75 Jahre Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) in Seibranz


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Seibranz – Die elf Ehrenamtlichen, die aktuell die Bücherei in Seibranz betreuen, hatten zum Jubiläum ein großes Fest geplant – und wurden nicht enttäuscht. Es wurde ein schönes Fest mit allem was dazugehört: Essen, Trinken, Unterhaltung und ein sorgfältiger Rückblick auf dieses Dreivierteljahrhundert und natürlich Bücher.
Die Statistik der Chronik zeigte aber auch, dass die 75 Jahre nicht ohne – zum Teil Existenz gefährdenden – Schwierigkeiten verlaufen sind. Doch der Reihe nach: 1951 startete auf Initiative vom damaligen Pfarrer Brielmair die Bücherei offiziell, aber bereits 1949 gab es in Seibranz ein kleines Fenster zur Welt: Mit 70 Büchern und 40 Lesern.
Valerie Schneider, eine der elf fleißigen Büchereibetreiberinnen, fasste in ihrem Chronikbericht über die Geschichte die schweren Zeiten und die Wende unter der Überschrift „Von der Krise zum Boom“ zusammen. Anfang der 70er Jahre gab es gerade einmal 11 bis 15 Ausleihungen pro Jahr. 1972 stand deshalb in den Akten „Auflösung empfohlen“. Doch die damalige Pfarrsekretärin Irmgard Kuhn hatte nicht aufgegeben. 20 Jahre hatte sie die Bücherei weitergeführt und den Bestand sogar erheblich erweitert. Der Wendepunkt kam Ende der 90er Jahre. Unter der Leitung von Rosa Reutlinger und deren Team erhöhten sich die Ausleihungen von 120 im Jahre 1996 innerhalb eines Jahres um fast 900% auf über 1.000 im Jahre 1997. „Das zeigt: Eine Bücherei braucht nicht nur Bücher, sie braucht Herzblut!“
Ort der Begegnung
Schneider konnte für die Frage, warum man sich in der Ortschaft in Zeiten von E-Books und Onlineversand noch eine Bücherei leistet, viele Argumente anführen: Eine Bücherei ist ein Ort der Entschleunigung, sie ist ein Ort gelebter Demokratie, denn hier habe jeder kostenlosen Zugang zu Bildung. Und ein ganz wichtiger Aspekt: Sie ist ein Ort der Begegnung, und für die Kinder ein Ort für Entdeckungen, die zwischen den beiden Buchdeckeln stecken.
Valerie Schneider konnte von vielen Aktionen berichten, Buchausstellungen, Bastelnachmittagen usw. Bemerkenswert: Beim Umbau 2008 wurden trotz einer dreimonatigen Schließzeit 1.700 Bücher ausgeliehen. Oder an die knapp 400 ehrenamtlichen Arbeitsstunden, umgerechnet fast zehn volle Arbeitswochen, die das Team in den Betrieb investiert, und damit der Dorfgemeinschaft geschenkt hat.
Die 11 Ehrenamtlichen sind:
Dafür dankte sie allen, die über dieses Dreivierteljahrhundert hinweg die Flamme am Brennen erhalten haben, den Pfarrern Brielmair bis Maier, Frau Kuhn und allen Ehrenamtlichen der letzten 30 Jahre. Ganz besonders aber dankte sie dem aktuellen Team, das die Türen öffnet, die Medien pflegt und die Beratung leistet. „Ihr seid das Gesicht dieser Bücherei.“ Namentlich sind dies: Die Leiterinnen Nicole Mangler und Christine Keckeisen, sowie Silvia Butscher, Bettina Dargel, Christine Hierlemann, Anja Müller, Annika Rölle, Nicole Sailer, Sabrina Seufert, Simone Thiedmann und Valerie Schneider.
„Wir feiern heute nicht nur Papier und Tinte, sondern 75 Jahre Gemeinschaft, Bildung und Leidenschaft. Auf die nächsten 75 Jahre! “
Pfarrer Stefan Maier betonte in seinem Grußwort den wichtigen und charmanten Beitrag, den die Bücherei zum Leben der Ortschaft, aber auch der Kirchengemeinde leistet. „Aus Idealismus, weil sie selbst überzeugt davon sind, wie wichtig und wie wertvoll das ist, was sie da machen.“ Dafür wolle er ihnen und allen, die dies zuvor übernommen hatten, herzlich danken. Denn eine Bücherei bereichere nicht nur Seibranz, sie sei ein Angebot, vor Ort lesend die eigene Phantasie zu beflügeln und sich Wissen anzueignen. Lesekompetenz sei geradezu der Schlüssel für die Persönlichkeitsentwicklung. Lesen fördere die Konzentration, das Gedächtnis. „Immer wieder wird betont, wie wichtig es für unsere Kinder ist, zu lesen und vorgelesen zu bekommen.“
Auch Ortsvorsteherin Petra Greiner betonte den Wert dieses besonderen Ortes. Er lege den Grundstock für Bildung. Es sei für sie als ehemaliges aktives Mitglied faszinierend, wie sie die Bücherei umtrieben, so dass sie ein lebendiger Ort bleibe.
Die Festbesucher hatten an diesem Tag viele Möglichkeiten: Neben einer großen Essensauswahl, Kaffee und selbstgebackene und gespendete Kuchen sich zu unterhalten, sich in die ausgestellte Chronik zu vertiefen. Aber auch bei wunderschönem Frühlingswetter vor dem Gemeindehaus und dem Pfarrbüro im Freien das Fest genießen oder mit den Kindern zu basteln. Bei einer Dorfrallye konnten die Teilnehmer tolle Preise gewinnen, die von namhaften Firmen gestiftet worden waren.
Oder sie konnten auch an diesem Tag der offenen Tür einen Blick in die Bücherei werfen, was viele Ehemalige auch taten, auch um ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen.
Text und Bilder: Uli Gresser
Viele Bilder in der Galerie





































































