozusagen als geistlicher Berater, war der Ortspfarrer und Prämonstratenserpater Johannes Baptist Schmid O.Praem, der später mit seiner „Mönchsentourage“ Werbung für das Fest, aber auch für den Festgottesdienst am Sonntagmorgen machte. Und dort in der St. Verena Kirche hatte er eine ganz besondere Nachricht für seine „Schäfchen“ der Kirchengemeinde Rot an der Rot parat. Wie bereits die Kirchen der Tochterklöster Weissenau und Obermarchtal erhält nun auch die St. Verena Kirche von Rot an der Rot von der Diözese Rottenburg-Stuttgart den Titel „Münster“ verliehen. Die Verleihung durch Bischof Dr. Klaus Krämer wird am 18. Oktober gefeiert werden.

Mit Puppentheater und Zauberer wurden nicht nur die kleinen Besucher bei Laune gehalten. Die zahlreichen örtlichen Vereine boten den Gästen an beiden Tagen eine für einen Ort dieser Größe außergewöhnlich große Vielfalt an Speisen: Leckere Kässpatzen und einen guten Rollbraten bei der Narrenzunft, verschiedene Fischspezialitäten beim Fischereiverein, verschiedene Fleisch- und Wurstschmankerl servierte der Musikverein Ellwangen. Wem der Sinn nach Kaffee und Kuchen stand, der war im Wiener Kaffeehaus des Liederkranzes goldrichtig: Diverse selbstgebackenen Kuchen und Torten sowie verschiedene Kaffeespezialitäten wie einen hervorragenden Eiskaffee erwarteten die Gäste dort in gemütlicher Atmosphäre.

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Auch Musik kam an den beiden Tagen nicht zu kurz: Auf drei Bühnen sorgten tagsüber Blaskapellen aus der Region für Stimmung, der Abend gehörte üblicherweise der Musik für die junge Generation.

Wer es ruhiger mochte, konnte – bei deutlich kühleren Temperaturen – in der schon erwähnten St. Verena-Kirche – Chorkonzerten lauschen oder an einem getanzten Gebet teilnehmen. Stichwort Tanz: Diverse Tanzgruppen aus der Umgebung machten mit ihren Vorführungen am Samstagnachmittag die drei Bühnen „unsicher“.

Der Sonntag stand im Zeichen der Handwerkskunst, etwa von Zimmerleuten, aber auch von sehr alten Berufen wie dem des Drechslers oder auch dem Buchdruck. Wie das landwirschaftliche Leben vor zirka 100 Jahren aussah, konnten die Besucher auf dem Gelände hinter dem Feuerwehrhaus hautnah erleben.

Es war auch in diesem Jahr wieder ein Fest für die ganze Familie. Der obligatorische Oldtimer-Corso (es folgt ein gesonderter Bericht) bildete am Sonntagnachmittag einen weiteren Höhepunkt und würdigen Abschluss des zweitägigen Megafestes in Rot an der Rot.

Bericht und Bilder: Uli Gresser

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