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Viel Lob beim Tag der offenen Tür für den renovierten Klosterhof Kisslegg

„Wir haben unseren eigenen ‚Löwen‘“

Foto: Ulli Stark
Am Eingang zum Klosterhof.
veröffentlicht am: 29.06.2026
Autor: Ulli Stark
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Kisslegg – Freud und Leid liegen bei der Sanierung alter Bausubstanz oft nah beieinander. Das gilt offenbar auch für den bei der Kisslegger Pfarrkirche gelegenen, frisch renovierten Klosterhof. Beim Tag der offenen Tür am 28. Juni zeigten sich die Verantwortlichen des Kirchengemeinderats (KGR) stolz auf die geleistete Arbeit und glücklich, das altehrwürdige Gemäuer zukunftsfähig zu sehen.

Glücklich und stolz auf das Erreichte (von links): Reinhold Evers, Walter Kuon, Pfarrer Gunnar Sohl vor der Bildergeschichte zum Umbau.

„Heiß war es uns zuletzt nicht nur wegen des Wetters“, berichtete Reinhold Evers als gewählter KGR-Vorsitzender zunächst den Besuchern der Sonntagsmesse in St. Gallus und Ulrich. Anfang der Woche hätten noch die Türen gefehlt, erst am Freitagnachmittag (26.6.) seien die letzten Handwerker aus dem Gebäude abgezogen. Schon am 1. Juli sollen die meisten Räume an das Verwaltungszentrum (VZ) des Dekanats Allgäu-Oberschwaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart übergehen. Dann ziehen die vierzig Mitarbeiter vom bisherigen Standort beim Bahnhof um.

Original Grünton als Kennzeichen für die Neuerungen

Die neuen Arbeitsplätze, einige mit Blick auf den Zeller See, dürften ihnen gefallen. Das vermuteten zumindest unisono die vielen Besucher, die sich den Klosterhof im neuen Gewand nicht entgehen lassen wollten. Geradezu begeistert vom neu gestalteten Eingangsbereich zeigte sich eine Kißleggerin, die ihren Namen nicht in der Bildschirmzeitung lesen will, das Gebäude aber noch aus dem Kommunionsunterricht kannte. In die Augen sprang vielen der auf allen drei Ebenen verwendete Grünton. Der stamme original aus dem früheren Sitzungssaal im Erdgeschoss und kennzeichnet jetzt die neu gestalteten Stellen, erläuterte Reinhold Evers immer wieder gerne. Er war einst im Klosterhof selbst in den Kindergarten gegangen und freute sich deshalb besonders, zusammen mit seinem Vorgänger Walter Kuon Jahrzehnte später den Umbau leiten zu dürfen.

Der frühere Sitzungssaal mit der grün gehaltenen Wandverkleidung. Die Bleiglasscheiben auf der Innenseite der Doppelfenster gehören ebenfalls zur Originalausstattung.

Unliebsame Überraschungen

Impression von der Baustelle. Foto: Reinhold Evers

Als wertvoll erwies sich für ihn dabei die berufliche Erfahrung im Umgang mit Holz auf großen Baustellen. Seit dem Baubeginn Ende 2023 war nämlich eine ganze Reihe unliebsamer Überraschungen aufgetreten. Dass die Wände nach außen drückten oder die Decken durchhingen, gehörte zu den offensichtlichen Herausforderungen. Als jedoch die tragenden Balken freigelegt wurden, von denen viele erhebliche Schäden aufwiesen, stand plötzlich die Statik mit in Frage. Dennoch wurde das Projekt rechtzeitig fertig. Anforderungen des Denkmalschutzes und weitere unerwartete Themen führten letztlich zu einer Steigerung der veranschlagten Kosten um eine Dreiviertelmillion Euro. Die Parallelen zu einer anderen Großbaustelle in Kißlegg liegen für Reinhold Evers auf der Hand: „Wir haben unseren eigenen ‚Löwen‘“.

Gunnar Sohl, zuvor noch ganz ökumenisch beim Evangelischen Gemeindefest zu Gast, im Rückblick auf einige der „unliebsamen Überraschungen“.

Die ersten Ideen für die Verwendung des seit 1964 im Besitz der Kirchengemeinde befindlichen Gebäudes reichen vor das Jahr 2000 zurück. Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren hatte die Nutzung des renovierungsbedürftigen Klosterhofs für das VZ ins Spiel gebracht. Wobei zunächst Ersatzräume unter anderem für zwei Gruppen des Kindergartens oder die Kolpingjugend zu finden waren. Einiges konnte ins Kaplaneihaus umziehen. Noch mehr Kopfzerbrechen im KGR bereitete die Finanzierung der zunächst auf drei Millionen veranschlagten Kosten, die sich bis Baubeginn auf 5,4 Millionen Euro erhöht hatten.

„Räume für eine Kirche der Zukunft“

Die schließlich gefundene Lösung schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe: Zu den Zuschüssen der Diözese kommt ein Kredit an die Kirchengemeinde, den sie über die Vermietung von 85 % der insgesamt 1100 m² Nutzfläche tilgt. Damit handelt sie im Sinne des Programms „Räume für eine Kirche der Zukunft“, wonach 30 % der nicht-sakralen Gebäude nicht mehr selbst zu nutzen seien. Gleichzeitig verbleibt das Gebäude im Eigentum und lässt sich – eine weitere Parallele zum ‚Löwen‘ – weiterhin als Ort der Begegnung nutzen.

Der Klosterhof um 1830 – auf dem Gemälde fehlt interessanterweise die Pfarrkirche. © Thomas Weiland

Der Standort des Klosters blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. 1548 abgebrannt und 1662 ein zweites Mal neu errichtet, wurde das Gebäude ab 1841 von der Gemeinde Kißlegg vor allem als Schul- und Rathaus genutzt. Die zukünftige Verwendung als Bürogebäude und Begegnungsstätte muss sich angesichts der fehlenden räumlichen Trennung laut Reinhold Evers noch „einschwingen“.
Text und Fotos (4): Ulli Stark

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Ulli Stark
veröffentlicht am
29.06.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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