Enkel-Trick-Präventionstheater des Stadtseniorenrates war ein voller Erfolg


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Bad Wurzach – „Hallo Oma, ich brauch Geld“ so lautet der Titel des von den professionellen Schauspielern von „die Theater Experten“ im Dorfstadel aufgeführten Theaterstückes, das der Stadtseniorenrat Bad Wurzach gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Ravensburg zur Prävention vor Betrugsversuchen wie „Enkeltrick“ „Schockanrufe“ und „falsche Polizeibeamte“ organisiert hat.
„Wow, gibt´s hier etwas umsonst?“ entfuhr es einem staunenden Florian Suckel, seines Zeichens Erster Kriminalhauptkommissar und bei der Polizei Ravensburg für den Bereich Prävention zuständig, angesichts des vollbesetzten Saales.
Klaus Schütt, Sprecher des Bad Wurzacher Stadtseniorenrat-Teams, erläuterte in seiner Begrüßung, wie es dazu kam. Im vergangenen Jahr hatte der Kreisseniorenrat das Theaterstück gemeinsam mit der Polizei organisiert, das man gerne übernommen habe, um den rasanten Anstieg solcher Betrugsversuche in der Region zu stoppen. Dank Sponsoren konnte der Stadtseniorenrat dies stemmen und auch die Landfrauen hatten sich spontan zur Bewirtung bereit erklärt.
Die beiden Schauspieler Paul Mejzelik als Rentner und Michael Lebzelter als Betrüger integrierten auch das Publikum mit in ihr Spiel: Eine Dame in der ersten Reihe durfte als Dame vom Amt jeweils den Startschuss bzw. das Klingeln des Telefons geben, eine andere durfte sich sogar nach der ersten Szene als Schauspielerin betätigen.
Sehr gut vorgetragen
Gerade wollte Edgar Denzinger (Mejzelik) seinen Kuchen in den Ofen schieben, als ihn das erste Mal der Anruf des Enkeltrick-Betrügers erreicht. Dieser Enkel brauchte für eine Wohnung ganz in der Nähe der Großeltern angeblich eine Kaution, und ob der Opa ihm dabei aushelfen könnte? Diesem waren die 800 € in bar zu wenig, also forschte er weiter nach, was es sonst noch holen gab. Sagte, er solle das Geld und den Schmuck der Oma bereit halten, ein Freund werde die Sachen sehr bald abholen und dabei das ausgemachte Sicherheits-Kennwort: „Spätzledrücker“ sagen.
In der Analyse dieser ersten Szene erklärten die Beiden, welche Fehler der Rentner am Telefon gemacht hatte: Er hatte viele persönliche Daten dem Betrüger quasi auf dem Silbertablett serviert.
Bei der zweiten Szene, für die sich die Schauspieler „Verstärkung“ mit Christa Denzinger aus dem Publikum geholt hatten, gab sich der Betrüger als Polizist des Bundeskriminalamtes aus. Die Dame hatte zuvor gut aufgepasst und konnte so dem Betrüger Paroli bieten, der sie unter Druck setzen wollte. Bei der Analyse erläuterten die Schauspieler, woran man die Betrugsabsichten erkennen kann: Das Bundeskriminalamt ruft niemals bei Privatpersonen an, per Maske auf dem Telefon kann dem Angerufenen die Polizeinotrufnummer 110 vorgegaukelt werden. Wichtig sei es, nach dem Anruf aufzulegen und nicht direkt, sondern zum Beispiel vom Handy aus versuchen, zurückzurufen. Am besten aber sofort die richtige Polizei informieren, denn wenn diese noch per Konferenzschaltung in der Leitung blieben, könnte der Rückruf noch funktionieren.
Der Aufforderung, das gesamte Geld bei einer anderen Filiale abzuheben, weil die Bankangestellten der eigenen Filiale angeblich mit den Betrügern unter einer Decke steckten, sollte man niemals Folge leisten. Die Angestellten seien zwar verpflichtet, das Geld auszuzahlen, wenn man darauf besteht, sie seien aber auch geschult und würden nachfragen, wofür das Geld verwendet werden soll. Wenn dieser „letzte Rettungsanker“ wegfiel, sei das Geld innerhalb von wenigen Minuten auf Nimmerwiedersehen weg.
Es gibt keine Kautionszahlungen in Deutschland
Noch perfider seien die Schockanrufe, mit denen vorgebliche Polizisten oder Staatsanwälte nach einem schrecklichen, angeblich vom Enkel verursachten Unfall eine hohe Kautionszahlung erpressen wollen. Einer von ihnen werde dann in Zivil das Geld in bar abholen. Daran zu erkennen: Kautionszahlungen gibt es in Deutschland nicht.
Eine Steigerung davon: Mitten in der Nacht als falscher Krankenhaus-Arzt jemanden aus dem Schlaf zu reißen und ihm mitzuteilen, dass ein naher schwerverletzter Verwandter unbedingt in einem anderen Krankenhaus operiert werden müsse. Die Kosten für den Transport per Helikopter müsse im Voraus bezahlt werden. Wichtig für den Angerufenen: Auf keinen Fall auf irgendeine Beschreibung des Verwandten eingehen. Diese Spezial-Transporte werden niemals im Voraus bezahlt.
Damit die Materie nicht allzu trocken vermittelt wurde, hatten die Schaupieler zwei Running Gags eingebaut. Bei den ersten Szenen war der Rentner gerade beim Kuchenbacken, später wollte er das Geld jeweils in eine allen im Saal wohlbekannte Tupperschüssel packen.
Hauptkommissar Florian Suckel, der täglich mit Opfern zu tun hat, die tausende von Euros verlieren, kam am Ende der offiziellen Programmszenen auf die Bühne. Er hatte noch einige weitere Tipps parat. „Des passiert mir doch it,“ sei die falsche Einstellung. Diese studierten die Todesanzeigen, denn wenn man gerade einen nahen Verwandten verloren habe, sei man sehr verletzlich und oft allein. Wenn nach Wertsachen gefragt werde, sei dies ein eindeutiger Hinweis: sofort auflegen und die Polizei informieren. Wenn jemand anruft, weil er eine neue Telefonnummer habe: dito.
Als kleines Zuckerl gab es noch eine weitere, humoristisch angehauchte Szene, als Zugabe: Auch im Deutschen Reich etwa um 1910, das damals bereits 25 Millionen Telefonanschlüsse hatte, hätte sich bereits eine solche Szene abspielen können.
Freiherr von Mahlzahn (mit Zylinder und Spitzbart) bekommt im Reichsschatzamt einen Anruf von ganz oben: Reichskanzler Otto von Bismark mit Pickelhaube am Apparat, man möge doch bitte alle Gold- und Geldreserven in Sicherheit bringen….
Zurück in Gegenwart: Klaus Schütt lud im Rahmen seines Werbeblocks alle Senioren ein, zu Veranstaltungen wie etwa dem Stammtisch zu kommen. „Sie sind immer herzlich willkommen.“
Bericht und Fotos: Uli Gresser
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