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Eine deutsch-spanische Liebesgeschichte

Es war vor mehr als 65 Jahren im „Deutschen Kaiser“

Foto: privat
Ein glückliches junges Paar: Carmen und Siegfried. Am 27. Mai 2026 feiern sie Eiserne Hochzeit.
veröffentlicht am: 24.05.2026
Autor: Mario Boser und Karina Boser
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bergatreute – Am 27. Mai 2026 feiert das Ehepaar Hoyer aus Bergatreute Eiserne Hochzeit – 65 Jahre Ehe, Liebe und gemeinsames Leben. Eine Geschichte, die kaum schöner geschrieben werden könnte. Aufgeschrieben wurde sie von Enkel Mario Boser und seiner Mutter Karina Boser, der Tochter des Jubelpaares.

Carmen Hoyer (88 Jahre) stammt aus dem kleinen Küstenort Bueu in Galicien, Spanien. Ihre Kindheit war alles andere als leicht. Sie wuchs dort als älteste von elf Kindern auf. Bereits mit 13 Jahren musste sie wegen einer schweren Lungentuberkulose ins Krankenhaus und verbrachte dort insgesamt sechs harte Jahre ihres Lebens. Erst mit 19 Jahren konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen. Trotz aller Schwierigkeiten blieb sie stark und lebensfroh. Bis zu ihrem 22. Lebensjahr lebte sie noch in Spanien, bis sie gemeinsam mit einer Freundin den mutigen Schritt wagte, nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten.

Siegfried Hoyer (87) Jahre war ein Kind der ehemaligen DDR. Dort wuchs er als Einzelkind auf, nachdem sein Vater im Krieg gefallen war. Erst nachdem die Mutter wieder heiratete, wuchs die Familie, da sein Stiefvater drei Töchter mitbrachte. Auch Siegfrieds Kindheit war alles andere als leicht. Er wollte gerne studieren, aber dafür fehlten die finanziellen Mittel. Im Jahr 1957, er war 18 Jahre alt, entschloss er sich dazu, in den Westen zu gehen. So kam er nach Ravensburg. Dort wurde er schnell bekannt – als talentierter Fußballspieler beim FV Ravensburg machte er sich einen Namen. Der Fußball spielte dann schließlich auch eine entscheidende Rolle bei der größten Begegnung seines Lebens.

Die Kennenlerngeschichte klingt heute fast wie ein Film.

Begegnet sind sich die beiden am 18. September 1960 im „Deutschen Kaiser“ in Ravensburg. Nach einem Punktspiel gegen Spaichingen ging die Mannschaft traditionell zum Essen. Während die Spieler zusammensaßen, stand ein Freund von Siegfried draußen vor dem Lokal und rauchte eine Zigarette. In diesem Moment liefen zwei junge Spanierinnen vorbei. Die beiden kamen gerade aus einem spanischen Lokal und wollten eigentlich nur weitergehen. Doch der Freund bemerkte die beiden sofort und rief ihnen scherzhaft zu:

„Hier drinnen sitzt Real Madrid! Kommt rein.“

Neugierig betraten die beiden jungen Frauen daraufhin das Lokal. Statt der berühmten Fußballmannschaft saß dort allerdings nur der FV Ravensburg am Tisch. Siegfried saß gerade beim Essen, als er sofort die Aufmerksamkeit von Carmen auf sich zog. Besonders seine blonden Locken gefielen ihr auf Anhieb.

Zu ihrer Freundin sagte sie damals: „Der gefällt mir.“

Da kaum jemand die Sprache des anderen verstand, verständigte man sich zunächst mit Händen und Füßen. Trotzdem war die Stimmung ausgelassen und herzlich. Schnell entstand die Idee, gemeinsam mit Siegfrieds „Vespa“ zum Tanzen zu gehen.

An diesem Abend fuhr Siegfried allerdings zunächst noch mit Carmens Freundin auf seiner Vespa zum Tanzlokal, während Carmen bei einem anderen Mitfahrer Platz nahm. Doch das Schicksal hatte offensichtlich andere Pläne.

Nach einer fröhlichen Nacht voller Tanz und guter Stimmung brachten die Männer die beiden jungen Frauen wieder nach Hause. Dieses Mal saß Carmen bei Siegfried auf der Vespa.

Vor lauter Freude und Aufregung vergaß sie beim Abschied dabei ihre Handtasche im Heckkoffer des Rollers. Zwei Tage später stand Siegfried erneut mit seiner Vespa vor der Tür, um die Tasche zurückzubringen. In der Handtasche befand sich außerdem ein kleiner Zettel. Darauf stand – auf Spanisch: „Ich liebe dich.“

Von diesem Tag an waren die beiden unzertrennlich. Am 27. Mai 1961 wurde geheiratet.

Vier Monate später kam bereits der erste Sohn zur Welt, anderthalb Jahre später folgte der zweite Sohn. Bis 1965 lebte die kleine Familie in Ravensburg, bevor sie nach Bergatreute zogen. Auch hier wurde der Fußball der Familie zum Vorteil. Als man hörte, dass der Hoyer Siegfried vom FV eine Wohnung sucht, war das Problem am Ort schnell gelöst. 1972 kam schließlich noch eine Tochter zur Welt.

Aus der Zufallsbegegnung im „Deutschen Kaiser“ entstand eine große Familie und ein gemeinsames Leben voller Liebe, Zusammenhalt und Erinnerungen.

Heute, 65 Jahre später, dürfen sie auf eine wunderbare Familie blicken:
drei Kinder,
zehn Enkelkinder,
acht Urenkel und ein weiteres Urenkelchen, das unterwegs ist. Wenn da alle zusammenkommen, wird es eng im Wohnzimmer.

Die Geschichte von Siegfried und Carmen zeigt, dass Liebe keine Sprache braucht – manchmal reichen ein Blick, ein Roller und ein kleiner Zettel mit den richtigen Worten.

Herzlichen Glückwunsch zur Eisernen Hochzeit!

Carmen (rechts) und ihre Freundin Pacita.

Siegfrieds Vespa, Siegfrieds Carmen.

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Siegfried und Carmen vor 65 Jahren. Geheiratet wurde am 27. Mai 1961.

Am Anfang war der Fußball. Siegfried war ein bekannter Fußballer in Diensten des FV Ravensburg. Als er mit seinem Team im „Deutschen Kaiser“ saß, kam Carmen herein …

Siegfried und Carmen, 65 Jahre später.

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Mario Boser und Karina Boser
veröffentlicht am
24.05.2026
Lesedauer: ca. 4 Minuten
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