Tiefrote Zahlen und hoffnungsvolle Worte

Bad Wurzach – Es ging auf 22 Uhr zu, als die bittere Zahl genannt wurde: Mit drei Millionen Euro Verlust ist für das laufende Jahr 2026 beim Städtischen Kurbetrieb zu rechnen. Als diese Zahl von Stefan Spieler, dem Leiter der Finanzabteilung beim Kurbetrieb (neuerdings feelMOOR Gesundresort GmbH), ausgesprochen wurde, ging kein Raunen durch die Reihen der Gemeinderäte: Denn sie wussten schon Bescheid. In etlichen nichtöffentlichen Sitzungen und zuletzt im Kurbetriebsauschuss am 5. Oktober war die dramatische Schieflage des Städtischen Kurbetriebes klar benannt worden.
War man bei der Aufstellung des Wirtschaftsplanes für 2026 von einem Verlust von 1,54 Millionen Euro ausgegangen, so hatte der jüngste Kassensturz ergeben, dass in den acht Monaten Januar bis August 2026 bereits ein Abmangel von exakt 1,987.619 Millionen € aufgelaufen war. Hochgerechnet auf das Jahr ist nun mit einem Verlust von 3 Millionen € zu rechnen. Und das, nachdem man das Jahr 2025 mit einem Minus von 2,4 Millionen € abgeschlossen hatte.
Stefan Spieler erläuterte in der Gemeinderatssitzung am Montagabend die Kur-Malaise mit etlichen Tabellen. So hat man für 2026 inzwischen die Erwartungen bei den Kurmittelleistungen von 1,027 Millionen € auf 820.000 € zurückgeschraubt. Und die Erträge aus dem Hotel- und Gastrobetrieb werden jetzt nur noch mit 4,2 Millionen € veranschlagt; bei der Aufstellung des Wirtschaftsplanes – beschlossen vom Gemeinderat am 26. Januar 2026 – war man von 5,6 Millionen € ausgegangen; ein Minderertrag von 1,4 Millionen €.
Woran liegt das? An der stark rückläufigen Bettenbelegung. Dieses Kernproblem benannte der neue Kurgeschäftsführer Daniel Huck im Gespräch mit der Bildschirmzeitung unmissverständlich, freilich ohne den rückläufigen Grad der Belegung der 149 Betten zu beziffern. Es versteht sich von selbst: Sind die Betten leer, wird auch in der viel gelobten FeelMOOR-Gastronomie nichts verzehrt. Die Abwärtsspirale ist da, und sie konnte vom alten Management nicht durchbrochen werden.
Die Lage sei noch verschärft worden durch nicht erwartete Instandhaltungszwänge. Stefan Spieler nannte das Problem beim Namen: „Es ist ein altes Gebäude.“
Seit 1. Oktober ist der neue Kurgeschäftsführer nun da. Und er genießt viele Vorschusslorbeeren. Bürgermeister Florian Schiller, qua Amt ebenfalls Geschäftsführer, betonte das vertrauensvolle Miteinander mit Daniel Huck und zeigte sich sehr angetan von dessen zupackendem Wesen. Huck zeige eine starke Präsenz und habe schon an etlichen Stellschrauben gedreht.
Zum Millionenverlust sagte Schiller, dass nun „hoffentlich die Talsohle“ erreicht sei. Er rügte die viel zu optimistischen Planansätze des alten Managements, von dem niemand mehr im Amte sei. Klar bekannte sich Schiller zu Sanierung statt Abwicklung. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Es müsse allerdings ein neues Geschäftsmodell entwickelt werden. Dass der Turnaround nicht über Nacht gehe, auch daran ließ Florian Schiller, als früherer Insolvenzverwalter mit vielerlei Sanierungsproblematiken vertraut, keinen Zweifel. Auch im Jahre 2027 seien „keine Gewinne“ zu erwarten, aber „sicherlich keine Verluste in dieser Höhe“.
„Die Mitarbeiter sind bereit“
Auch Daniel Huck ergriff das Wort. Er lobte die Belegschaft, 160 Personen, keine 160 Stellen, da vielfach in Teilzeit gearbeitet werde. Die Mitarbeiter hätten eine gute Mentalität, seien motiviert, bereit, „den Weg mitzugehen“. Huck gebrauchte in diesem Zusammenhang den Ausdruck „Schrei nach Führung“, was als indirekte Kritik am alten Management verstanden werden konnte. Und deutlich machte, dass er willens ist, kraftvoll zu führen.
Dass die Kehrtwende nicht ohne zusätzliches Geld aus der Stadtkasse zu schaffen ist, auch daran ließ Huck keinen Zweifel. „Ohne Investitionen geht es nicht.“ Die Restrukturierung nannte der Geschäftsführer eine „Operation am offenen Herzen“. Dass sie gelingt, davon zeigte er sich überzeugt. „Wir schaffen das.“ Alle im Team gäben „Vollgas“.
Stimmen der Räte
Aus dem Kreis der Räte kamen zuversichtliche, wohlwollende Äußerungen. Kein Blick zurück im Zorn. Bernhard Schad von den Freien Wählern begrüßte den neuen Kurgeschäftsführer mit einem „herzlich willkommen“. Man sei sehr ernüchtert wegen der roten Zahlen, für die Daniel Huck nicht verantwortlich sei. Man wolle nicht mehr in die Vergangenheit schauen, sondern mit Zuversicht nach vorne. „Wir sind froh, dass Sie da sind. Wir gehen davon aus, dass Ihr Sanierungsplan funktioniert.“ Zugleich forderte Schad ein stetiges Informiertwerden ein. In 100 Tagen wolle man eine erste Richtungsanzeige bekommen.
„Was wäre Bad Wurzach ohne den Kurbetrieb?“, sagte Franz Josef Maier von „MirWurzacher“. Der Kurbetrieb sei ein „wesentlicher Baustein“ im Tourismus der Kurstadt. Die Kosten einer Schließung seien höher als die der Sanierung. Die Weichen seien richtig gestellt. Jetzt müssten alle an einem Strang ziehen.
Rainer Deuschel (Die Grünen) sagte, man sei „nach dem Kennenlernen von Herrn Huck optimistisch“. Dieser sei ein Fachmann, der „die Dinge ändern kann“. Man habe „drei Jahre einer dramatischen Verschlechterung“ erlebt. Solche Verluste seien „nicht hinnehmbar“ und schadeten dem allgemeinen Haushalt der Stadt, der andere kommunale Aufgaben zu erfüllen habe.
Emina Wiest-Salkanovic von der CDU sagte: „Wir haben den 1. Oktober herbeigesehnt.“ (Dienstantritt von Kurgeschäftsführer Daniel Huck / Anm. d. DBSZ-Red.) Endlich komme Ordnung in den Betrieb. „Wir setzen alles in Sie, Herr Huck.“
Der Nachtrag in Höhe von anderthalb Millionen Euro zum Ausgleich der laufenden Verluste im Kurbetrieb wurde einstimmig beschlossen.
Gerhard Reischmann
Siehe nachstehend den Kommentar „Die letzte Patrone“







