Zum Hauptinhalt springen
Barocklandschaft im Nebel mit Blick auf die Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Gottesberg in Bad Wurzach. Foto: OTG

Entlang der Oberschwäbischen Barockstraße gibt es vieles zu bewundern und zu bestaunen, insbesondere eine Fülle sakraler Pracht, die bei genauerer Betrachtung profane Macht demonstriert. Nach Reformation, Bauernkrieg (1524 – 26) und 30-jährigen Krieg (1618 – 48) wurde von Rom ausgehend architektonisch gezeigt, wie der Himmel auf Erden aussieht. Fantastisch! Es diente dem Glauben an die Macht der katholischen Kirche.

Wer daran zweifelt, sollte sich das Fresko in der großen zentralen Kuppel der Basilika Ottobeuren anschauen: die „Ecclesia triumphans“, die siegreiche Kirche, zeigt Maria vor einem Triumphbogen. Statt das nüchterne Wort der Bibel zu verkünden, wie es Luther verlangte, setzte die katholische Kirche auf Prunk und Schönheit, auf Herrlichkeit und die Macht der Sinne. Barock ist großes Kino: „Gottes Theater“. Immer noch und erst recht für die barocken Zeitgenossen, die Bauern und Handwerker, die im Alltag ohne Kunst auskommen mussten, war die Pracht überwältigend und im Diesseits ein Vorgeschmack auf das himmlische Reich im Jenseits. Und wer das bieten konnte, war mächtig und verdiente Gehorsam.

Der Aufstand der Bauern war anno 1526 schrecklich gescheitert, die Ungerechtigkeit war geblieben. Und bei aller Bewunderung des barocken Glanzes darf nicht vergessen werden, dass der immense Reichtum in den Klöstern und Schlössern der Ausbeutung des „gemeinen Mannes“ (Peter Blickle) geschuldet war. Aber die vielen Großbaustellen brachten auch viel Arbeit, wovon Oberschwaben profitierte, das wegen der Vielzahl an vermögenden Klöstern sich zur Barocklandschaft wandelte (siehe Oberschwäbische Barockstraße). In unglaublichem Tempo entstanden prächtige Kirchen, wie die Basilika in Weingarten, die in purer Handarbeit zwischen 1715 und 1724 fertig gestellt wurde. Oder die „schönste Dorfkirche der Welt“ in dem kleinen Bauerndorf Steinhausen, das zum Kloster Schussenried gehörte, und wo die opulente Wallfahrtskirche St. Peter und Paul zwischen 1728 und 1731 in nur drei Jahren erbaut wurde. Die Weihe des Meisterwerks von Dominikus Zimmermann und seinem Bruder Johann Baptist Zimmermann fand im Jahr 1733 statt. Der Bauherr Abt Didacus Ströbele vom Prämonstratenser-Kloster Schussenried hatte sich allerdings übernommen, er verlor wegen der horrenden Kosten Amt und Würden. Das Himmelreich auf Erden kostete höllisch viel Geld. So waren auch die Herren von Montfort völlig pleite, als ihr Schloss in Tettnang endlich bezugsfertig war.

Die Oberschwäbische Barockstraße erstreckt sich auf vier Routen. Neu hinzugekommen ist ein Abstecher nach Vorarlberg, wo das Barockbaumeister-Museum in Au und das Klostertal-Museum in Wald die Geschichte von den wandernden Handwerkern erzählen, die den Barock über Grenzen hinweg geprägt haben. Von dort zogen im Frühjahr ganze Heerscharen an Handwerkern und Gehilfen mit Sack und Pack nach Norden ins Oberschwäbische und weiter, um dort die Prachtbauten zu erstellen. Über den Winter kehrten sie heim. Es waren diese Meister – mit ihren Spezialisten darunter Stuckateure und Freskenmaler unterstützt von örtlichen Handwerkern und unzähligen Handlangern –, die als Bauunternehmer den bombastischen Baurausch erst möglich machten. Und was damals pure Schinderei war, ist heute glanzvolle Geschichte. Einfach fantastisch!

INFO: Der Barock (von port. barroco für „unregelmäßige Perle“) ist eine europäische Kulturepoche, die etwa von 1600 bis 1750 dauerte. Sie folgte auf die Renaissance und ging der Aufklärung voraus. Gekennzeichnet ist die Zeit durch Prunk, starke Emotionen, monumentale Architektur sowie tiefe Gegensätze zwischen Lebenslust und Todesfurcht.

Die Schrecken des 30-jährigen Krieges, Seuchen und Armut, führten zu einer extremen Zerrissenheit in der Gesellschaft. Dies spiegelte sich in oft gegensätzlichen Motiven, die zwischen dem Bewusstsein der Vergänglichkeit und des Todes (Memento Mori) sowie der Aufforderung, den Tag zu nutzen und das Leben zu genießen (Carpe Diem), variierte.

Autor: Roland Reck


erschienen in August/September 2026

NEUESTE BLIX-BEITRÄGE

Glaube und Macht

Entlang der Oberschwäbischen Barockstraße gibt es vieles zu bewundern und zu bestaunen, insbesondere eine Fülle sakraler Pracht, die bei genauerer Betrachtung profane Macht demonstriert. Nach Reformation, Bauernkrieg (1524 – 26) und 30-jährigen Krieg (1618 – 48) wurde von Rom ausgehend architektonisch gezeigt, wie der Himmel auf Erden aussieht. Fantastisch! Es diente dem Glauben an die Macht der katholischen Kirche.
August/September 2026
Urlaub Dahoim
ANZEIGEN
August/September 2026
Urlaub Dahoim
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.