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Stiller Protest und die Botschaft aus dem Malhintergrund: Frauen vor Verpackungsteilen von Waschmittel, Allzweckreiniger und Windeln.

Bad Saulgau – Klopapierverpackungen, Supermarktkartons, Ahoj-Brause, Feinwaschmittel: Danielle Zimmermann malt nicht auf klassischer Leinwand. Ihre Bilder entstehen dort, wo der Konsum seine Spuren hinterlässt. In der Ausstellung „Reuse me.“ (Benutze mich noch einmal) zeigt die Städtische Galerie Fähre in Bad Saulgau bis zum 13. September rund 150 Arbeiten der in Hechingen geborenen und in Stuttgart arbeitenden Künstlerin.

Galerieleiterin Alexandra Karabelas bleibt mit dieser Ausstellung ihrem Kurs treu. Sie wolle, sagt sie, „einen deutlichen Fokus auf die Präsentation weiblicher Positionen in der Kunst einbringen“. Dazu passt diese Ausstellung besonders gut. Zimmermann arbeitet mit weiblichen und männlichen Rollenvorstellungen auf den Überbleibseln der Warenwelt.

Als Malhintergründe dienen Kartonagen, Plastikverpackungen und andere Fundstücke aus der Wegwerfgesellschaft. Durch kreatives Zusammenstückeln und Bearbeiten schafft sie Brücken zwischen Alltag und Kunst. So entstehen überraschende Zusammenhänge, die zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln anregen. Frauengestalten in Posen zwischen kraftlosem und resigniertem Protest setzt Zimmermann auf Hintergründe mit Aufdrucken von Feinwaschmittel, Allzweckreiniger, Küchenutensilien und Windeln. Neben dem adretten Matrosenjungen auf der Ahoj-Brause-Verpackung erscheinen zwei lässige Marinetypen im Unterhemd, die Hände in den Hosentaschen. Klassische erotische Kunstmotive werden parodiert, wenn Zimmermann sich etwa selbst in der Badewanne inszeniert — mit schwarz-rot-goldener Perücke und künstlichen Brüsten.

Danielle Zimmermann in der Pose ihres Modells (neben ihrem Modell). Auch das Performance-Kostüm von Danielle Zimmermann bei der Vernissage stammt aus Second-Hand-Läden.

Werbesprüche auf Verpackungen für Toilettenpapier wie „Happy End“ oder „Soft“ erscheinen auf den Porträts zunächst zufällig. Beim zweiten Blick aber wirken sie, als gehörten sie genau dorthin – oft in ironisch-provozierendem Zusammenhang.

„Verdichtung von komplexer Realität“ nennt das Dirk Lenz, Philosoph, Literaturwissenschaftler und Ehemann der Künstlerin. Das klingt zunächst nach Theorie. In aller Farbigkeit aber hinterfragt die Künstlerin in ihren Werken jede Menge: tradierte Rollenbilder, das Konsumverhalten und unseren Umgang mit unseren Ressourcen. Sie setzt dabei nicht auf den pädagogischen Zeigefinger, sondern auf Ironie, Zuspitzung und den zweiten Blick, für den bisweilen eine Lupe nützlich ist.

So wird Upcycling in dieser Ausstellung zur künstlerischen Methode. Weggeworfenes bekommt ein zweites Leben und damit eine zweite Bedeutung. Aus Texten auf Verpackungen werden Kommentare, aus Konsumkritik Bildwitz und aus Alltagsmaterial Kunst, die nachdenklich macht.

Parodie auf ein klassisches erotisches Doppelbildnis aus dem 16. Jahrhundert mit künstlichen Brüsten.  Fotos: Rudi Multer

Auch die Galerie selbst bleibt nicht unberührt. Im Kreuzgang, einst ein Ort eher stiller Bewegung im ehemaligen Kloster, ließ Danielle
 Zimmermann Werke zum Thema Auto und Motor hängen. Auf der gegenüberliegenden Seite setzte Galerieleiterin Alexandra Karabelas mit Frauenporträts aus dem Depot der Fähre ein Kontrastprogramm.

Danielle Zimmermann wurde 1974 in Hechingen geboren. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und von 2002 bis 2003 mit einem Stipendium am renommierten Pratt Institute in Brooklyn. Die Ausstellung in der Fähre ist als „Midlife-Retrospektive“ angelegt, als Gesamtschau ihres bisherigen Schaffens und zugleich als persönliche Bilanz. Neben ihrer künstlerischen Arbeit im Atelier unterrichtet Zimmermann Kunst an einem Gymnasium.

„Reuse me.“ zeigt, dass gerade Weggeworfenes viel über uns erzählen kann – über Konsum, Rollenbilder und den Wert dessen, was wir vorschnell aussortieren.

Autor: Rudi Multer


erschienen in Juli 2026

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