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    Leserbrief

    Bei den Familien sparen ist nicht zukunftsgerichtet

    veröffentlicht am: 30.06.2026
    Autor: Tobias Glötzinger
    Lesedauer: ca. 3 Minuten

    Zur beschlossenen Erhöhung der Gebühren für die Kinderbetreuung (DBSZ am 15. Mai)

    Mit großer Sorge verfolge ich die beschlossene Erhöhung der Kindergartengebühren in Kißlegg. Gerade in einer Zeit, in der Politik und Wirtschaft unermüdlich mehr Erwerbstätigkeit, Gleichberechtigung und die Bekämpfung des Fachkräftemangels fordern, sendet eine deutliche Erhöhung der Betreuungskosten das völlig falsche Signal.

    Je nach Betreuungsmodell steigen die Elternbeiträge im Einzelfall um 25 bis 50 Prozent. Für viele Familien bedeutet das keine geringfügige Anpassung, sondern eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung. Besonders hart trifft es Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern. Wenn ein zusätzlicher Arbeitstag oder eine Ausweitung der Arbeitszeit am Ende durch höhere Betreuungskosten kaum noch einen finanziellen Vorteil bringt, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob sich Erwerbstätigkeit überhaupt noch lohnt. Überspitzt formuliert entsteht der Eindruck: „Frauen zurück an den Herd.“ Niemand wird dies politisch fordern – doch steigende Betreuungskosten können genau diese Wirkung entfalten.

    Hinzu kommt, dass der regionalen Wirtschaft dringend benötigte Arbeitskräfte verloren gehen. Während Unternehmen händeringend Personal suchen, werden Anreize geschaffen, Arbeitszeit zu reduzieren oder den Wiedereinstieg in den Beruf aufzuschieben. Das kann weder im Interesse der Familien noch der Gemeinde oder der örtlichen Unternehmen sein.

    In der freien Wirtschaft wäre ein solcher Weg kaum vorstellbar. Bevor Preise deutlich erhöht werden, werden Prozesse analysiert, Strukturen verschlankt, Digitalisierung vorangetrieben und Einsparpotenziale konsequent genutzt. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, werden Preissteigerungen an Kunden weitergegeben. Genau diesen Anspruch haben viele Bürger auch an eine kommunale Verwaltung. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage, welche konkreten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in Verwaltung und Kinderbetreuung geprüft und umgesetzt wurden, bevor Familien mit Gebührenerhöhungen dieser Größenordnung belastet werden.

    Besonders schwer nachvollziehbar ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund anderer kommunaler Investitionen. Für Projekte wie den „Löwen“, das Bürgerhaus oder den Stadtpark werden erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt. Über den Nutzen dieser Projekte kann und darf man unterschiedlicher Meinung sein. Gleichzeitig entsteht jedoch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck, dass für repräsentative oder städtebauliche Vorhaben Geld vorhanden ist, während Familien immer stärker zur Finanzierung kommunaler Aufgaben herangezogen werden. Dieser Eindruck schadet dem Vertrauen in die kommunalpolitischen Prioritäten.

    Kinder und Familien sind kein Kostenfaktor. Sie sind die wichtigste Investition in die Zukunft unserer Gemeinde. Wer Familien heute überproportional belastet, riskiert morgen weniger Fachkräfte, geringere Kaufkraft und einen weniger attraktiven Wohnort für junge Familien.

    Ich appelliere deshalb an alle Mitglieder des Gemeinderats, das Thema der Kindergartengebühren noch einmal offen, transparent und ergebnisoffen zu beleuchten. Viele Eltern haben nicht den Eindruck, dass alle Möglichkeiten zur Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung ausgeschöpft wurden. Eine erneute Prüfung der Gebührenkalkulation, möglicher Einsparpotenziale sowie alternativer Modelle wäre ein wichtiges Signal an die Familien unserer Gemeinde.

    Es geht dabei nicht darum, die schwierige finanzielle Situation der Kommune zu verkennen. Es geht darum, gemeinsam den bestmöglichen Weg zu finden – mit Transparenz, Augenmaß und dem klaren Ziel, Familien nicht stärker zu belasten als unbedingt notwendig. Eine familienfreundliche Gemeinde zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern in ihren Entscheidungen.
    Tobias Glötzinger, Kißlegg

    Anm. d. DBSZ-Red.: Leserbriefe sind Meinungsäußerungen. Die Redaktion der Bildschirmzeitung akzeptiert ein breites Spektrum an Meinungen. Nicht veröffentlich werden extremistische, persönlichkeitsverletzende oder offensichtlich wahrheitswidrige Äußerungen.

    Bevorzugt veröffentlichen wir Leserbriefe zu lokalen und regionalen Themen. Aber auch Meinungsäußerungen zu allgemeinen Themen, die die hiesige Leserschaft bewegen, werden gerne entgegengenommen.

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    Tobias Glötzinger
    veröffentlicht am
    30.06.2026
    Lesedauer: ca. 3 Minuten
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