
Burgrieden-Rot. Das Gebäude des Museums Villa Rot in Burgrieden ist 1912 als klassizistisch beeinflusste Jugendstilvilla erbaut worden. Umgeben von einem idyllischen Park zeigt das Museum jährlich drei Wechselausstellungen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen der Gegenwartskunst beschäftigen.
Die aktuelle Ausstellung „Verbindungen“ präsentiert Werke des Malers und Zeichners Fritz Klemm, seiner Tochter und Fotografin Barbara Klemm sowie seiner ehemaligen Schülern an der Karlsruher Akademie, den Bildhauern Franz Bernhard und Voré. Zur Eröffnung anwesend waren auch die Fotografin Barbara Klemm, der Künstler Voré sowie die Leihgeber der Kunstwerke von Professor Franz Bernhard, Andreas und Stefan Schell von der Andreas C.H. Schell-Stiftung. Die konstruktive Auseinandersetzung von Künstlerin, Künstler und Leihgeber habe diese Ausstellung möglich gemacht, freute sich Dr. Sabine Heilig, Direktorin des Museums Villa Rot, bei der Ausstellungseröffnung.
Fritz Klemm wurde mit Caparol-Bildern und Interieurmotiven bekannt. Er war Leiter der Werkklasse an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Nach Beendigung seiner Lehrtätigkeit 1970 entstanden monochrome Papierarbeiten und Collagen. In seinen Papierarbeiten kombinierte Fritz Klemm experimentierfreudig meist mehrere Techniken. Häufig benutzte er zur Grundierung des Papiers Caparol, ein synthetisches, körniges Bindemittel. Zum Collagieren nahm er unterschiedliche Papiersorten, zerschnitt ältere Arbeiten und setzte sie wieder neu zusammen. Er ritzte in das noch feuchte Papier oder machte lammellenartige Schnitte, um räumliche Effekte zu erzielen.

Der Bildhauer Franz Bernhard begann nach einer Schreinerlehre schon während des Studiums mit Holz und Eisen zu arbeiten. Er verwendete, anders als in der klassischen Bildhauerei üblich, hölzerne Fundstücke, die er additiv zusammenfügte. Besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmete der Künstler den Verbindungen dieser Teile. Sein durchgängiges Werkthema ist der menschliche Körper.
Voré hingegen ist auch als Installations- und Medienkünstler bekannt. Bei ihm bildet die Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur ebenfalls den künstlerischen Ausgangspunkt. Seine aus Sandstein geschaffenen Motive können als Körperteile wahrgenommen werden. Gleichzeitig erinnern sie aber auch an architektonische Formen oder Archäologisches. Voré hingegen nennt sein Werk „keine Archäologie“, da er sich nicht nur auf diese Assoziation beschränken will. Bei dem Sandstein handelt es sich um den hellen, beinahe hautfarbenen Baumberger Sandstein, der eine ebenmäßige Struktur aufweist. Seine Formen werden oft auch in Kombination mit Zeichnungen, raumbezogen arrangiert.
Klemms Tochter, Barbara Klemm, arbeitete viele Jahre als Fotografin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ihre Reportagefotografien, die ruhig und konzentriert auf den entscheidenden Augenblick ausgerichtet sind, gingen als Ikonen um die Welt. Ihre Werke sind schwarz-weiß. Wie sie selbst sagt, ist schwarz-weiß Farbe genug. Eines ihrer berühmtesten Motive ist das Bild des sich umarmenden und küssenden Leonid Breschnew und Erich Honecker aus dem Jahr 1979. In der Ausstellung zu sehen sind unter anderem Schwarz-Weiß-Fotografien auf Barytpapier aus der Serie James Turrell, Roden Crater. 2004 besuchte Barbara Klemm James Turrells grandioses Land-Art-Projekt Roden Crater in Arizona.
Die Wertschätzung, die sie ihrem Gegenüber entgegenbringt, spiegelt sich auch in den Werken ihres Vaters und denen von Franz Bernhard und Voré wider. Gemeinsam ist allen das Interesse am Dasein, die intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen und die Unverwechselbarkeit ihrer Werke. Diese Verbindungen geben der Ausstellung ihren Namen.
„Verbindungen – Franz Bernhard, Barbara Klemm, Fritz Klemm, Voré“ im Museum Villa Rot in Burgrieden-Rot. Ausstellungsdauer bis 20. September
Autorin: Nicola Gebhart
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Wertschätzende Verbindungen






