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    Sperre des Bahnhofs Kißlegg für den Austausch einer Weiche

    Mit schwerem Gerät und viel Präzision den Zeitplan eingehalten

    Foto: Ulli Stark
    Das alte Gleisbett ist entfernt, das Vlies verlegt. An diese Stelle kommt die neue Weiche.
    veröffentlicht am: 20.07.2026
    Autor: Ulli Stark
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    Kißlegg – Bahnfahrer sind im Raum Oberschwaben-Allgäu-Bodensee auf viele Baustellen eingestellt. Am vergangenen Wochenende kam in Kißlegg eine dazu, für die der Bahnhof komplett geschlossen wurde. Gerade 58 Stunden blieben den Bautrupps, die Weiche an der Einfahrt aus Leutkirch auszutauschen. Was passiert eigentlich in dieser Zeit? Spezialmaschinen und präzise Organisation sind gefragt, damit solche Zeitpläne eingehalten werden können.

    Freitagabend (17.7.), 18.30 Uhr. Der letzte Triebwagen startet Richtung Aulendorf, danach herrscht Stille. Ein Spezialzug mit Weichentransportwägen (WTW) auf Gleis 2 weist auf die geplante Baustellentätigkeit. Lediglich einige eher ältere Herren, wie der Autor dieser Zeilen, begutachten ihn neugierig vom Bahnsteig aus.

    In aller Früh wird das alte Gleisbett entfernt

    Die Musik spielt einige hundert Meter weiter, am Ende des Rinninger-Geländes. Ab 20.00 Uhr beginnt die erste von drei Schichten des Teams der DB-Tochter Bahnbau Gruppe GmbH mit der Demontage der in die Jahre gekommenen Weiche. Ein Zwei-Wege-Bagger, auf der Straße wie der Schiene einsetzbar, bringt Schwellen und Schienenteile zum Lagerplatz. Am Samstag in aller Frühe räumen Tiefbau-Firmen aus dem Raum Biberach das Gleisbett ab. Unter dem neu zu erstellenden wird wegen der feuchten Böden zunächst ein Vlies verlegt. Das verhindert ein Vermischen mit der aus Kies und Sand bestehenden Planums-Schutzschicht (PSS), erläutert der Leiter der Baustelle aus der Niederlassung Augsburg. Der will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, erläutert die Arbeitsschritte aber wie ein erfahrener Pressesprecher.

    Der Weichen-Zug muss schnell wieder weiter

    Inzwischen ist ein Spezialkran der Bahnbau Gruppe auf Gleis 1 eingefahren. Die bis zu zwanzig Tonnen schweren, vorgefertigten Weichen werden an drei Stellen so fixiert, dass das Gleichgewicht beim Anheben gewahrt bleibt. Der Kran bringt sie bis kurz vor die Baustelle und legt sie auf die bestehenden Gleise. Was sich dem Laien zunächst nicht erschließt, hat zwei gute Gründe: Der Zug mit den WTW muss zu seinem nächsten Einsatz. Zudem ist die Technik für die zukünftige Fernsteuerung durch die Fahrdienstleitung anzubringen, was noch mehrere Stunden dauert. Bis dahin wird auf der PSS die untere Schotterschicht aufgebracht, die ein Güterzug gebracht hat. Erst dann kann der Spezialkran ein Weichenstück nach dem anderen in die genaue Position bringen.

    Millimeterarbeit mit dem Richt- und Dichtzug

    Der letzte große Akt erfolgt am Sonntagvormittag: Weiterer Gleisschotter wird aufgebracht, den zunächst der Zwei-Wege-Bagger grob von den Gleisen schiebt. So kann der Richt- und Dichtzug ans Werk gehen, ohne die Gefahr zu entgleisen. Ein Teil der Aufgabe lässt sich sogar mit bloßem Auge erahnen: Die neue Schiene weist nahe der Verknüpfung mit der bestehenden eine minimale Krümmung auf, etwa fünf cm unter deren Niveau. In der Regel dreimal ist der Gleisbauzug, der die Messdaten zuvor eingespielt bekam, im Einsatz. Dann muss es auf den Millimeter passen.

    Bei Hitze wäre das Schweißen schwierig

    Damit ist die Arbeit noch nicht zu Ende: So sind die Weichen an die Leit- und Sicherungstechnik anzuschließen. Auch nicht trivial gestaltet sich das Verschweißen der Schienenstücke: Weil sich der Stahl bei Hitze ausdehnt und bei Frost zusammenzieht, sollte das idealerweise bei Temperaturen knapp über 20°C erfolgen. Die Erleichterung ist zu spüren, dass die Hitzewelle erst einmal der Vergangenheit angehört.

    Dem unbefangenen Betrachter ist eines klar geworden: Selbst eine eher kleine Bahn-Baustelle erfordert viel spezielle Ausrüstung und vor allem präzise Planung und Abstimmung der Gewerke. Anders als beim Straßenbau lässt sich im Falle unvorhergesehener Ereignisse der Zeitraum kaum verlängern. Am Bahnhof Kißlegg scheint es geklappt zu haben. Laut DB-App fuhren die Züge von und nach Aulendorf bereits in der Früh wieder, auch einige Male pro Tag als Verlängerung Richtung Wangen bzw. Leutkirch.

    Weiter Ersatzverkehr Richtung Memmingen und Lindau

    Auf der Strecke Memmingen-Lindau bleiben die Fahrgäste wegen weiterer Baumaßnahmen jedoch weiterhin vor allem auf den Ersatzverkehr mit Bussen angewiesen. Was einer Lehrerin aus Wangen vor der Rückfahrt am späten Vormittag großes Kopfzerbrechen bereitete: Schon auf dem Herweg musste sie die Kinder ihrer Klasse „in dem viel zu kleinen Bus stapeln“ und an der Haltestelle warteten noch weitere Fahrgäste. „Ein großes Lob den Busfahrern, die unter diesen Umständen die Nerven behalten.“

    Der Zug mit den vorgefertigten Weichen im Bahnhof Kißlegg ein. Um sie vor Ort zu montieren hätten Platz bzw. die Zeit gefehlt

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    Der Weichen-Transport von der anderen Seite her fotografiert.

    Vor den Schotterschichten wird die Planum-Schutzschicht aufgebracht

    Blick von der Straße nach Emmelhofen auf die Baustelle mit dem Schotterzug

    Der Spezialkran fährt in den Bahnhof ein,

    Der Kran hebt die auf Schwellern monierte Weiche an.

    Die Weiche wird an ihren Platz gefahren.

    Der Zwei-Wege-Bagger – erkennbar am Räderwerk – bereitet den Einsatz des Gleisbauzugs vor.

    Mit bloßem Auge erkennbar: Das neue Gleis lieg ein paar Zentimeter zu tief. Gleich kommt der Richt -und Dichtzug zum Einsatz.

    Seit Montagmorgen wieder weg: Das bei der Bahn gebräuchliche „Durchfahrt verboten“ (auf der Einfahrt aus Leutkirch).

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    Ulli Stark
    veröffentlicht am
    20.07.2026
    Lesedauer: ca. 5 Minuten
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