
Biberach – Mitte Mai wurde die neue Dauerausstellung in Christoph Martin Wielands Gartenhaus eröffnet. Das werte Publikum war entzückt.
Der berühmteste Sohn der Stadt Biberach begrüßte die Gäste selbst, die zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung ins Komödienhaus gekommen waren, wo 1761 erstmals Shakespeares „Sturm“ in deutscher Sprache aufgeführt wurde, übersetzt von Wieland. KI-generiert hieß Christoph Martin Wieland das Publikum willkommen, bevor sich OB Norbert Zeidler, Vorstandvorsitzender der Wieland-Stiftung , unter deren Dach sich das Wieland-Museum und das Wieland-Archiv befinden, an die Gäste wandte.
„Wir müssen neu darüber nachdenken, wie wir unsere Kultur vermitteln“, befand Zeidler in seiner launigen Rede, teilweise gespickt mit vom Aussterben bedrohten Wörtern. Darüber hatte sich Kuratorin Dr. Kerstin Bönsch und ihr Team viele Gedanken gemacht und präsentierte nun das Ergebnis. Der Dichter, Übersetzer und Journalist Christoph Martin Wieland (1733-1813) war für eine Zeit lang der meistgelesene und bestbezahlte deutsche Autor des 18. Jahrhunderts. Dass er heute noch aktuell ist, betonte Prof. Dr. Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach, Leiter der Arbeitsstelle der literarischen Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, die die neue Dauerausstellung mit rund 60.000 Euro gefördert hat. Den gleichen Betrag hat die Stadt Biberach beigetragen, Spenden kamen von der Stiftung BC der Kreissparkasse und der OEW. Das Gartenhaus sei ein Ort der Inspiration und mache die Ideen im Zeitalter der Aufklärung lebendig.

Davon konnten sich die Gäste wenig später vor Ort überzeugen. Im Eingangsbereich wird der bereits erwähnte KI-generierte Wieland nach dem Vorbild eines 1768 gemalten Ölbildes zum Sprechen gebracht. Direkt daneben liegt das „Café 1800“, der Schlüsselraum der Ausstellung. Ein Ort des Verweilens, Lesens und des Gesprächs. An den Wänden Kupferstiche von Wielands Zeitgenossen, auf den zierlichen Tischen Menükarten mit Infos zu deren aufklärerischen Ideen. Daneben Bücherfächer mit Wielands Werken und weiterführenden Literatur. Die passende Tapete wurde eigens in Barcelona angefertigt. Im Erdgeschoss befinden sich eine kleine Küche zur Selbstbedienung mit Kaffee und Tee und ein Museumsshop. Im Obergeschoss fahrbare Möbel zu vier thematischen Bereichen, einer goldenen Zitatenspur auf den Fensterbänken, zwei Hörstationen an einem literarischen Nähkästchen. Und viele originelle Ideen, die „unseren Genius“ (OB Zeidler) als Vertreter der Aufklärung, als Journalist und Herausgeber des „Teutschen Merkur“ und als Shakespeare-Übersetzer näherbringen sowie seine Beziehung zur ersten deutschen Bestseller-Autorin Sophie von LaRoche beleuchten. Im Séparée dürfen Besucher an einem Schreibtisch Platz nehmen und eigene Notizen hinterlassen. Ein geistreiches Eröffnungsfest für eine rundum gelungene Ausstellung!
INFO: Die neue Dauerausstellung, die die bisherige Schau von 2009 ablöst, ist geöffnet seit 21. Mai bis 1. November 2026 jeweils Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro Schüler:innen und Student:innen frei. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
www.wieland-museum.de
Autorin: Andrea Reck
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