Der TOP 10 der Gemeinderatssitzung am 12. Oktober hatte es in sich: Nachtrag zum Wirtschaftsplan 2026 des Städtischen Kurbetriebes – so war die Sitzungsvorlage überschrieben. Nachtrag: Das heißt, es ist außerplanmäßig Geld nachzuschießen.
Nun also drei Millionen! Drei Millionen allein für das Jahr 2026. Die Hälfte eingestellt in den regulären Haushalt, die zweite Hälfte im Wege des Nachtrages.
Von 1,54 Millionen € Verlust für das Wirtschaftsjahr 2026 des Kurbetriebes war man ausgegangen – nach den 2,40 Millionen Miese in 2025.
1,54 Millionen nach 2,40 Millionen – das hätte eine gewisse „Verbesserung“ bedeutet. Hätte vielleicht so etwas wie eine Trendwende angedeutet.
Doch die Realität ist eine andere: Beim Kassensturz für die ersten acht Monate 2026 (Januar bis einschließlich August) ergab sich ein Abmangel von 1,99 Millionen Euro. Hochgerechnet auf das Jahr ist nun mit einem Verlust von 3 Millionen Euro zu rechnen.
Das muss die Stadtkasse ausgleichen.
Jetzt stemmt sich ein Neuer gegen die Talfahrt. Er macht einen guten Eindruck. Wirkt energisch. Aber er ist kein Wunderheiler. Den Turnaround schafft keiner über Nacht. Für die Gesundung des Kurbetriebes braucht es Zeit. Diese Zeit muss man ihm – dem Betrieb, dem Betriebsführer – geben.
Das städtische Kurwesen ist eine hochsensible wirtschaftliche Angelegenheit. Da ist oft Nichtöffentlichkeit geboten. Kann man verstehen.
Dennoch sei an das Transparenz-Versprechen des Wahlkämpfers Florian Schiller erinnert. Zu gegebener Zeit muss man der Bürgerschaft reinen Wein einschenken. Darauf hat der Steuerzahler Anspruch.
Von außen betrachtet, sieht die Schieflage des Städtischen Kurbetriebes hochdramatisch aus. Zweieinhalb bis drei Millionen Euro Verlust pro Jahr – das ist inakzeptabel. Aus informierten Kreisen war zu erfahren, dass eine Schließung des Kurbetriebes mit Abwicklungs- und Folgekosten in Höhe von zehn bis zwölf Millionen veranschlagt wird. Wenn die Talfahrt nicht gestoppt werden kann, dann wäre diese teure Schließung die billigere Lösung.
Alle Optionen kommen auf den Tisch, hatte es im Wahlkampf geheißen. Schließung, das muss man offen aussprechen, ist eine davon.
Alle hoffen, dass es dazu nicht kommt, dass der Turnaround gelingt. Geben wir dem neuen Geschäftsführer – Zeit. Werden wir nicht ungeduldig, auch wenn im nächsten Jahr noch einmal ein erheblicher Verlust anfallen wird. Dass damit zu rechnen ist, das hat Bürgermeister Schiller unverblümt ausgesprochen.
Der Kurbetrieb ist die DNA Bad Wurzachs, sagte Stadtrat Rainer Deuschel von den Grünen. Gehört zum ältesten Moorbad des Landes wie das Ried und der Blutritt.
Bad Wurzach ohne Ried und Ritt ist nicht vorstellbar. Ein Ende des Kurbetriebs aber ist nicht mehr undenkbar.
Der Kurbetrieb muss eine Schwarze Null erreichen. Zumindest in die Nähe derselben kommen. Dafür sind noch einmal Investitionen notwendig.
Noch einmal investieren, ein letztes Mal Geld reingeben – dieser Seufzer war in der Vergangenheit wiederholt zu hören.
Auch die Bad Wurzacher können etwas für ihren Kurbetrieb tun. Herzlich lud Daniel Huck die hiesige Bürgerschaft ein, die Leistungen des örtlichen Gesundheitsresorts FeelMOOR mit Therme und Gastronomie in Anspruch zu nehmen.
In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass diese Leistungen am Ort viel zu wenig bekannt sind.
Nun also erleben wir den allerletzten Anlauf zur Sanierung des Bad Wurzacher Kurbetriebes. Zugespitzt gesagt: Huck hat die letzte Patrone.
Gerhard Reischmann






