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    „Den Menschen vor Ort eine Perspektive eröffnen“

    Kleiderladen Kißlegg unterstützt Schule in Gambia

    Foto: Ulli Stark
    Die Teamleitung des Kleiderladens und der Vorstand des Fördervereins v.l.n.r.: Reinhold und Maria Stitzenberger, Annette Jaiteh, Heribert Pohl, Siglinde Rebstock, Peter Killat, Madita Rauh, Norbert Kaiser
    veröffentlicht am: 19.07.2026
    Autor: Ulli Stark
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Kißlegg – Für viele Kißlegger ist er die einzige, oder zumindest beste Wahl, Textilien vor Ort zu kaufen: Der Kleiderladen des Fördervereins Soziale Projekte Kißlegg im ehemaligen Kino Weiland. Mit den Erlösen des von Ehrenamtlichen betriebenen Second-Hand-Shops werden seit über einem Jahrzehnt Menschen in schwierigen sozialen Situationen gefördert. Eines der wichtigsten Projekte in Übersee, die „Swallow-Schule“ in Gambia, stellte Annette Jaiteh Ende Juni vor.

    Soll symbolisch den Kindern Flügel verleihen: Die Schwalbe (Swallow), nach der die Schule benannt ist. Foto: Kleiderladen

    „Flügel, die den Kindern symbolisch wachsen“

    „Wir wollen mittellosen Kindern kostenlos eine Schulbildung ermöglichen, zu der auch eine tägliche Mahlzeit gehört“, erläuterte die aus Frankfurt stammende Referentin den rund 25 Zuhörern. Sie ist mit einem Gambier verheiratet und hat die Aufgabe der „Botschafterin“ von der Kißleggerin Angela Reuß nach deren Tod vor zwei Jahren übernommen. Die 2002 gegründete Schule lernte sie 2005 nach dem Umzug in das komplett vom Senegal umschlossene, kleine westafrikanische Land kennen. Das Konzept einer „emancipating education“ (Erziehung zur Selbständigkeit) hob sich „wohltuend von den Staatlichen Schulen ab, in denen Frontalunterricht, Auswendiglernen und der Einsatz der Prügelstrafe vorherrschten“. Mit „Swallow“ (dt.: Schwalbe) verbindet sie auch „Flügel, die den Kindern im Lauf der Schulzeit symbolisch wachsen“. So förderten regelmäßige Einheiten in Tanz und Theater die Selbstsicherheit. Mit der Bewirtschaftung des schuleigenen Gemüsegartens erfolge der Zugang zur Selbstversorgung in dem bitterarmen Land. Obendrein lernten die Kinder Fertigkeiten wie Schreinern, Fliesen legen oder Batiken – ein mit guter Qualität ausgeführt „sehr lukratives Handwerk“.

    Erfolge können sich sehen lassen

    Die Erfolge nach Abschluss der sechsten Klasse können sich laut Annette Jaiteh sehen lassen. „In den weiterführenden, staatlichen Schulen haben unsere Kinder oft einen Startvorteil“. Besonders stolz sei sie auf eine ehemalige Schülerin, die inzwischen eine Schneiderei mit zwanzig Angestellten betreibe. Ein weiterer Absolvent habe gerade den Bachelor in Computertechnologie gemacht. „Wir wollen den Menschen eine Perspektive vor Ort eröffnen, um sie von der teuren und lebensgefährliche Flucht nach Europa abzuhalten“.

    Naturgemäß sind mit dem Betrieb so einer Schule eine Menge Herausforderungen verbunden. So müssten „schweren Herzens“ manche Bewerbungen abgelehnt werden, um die Klassengröße bis 27 zu garantieren. Wegen der oft weiten und nicht ungefährlichen Wege falle die Wahl gerne auf Kinder mit älteren Geschwistern an der Schule. Zudem erfolge der Unterricht komplett in der Amtssprache Englisch, während in den Familien die unterschiedlichsten Stammessprachen gepflegt würden.

    Finanzierung komplett aus Spenden

    Auf Nachfrage erläuterte Annette Jaiteh, dass der jährliche Bedarf von etwa 80.000 Euro komplett über Spenden finanziert werde. Der Löwenanteil stamme von Organisationen aus Belgien. Aus dem Heimatland der Gründerin komme zudem Unterstützung bei der Buchhaltung oder der Revision. Mit 5750 Euro habe Kißlegg im Jahr 2025 einmal mehr einen wesentlichen Beitrag geleistet.

    Kleiderladen sucht weitere Helfer

    Die Geschichte des Kleiderladens ist übrigens keineswegs geradlinig. Angesichts der vielen syrischen Flüchtlinge ohne Hab und Gut wurde im Jahr 2015 mit Sammlungen begonnen, erinnert sich Elisabeth Schede, eine der Helferinnen der ersten Stunde. Aus dem erfreulich hohen Aufkommen in Kißlegg ließen sich weitere Projekte starten. Bevor die Entwicklung den Ehrenamtlichen über den Kopf zu wachsen drohte, fand man laut Peter Killat nach und nach die passende Organisationsform. Zuletzt gingen die Aktivitäten im „Förderverein Soziale Projekte Kißlegg e.V.“ auf. Laut dem Vorstandsvorsitzenden damit verbunden war die Umstellung auf die – gerade finanztechnisch weniger komplexe – indirekte Unterstützung von Projekten über andere Organisationen. Auf der Liste finden sich insgesamt zehn, weshalb sich der Kleiderladen „immer über weitere ehrenamtliche Helfer“ freut. Im Blick hat Peter Killat dabei insbesondere Menschen, die „in Rente gehen und eine sinnvolle Beschäftigung suchen“.

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    Weitere Infos

    Mehr Info unter https://www.sozialeprojektekisslegg.de/kleiderladen und https://www.theswallow.org/.
    Den Zugang zu den ganennaten Webseiten ahben wir unter den roten Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

    Ohne Ehrenamtliche ginge nichts – wie beim Sortieren und Aufräumen nach den Anproben. Bei Bedarf wird auch gerne beraten. Der Kleiderladen im ehemaligen Kino Weiland hat donnerstags von 15.00 bis 18.00 Uhr und samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet. Foto: Ulli Stark

    Ganz Ohr: die Ehrenamtlichen des Kleiderladens beim Bericht von Annette Jaiteh (3. v.li.) über die Swallow Schule in Gambia. Foto: Ulli Stark

    Gehört zum Schulbetrieb: eine Mahlzeit pro Tag, möglichst mit Zutaten aus eigenem Anbau. Foto: Kleiderstube

    Der Innenhof der Swallow-Schule. Foto: Kleiderstube

    Aus Second-Hand Modellen günstig zusammengestellt, aber sehr nützlich: Der Computerraum

    Die Schwalbe (Swallow), nach der die Schule benannt ist

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    Ulli Stark
    veröffentlicht am
    19.07.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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