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    Aus dem Gemeinderat

    Erhöhung der Gebühren für die Kinderbetreuung beschlossen

    Foto: Julian Aicher
    Der Kißlegger Gemeinderat hatte am Mittwoch (13.5.) im Esthersaal des Neuen Schlosses eine öffentliche Sitzung. Unser Bild zeigt eine der gut ein Dutzend erfolgten Abstimmungen.
    veröffentlicht am: 14.05.2026
    Autor: Julian Aicher
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    Kißlegg – Mittwochabend, 13. Mai. Der Gemeinderat Kißlegg tagt öffentlich im Esthersaal des Neuen Schlosses. Dort Hauptpunkt: die Gebühren für die Kinderbetreuung 2026/2027. Dabei wirkt manches Wortgefecht „emotional“, wie Ratsmitglied Michael Fick feststellt. Bürgermeister Dieter Krattenmacher spricht gar von einem „Wutanfall“. Die für die Jahre 2026/2027 und 2027/2028 beschlossenen Gebühren haben wir unter den roten Downloads-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

    „Wir sind stolz auf die Betreuungslandschaft, die wir haben.“ So Kämmerer Roland Kant am Mittwochabend. Die Betreuung des (vor-)schulischen Nachwuchses sei „die größte soziale Leistung der Gemeinde Kißlegg“, betont Bürgermeister Krattenmacher. Dazu erläutert Kämmerer Kant: Von den 30 Millionen Ausgaben, die die Gemeinde Kißlegg erbringe, dienen 23 % der Kinderbetreuung (einschließlich Schulen).

    Allein schon das reine Kindergarten-Angebot koste in Kißlegg pro Jahr fünf Millionen Euro. So Kämmerer Roland Kant. Davon stammten bisher rund 600.000 Euro aus den Gebühren der Eltern. Also 11,48 %. Damit liege Kißlegg „weit weg von den von den Spitzenverbänden vorgeschlagenen 20 %“. Daraus schließt der Haushaltswächter: „Die Zahlen sind alles andere als erfreulich.“

    Daniela Winter, im Hauptamt des Rathauses für „Kinder, Jugend, Senioren“ zuständig, legt dem Gemeinderat eine mehrseitige Liste vor. Dort abzulesen: die Gebühren zum Betreuungsjahr 2026/2027. Demnach sind für 46 Betreuungsstunden pro Woche (5 Vormittage und 4 Nachmittage) von den Eltern 361 Euro zu bezahlen. Der Hort komme auf 77 Euro pro Kind. Lasse eine Familie vier Buben oder Mädchen dort, habe sie pro Monat und Kind 44 Euro zu bringen.

    Sparmöglichkeiten? „Es brauchen nicht alle die Betreuung bis 17.00 Uhr, sagt Daniela Winter. Dann sei auch noch nicht alles „in Stein gemeißelt“. Etwa das Angebot während der Pfingstferien. Pro Kind koste die Betreuung je Stunde 4,12 Euro, erklärt Kämmerer Roland Kant. Davon steuere das Land 2,80 Euro bei. Und wer bezahlt wann wie das letzte, bald verpflichtende Kindergartenjahr? Darüber habe er im neuen grün-schwarzen Koalitionsvertrag aus Stuttgart noch nichts Genaues gelesen, berichtet Bürgermeister Krattenmacher.

    „Ich wollte aus dem Alltag berichten“

    Stefanie Halder (Freie Wähler Kißlegg) dankt zunächst der Verwaltung für die ausführlichen Zahlen. Dann betont Halder (Bild) allerdings, dass sie dem Gebührenvorschlag aus dem Rathaus nicht zustimmen werde. Und zwar deshalb, weil vieles noch unklar wirke. „Unsere Eltern wissen nicht, wann die Betreuung beginnt“, bemängelt Halder.

    „Frau Halder, Sie sollten da nicht als Wasserträgerin von St. Anna auftreten“, hält Bürgermeister Krattenmacher der St-Anna-Beschäftigten entgegen. Das ergäbe womöglich „ein Thema der Befangenheit“. So bekennt der Rathauschef: „Ich bin da richtig verärgert“. Auch, nachdem Ratsmitglied Halder sagt, sie spreche hier nicht für St. Anna, sondern „für die Eltern“. „Wir werden dieses Thema hier jetzt nicht weiter behandeln“, sagt Bürgermeister Krattenmacher darauf. Die Verhandlungen zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Betreuungsträger St. Anna müssten schließlich erst intern abgeklärt werden. Heute gehe es ausschließlich um Gebühren – und darum, dass alle Kinder sicher einen Betreuungsplatz erhalten.

    Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzender Bernd Dux greift auf Seiten seiner Fraktionskollegin Halder ein. „Nochmal: Sie spricht für die Familien“, worauf Bürgermeister Krattenmacher antwortet: „Frau Halder, sprechen Sie weiter.“ Erkennbar verdutzt, sagt Stefanie Halder: „Ich wollte einfach aus dem Alltag berichten.“

    Damit scheint die Gemeinderätin nicht die einzige im Saal zu sein. Denn in der Bürgerfragestunde kurz danach ergreift die alleinerziehende Diplomingenieurin Beate Hofmann (Bild) das Wort. Es sei selbst ihr als eher gut Verdienender „nicht möglich“, „im Monat tausend Euro aufzubringen“ für die Kinderbetreuung. Deshalb hält Hofmann fest: „Da kommen viele Familien an ihre Grenzen.“

    Gemeinderat Michael Fick (CDU) rechnet vor, dass selbst deutliche Gebührenerhöhungen gegenüber den Eltern das Ziel, 20 % der Betreuungskosten von Müttern und Vätern aufbringen zu lassen, kaum erreichen lassen. Daher sei an den Betreuungskosten selbst anzusetzen. Hauptamtsleiter Markus Wetzel schildert Überlegungen innerhalb der Verwaltung, solche Ausgaben zu senken. So sei bisher unklar, ob und wenn ja wann und wie ein Teil der Aufwendungen durch den Grundschulbetrieb zu tragen sei. Dafür flössen dann wohl wiederum Landesmittel.

    Bürgermeister Krattenmacher setzt da auf gute Organisation. So sei dafür zu sorgen „dass die Gruppen voll sind“. „An diesem Thema sind wir dran“, berichtet der Rathauschef. Ins Geld gehe eine der Eigenschaften der Nachwuchsbetreuung in Kißlegg: die Flexibilität. Etwa bei den Betreuungszeiten. „Flexibilität“ sei daher mehr und mehr von allen verlangt.

    „Ich habe bei den Eltern bisher keinen Unmut gespürt.“ So Andé Radtke. Kißlegg sei mit einer Kinderbetreuung „anderen Kommunen voraus“. Daher sei des geboten, sich Zeit zu nehmen, um alle Fragen gründlich zu behandeln. So lasse sich am Ende eine „Qualitätssteigerung“ erreichen. Etwa erkennbar an der längeren Sommerferienbetreuung.

    Bürgermeister Krattenmacher: „Ich muss nachher mit Frau Halder ein Bier trinken – und ich zahle das auch.“ Das „Ringen“ um die besten Lösungen sei eben manchmal herausfordernd.

    Bis auf eine Stimme (Stefanie Halder) erheben alle Ratsmitglieder die Hand zur neuen Gebührenordnung 2026/2027 für die Kinderbetreuung..
    Text und Fotos: Julian Aicher

    Die neuen Kindergarten- und Hort-Gebühren für die Jahre 2026/2027 und 2027/2028 sowie die Sitzungsvorlage mit Erläuterungen zur Thematik und dem Beschlussvorschlag haben wir unter den roten Download-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

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    Julian Aicher
    veröffentlicht am
    14.05.2026
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