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    Bühnenfassung von „Achtsam Morden“ open air im Theater Ravensburg

    Entschleunigt auf der Überholspur

    Foto: Fred Nemitz
    Rocken achtsam die Bühne (v.l.n.r.): Armin Köstler als Rechtsanwalt Björn Diemel, Thomas Cermak als Gangsterboss Boris und Ana Schlaegel als russische Hostess.
    veröffentlicht am: 14.07.2026
    Autor: Fred Nemitz
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Ravenburg – „Der Gott des Gemetzels“ war erst ein preisgekröntes Theaterstück mit französischen Wurzeln, bevor Hollywood, genauer gesagt Roman Polański den Stoff adaptierte und daraus einen erfolgreichen Kinofilm mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly in den Hauptrollen machte.

    Das Gegenteil ist bei „Achtsam morden“ der Fall: Erst das Buch von Karsten Dusse als Bestseller, dann die Netflix-Serie mit Tom Schilling in der Hauptrolle (kürzlich ist die zweite Staffel angelaufen), nun die Theaterversion und Bühnenfassung von Bernd Schmidt.

    Von Gangstern, Konflikten und der Ruhe im Sturm

    Während sich in New York bei 29 Grad die deutsche Nationalmannschaft gegen Ecuador aufwärmt (25.6.), schlüpfen in Ravensburg bei zwei Grad weniger die Schauspieler Armin Köstler, Thomas Cermak und Ana Schlaegel in 23 verschiedene Rollen und bringen die Bühnenbretter des Theaters Ravensburg bei der Freilichtaufführung achtsam zum Beben.

    Fast alle Stühle sind an diesem Abend in der Zeppelinstraße 7 besetzt, als Simon & Garfunkel als musikalischer Opener aus den Boxen trällern. Armin Köstler stürmt in seiner Rolle als Strafverteidiger Björn Diemel mit weißem Plastikumhang und Kettensäge in der Hand mit den Worten auf die Bühne: „Blöder Vogel. Lass den Finger!“

    Gemeint ist die Elster, die den abgetrennten Ringfinger seines Klienten Dragan Sergowicz, den er gerade zersägt und per Häcksler in tausend Einzelteile zerlegt hat, in Windeseile mit dem Schnabel geschnappt und mitgenommen hat. Diemel resümiert: „Meinen ersten Menschen habe ich mit 43 umgebracht“. Ein blutiger Start – und mittendrin in der Geschichte.

    „Kennen sie Zeitinseln?“

    Die ist bekannt und kurz erzählt: Auf Geheiß seiner Ehefrau soll Björn Diemel seine Work-Life-Balance in Ordnung bringen. Sie schickt den smarten Anwalt zu einem Achtsamkeitscoach. Dessen Ratschläge setzt Diemel direkt in die Tat um. Er schafft sich eine Zeitinsel: ein ganzes Wochenende mit seiner Tochter Emily am See, ohne an die Arbeit zu denken.

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    Die im Kofferraum seines Wagens vergeblich auf ihn wartet – in Form des Mafiabosses Dragan. Denn Diemel hatte seinen Mandanten, der wegen Mordes von der Polizei gesucht wird, noch schnell im Kofferraum seines Wagens versteckt und inkognito unter dem Radar aus der Schusslinie gebracht.

    Nicht alle Arbeit aber verträgt es, aufgeschoben zu werden – schon gar nicht bei dreißig Grad im Schatten. Am Ende des Wochenendes ist Diemel tiefenentspannt und Dragan – noch immer im Kofferraum liegend – tot. Unversehens steht der Anwalt im Zentrum eines Bandenkriegs, der ihn in immer waghalsigere Situationen bringt, die er immer wieder mit Kalkül, Intelligenz und Achtsamkeit meistern wird.

    Drei Schauspieler in 23 Rollen machen Tempo

    Szenen aus „Achtsam morden“. Fotos: Fred Nemitz

    „Ein Weg wird nicht kürzer, wenn man rennt“ – so Achtsamkeits-Coach Joschka Breitner bei seiner ersten Begegnung mit Diemel. „Sie sind komplett in ihren Gewohnheiten gefangen. Der Grund was tun zu müssen, ist der Hauptgrund für Stress. Erst dann, wenn sie nichts mehr tun müssen, sind sie wirklich frei.“

    Armin Köstler spielt durchgehend Björn Diemel mit brillanter Souveränität, schlüpft nur einmal in die Rolle des Stanislav. Thomas Cermak ist sich nicht zu schade, zur Freude des Publikums einen krähenden Hahn und ein jauchzendes Kind auf dem Spielplatz zu spielen. Lässig glänzt er vor allem als Joschka Breitner, bevor er sich äußerlich und verbal in Dragan oder Boris verwandelt oder mit blonder Perücke als Frau Bregenz in der Kanzlei Diemel das Leben schwer macht. Ana Schlaegel überzeugt als Diemels Ehefrau Katharina und verkörpert Emily, bevor sie als ermittelnde Polizistin oder russische Hostess in Boris Etablissement die Bühne rockt.

    Alles in allem ein temporeiches und kurzweiliges Stück. Nicht ganz einfach, die vielen Charaktere und vielseitigen Handlungsstränge unter einen Hut zu bringen. Dem Ensemble gelingt es jedoch, mit spielerischer Leichtigkeit und vorhandenem Bühnenequipment eine durchgängige Story zu erzählen und das Publikum bei Laune zu halten. Gute Geschichten kommen halt überall an – egal ob als Buch, Serie oder auf der Theaterbühne.

    Am 30. und 31. Juli und am 1. August

    Die nächsten Aufführungen am 16. und 17. Juli sind ausverkauft. Karten gibt es noch für den 30. und 31. Juli und den 1. August.
    Text und Bilder: © Fred Nemitz

    Webseite

    Zum Theaterstück: Achtsam morden » Theater Ravensburg Den Link haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

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    Fred Nemitz
    veröffentlicht am
    14.07.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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