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Zum Foto der Krähen am Frauenberg (DBSZ am 5. Juni):
Lieber Willy Dorner und alle anderen Krähengestörte am Frauenberg,
ich versteh‘ Euch. Wer jeden Morgen vom Gekrächze geweckt wird und ständig die Hinterlassenschaften wegmachen muss, wird irgendwann genervt sein.
Trotzdem frage ich mich manchmal, ob wir Menschen nicht zu sehr davon ausgehen, dass die Natur gefälligst dort stattzufinden hat, wo sie uns nicht stört.
Kaum wird ein Tier laut, macht Dreck oder verursacht Schäden, wird nach Möglichkeiten gesucht, es zu vertreiben. Bei den Krähen ist das so, beim Biber erleben wir ähnliche Diskussionen. Dabei vergessen wir leicht, dass uns die Erde nicht alleine gehört, sondern wir sie mit den anderen Geschöpfen Gottes teilen.
Klar, Gottes Geschöpfe können einem gehörig auf die Nerven gehen. Gerade aus dem Urlaub zurück, ging der erste Weg in den Garten. Letztes Jahr hatte ich meiner Frau einen Kirschbaum geschenkt und eingegraben. Vor dem Urlaub noch die vielen Früchte ausgegeizt, und jetzt wollten wir schauen, was denn die süßen Früchte machen. Aber: Nix Früchte, nicht mal mehr ein Baum. Nur noch ein armseliger Stumpf ragt traurig aus der Erde. Daneben ein paar Späne. Den gut drei Meter langen Stamm samt allen Zweigen, Blättern und Kirschen hat Meister Biber ganz einfach aus dem Garten geklaut.
Natürlich ärgert mich das. Aber deshalb komme ich noch lange nicht auf die Idee, den Biber zur Persona non grata zu machen. Wir wohnen schließlich in seinem Revier genauso wie er in unserem.
Lösungen zu suchen, um sein Hab und Gut zu schützen, ist völlig in Ordnung. Deshalb bekommt mein Apfelbaum jetzt ein stabiles Drahtnetz. Der Biber wird das vermutlich als unfreundlichen Akt werten, aber damit muss er leben. Deshalb versucht die Stadt ja auch mit allerhand Mitteln, die Krähen auf dem Frauenberg zu vergrätzen.
Vielleicht ist das ja überhaupt der bessere Weg: Statt die Natur ständig umzuerziehen, schützen wir das, was uns wichtig ist, und akzeptieren den Rest. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen schließlich, dass sich Krähen, Biber und andere Mitgeschöpfe nur begrenzt für unsere Wünsche interessieren.
Erwin Linder
Nachstehend – unter „Lesen Sie hierzu auch“ – finden Sie das von Erwin Linder angesprochene Foto.





























