Hauerz/Seibranz – Obwohl die beiden Ortschaften gerade einmal sieben Kilometer voneinander entfernt liegen und bei der Grundschule zusammenarbeiten, hat es 45 Jahre gedauert, bis die beiden traditionsreichen Musikvereine mit dem Osterkonzert unter dem Motto „Grenzenloses Abenteuer – von der Heimat bis zum Horizont“ in der vollbesetzten Festhalle Hauerz wieder gemeinsam konzertierten.
Unter dem Dirigat von Sabine Götze und Erich Minsch
„Wir freuen uns sehr, dass wir unser Osterkonzert in diesem Jahr als ein Gemeinschaftskonzert mit dem Musikverein Seibranz gestalten können,“ betonten die Vorstände der beiden Musikvereine Manfred Hierlemann (Seibranz) und Dominik Müller (Hauerz) in ihrer Begrüßung. Unter der Leitung von Dirigentin Sabine Götze für Hauerz und Erich Minsch als musikalischem Leiter der Seibranzer hatten die beiden Kapellen ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.
Der Musikverein Seibranz eröffnete das Konzert dem ruhig beginnenden Konzertwerk La Principessa – Die Prinzessin. Mit La Principessa ist Günter Dibiasi ein wahres Meisterwerk gelungen. Es zeigt exemplarisch den Zwiespalt eines jungen Menschen im zwischen der bevorstehenden Bürde eines Herrscheramtes und der Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit und eigener Lebensziele. Bei Dibiasi zerbricht die Prinzessin an diesem Zwiespalt nicht, sie weiß sich zu behaupten. Natürlich bewegt sie sich bereits als Kind in der elitären, höfischen Welt, wie dies auch musikalisch einleitend ausgedrückt wird. Bald gewinnen allerdings kindliche Lebensauffassung und ungetrübter Frohsinn die Vorherrschaft, die Prinzessin wird zum sorgenlosen Kind, das ungestört sein Leben genießen kann. Aus diesem Bereich wird die Prinzessin wieder zurückgeführt in die Welt höfischer Feierlichkeit und Würde. Ein kurzes Aufblitzen dieses fröhlichen Motivs ungetrübten Kindseins zeigt dem Zuhörer, dass die Prinzessin ihren Weg gehen und dabei trotzdem das „Kind in sich“ bewahren wird.
Czardas ist das berühmteste Werk des italienischen Violinisten und Komponisten Vittorio Monti. Das Stück wurde ursprünglich für Violine, Mandoline oder Klavier geschrieben, der Musikverein Seibranz spielte es in der Blasmusikbearbeitung von Kurt Sobon. Der Czardas ist ein traditioneller ungarischer Tanz, der bei dieser Rhapsodie als Basis diente. An der Solo-Klarinette konnte sich dabei die Tochter Anna von Dirigent Erich Minsch auszeichnen.
Apropos Tanz. Das Drama-Musical Elisabeth von Michael Kunze und Sylvester Levay zeigt im Gegensatz zu den bekannten Sissi-Filmen aus den 50er Jahren eher die dramatischen Seiten des bewegten Lebens dieser österreichischen Kaiserin. Es ist quasi als Totentanz konzipiert. Und wurde dennoch seit der Premiere im Jahre 1992 zu einem der weltweit erfolgreichsten Musicals überhaupt. „Elisabeth“ ist die Geschichte einer starken und modernen Frau, die sich von allen Zwängen befreit und dafür einen hohen Preis zahlen muss. Der „Tod“, dargestellt durch einen mysteriösen, attraktiven Mann, begleitet sie stets. In einem meisterhaften Arrangement hat Johan de Meij die bekanntesten Themen zusammengestellt und für sinfonisches Blasorchester bearbeitet, darunter der Prolog, Totentanz, die fröhliche Apokalypse und natürlich das berühmte Finale: „Ich gehör´nur mir.“
Hits von „Nena“
Jedes Kind kennt heute – auch weil sie aktueller denn je sind – die Liedzeilen aus „99 Luftballons“. Peter Kleine Schaars fasste in seinem Arrangement für Blasmusik die größten Hits – 99 Luftballons – Irgendwie, irgendwo, irgendwann – Leuchtturm – Nur geträumt – von Nena zusammen. Mit dem großen Revival der Musik der Neuen Deutschen Welle aus den 80er Jahren feierte auch eine gewisse Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt als Nena, ein großes Comeback – mit dem Erfolg, dass nun alle „alten“ Fans und die jüngere Generation ihre Lieder kennen und lieben.
Der Konzertmarsch „Sempre Unita“, was so viel bedeutet wie „immer vereint“ ist ein musikalischer Beitrag zu einem gemeinsamen Europa. Die Komposition von Michael Geisler wurde 2017 veröffentlicht. Der Marsch ist traditionell aufgebaut und zeichnet sich besonders durch sein grandioses Bass-Solo und dem Euphonium/Oboe – Solo im Trio mit einem großen Tutti-Finale aus.
Und mit einem Konzertmarsch eröffnete der Musikverein Hauerz mit seiner Dirigentin Sabine Götze dann auch seinen Konzertteil, nach den Ehrungen verdienter Musiker und nachdem sich die Seibranzer mit dem Blasmusik-Hit „Eine letzte Runde“ von Markus Nentwich als Zugabe verabschiedet hatten. Zu den Ehrungen folgt zeitnah ein gesonderter Bericht.
Der auf Konzerten oft gespielte Marsch Sympatria von Thomas Assanger war eine Auftragsarbeit im Rahmen des österreichischen Wettbewerbs „Best of Blasmusik“ und war für das Wettbewerbsfinale 2017 als Pflichtliteratur nominiert. Der Titel des Stückes ist Programm: Er setzt sich aus den lateinischen Lehnwörtern „sym“ (lat. zusammen) und „Patria“ (lat. Heimatland) zusammen und thematisiert auf musikalische Weise, dass Heimat weniger eine Frage der räumlichen Herkunft, sondern viel mehr der sozialen Zugehörigkeit ist. Heimat ist dort, wo wir uns wohlfühlen. Das Eingangsthema beginnt im Sinne der inhaltlichen Semantik in der Einstimmigkeit und erstrahlt nach wenigen Takten im erweiterten mehrstimmigen Satz.
Danach ging es hoch hinaus auf dem musikalischen Wanderweg zwischen Hauerz und Seibranz. Nämlich auf 8848 Meter: Der höchste Berg der Erde rief Musiker und Publikum. Mit Mount Everest gelang dem amerikanischen Komponisten Rossano Galante für diesen Aufstieg eine wunderbare musikalische Vertonung, vom ruhigen Basislager bis zum Triumph den Gipfel erklommen zu haben. Robuste Bass-Melodien, mitreißende Holzbläser-Passagen und treibende Rhythmen bestimmen diese Komposition über die epische Schönheit und überwältigende Macht des höchsten Berges der Welt.
Anschließend blieben die Musiker auf ihrem musikalischen Wanderweg weiterhin in luftigen Höhen, allerdings geografisch viel näher an Oberschwaben: Mit „Schmelzende Riesen“ beschäftigte der österreichische Komponist Armin Kofler sich bereits 2011 mit der Klimaerwärmung und damit verbunden dem inzwischen noch viel weiterfortgeschrittenen Abschmelzen der Gletscher in den Alpen. Das Werk beginnt mit einem ruhigen, majestätischen Teil, der die Erhabenheit der Gletscher widerspiegelt. Im schnellen Mittelteil wird die spannende Fahrt mit einem Schlittenhundegespann über die Weiten der Arktis beschrieben. Der Übergang in den letzten Teil erfolgt sbrupt. Das Ausmaß der Klimaänderung wird mit einem Mal ersichtlich. Es folgt eine Art „Klagelied“ der Gletscher, das erst am Schluss des Werks mit der Hoffung auf eine bessere Zukunft durch nächste Generationen in einen optimistischeren Ton verklingt.
Mit dem Werk „Adventure !“ hat Markus Götz eine fiktive Filmmusik geschaffen, die, dem Klischee des Genres der Abenteuerfilme folgend, die typischen Charakteristika dieser beliebten Filmgattung aufweist.
An den Schluss ihres Konzertteiles hatte Sabine Götze zwei Titel aus dem Genre Pop gesetzt. Bei dem Welthit „Africa“, der den Ruhm der US-amerikanischen Poprock-Band Toto mitgegründete, holten sich die Blasmusiker Unterstützung beim professionellen Sänger Kevin Prinz.

Mit „Elvis – The King, wieder mit der Gesangsperformance von Kevin Prinz, endete das offizielle Programm. Das Phänomen „Elvis“ beschreiben zu wollen, ist wohl überflüssig. Unzählige Hits, 1,4 Milliarden Verkaufter Tonträger sprechen für sich. Selbst John Lennon von den Beatles nannte ihn als größte Inspirationsquelle. Stefan Schwalgin fasste mit „You’re the Devil in Disguise“„Can’t Help Falling in Love“„ Suspicious Minds“ und „Jailhouse Rock“ vier stilistisch ganz unterschiedliche Titel in seinem Medley zusammen und zeichnete damit ein differenziertes musikalisches Porträt des „King of Rock´n Roll“.

Das allerbeste aber hatte der Musikverein Hauerz sich bis zur Zugabe aufgehoben: MV Hauerz Eigengewächs Pauline Angerer, die für gewöhnlich beim MV Hauerz die Posaune bedient, stellte sich mutig auf das Sängerpodest und sang mit viel Verve „Kimm guat hoam“ der österreichischen Gruppe „Seer“ als wäre das ihr täglich Brot.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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