Bad Wurzach – Zwei Brass-Bands, ein Ziel: Die beiden großen Brass-Bands aus der Region, die Brass Band Oberschwaben-Allgäu und die Brass Band A 7 wollen bei den Deutschen Meisterschaften für Brass Bands in knapp zwei Wochen in Augsburg den Titel holen. Da kam es beiden recht, ihren Leistungsstand bei der Brass-Gala in Bad Wurzach unter Life-Bedingungen zu überprüfen. Das Publikum im Saal des Torfstechers jedenfalls fand das eine sehr gute Idee.
Unter dem Dirigat von Bernd Reifer
Die Brass Band Oberschwaben Allgäu unter ihrem Dirigenten Bernd Reifer eröffnete ihren Konzertteil mit Through the Flames von Paul Lovatt Cooper. Bei der Band sind viele hierzulande bekannte Gesichter dabei: Etwa Jo Weiss, der langjährige Dirigent des MV Arnach an der Solo-Posaune. Oder Klaus Wachter, sein Haidgauer Pendant am Bariton. Klaus Merk am Solo-Euphonium, der bei vielen blasmusikalischen Formationen – u.a. die Oberschwäbischen Dorfmusikanten, die am kommenden Sonntag wieder an gleicher Stelle gastieren werden – seine hohe Musikalität unter Beweis stellt. Mit Markus Elser am Cornet, Tubist Siegfried Hermann und Schlagzeuger Markus Krattenmacher sind weitere Musiker dabei, die man am kommenden Sonntag wieder live erleben kann. Leben, ja das war beim Eröffnungsstück der Band auf jeden Fall drin, das nicht nur dem Dirigenten Bernhard Reifer den vollen Körpereinsatz abverlangte.
Gleich als zweites Stück brachten die Frauen und Männer um Vorstand Harald Stumpp mit Inner Citadel von Geert Jan Kroon das Pflichtstück bei der Meisterschaft am 16. Oktober zu Gehör, das extra dafür von dem holländischen Komponisten, Dirigenten und Musik-Journalisten inspiriert von den Stoiker Meditationen des römischen Heerführers Marc Aurel, geschrieben wurde.
In dem speziell für Brass-Band geschriebenen Stück The Raid aus dem Jahre 2014 beschreibt der Schweizer Komponist Oliver Waespi einen bürgerkriegsähnlichen Kampf aus dem 14. Jahrhundert in seiner Heimat. Die musikalische Umsetzung mit seinen treibenden Rhythmen und auch seinen getragenen Melodien war das Selbstwahlstück, mit dem die Band bei der Meisterschaft ihre Kür bestreiten wird.
Mit dem in mehrfacher Hinsicht „Quick-March“ Jubilee! von Paul Dury wollten die Musiker ihren Programmteil beenden. „Kaum angefangen ist er auch schon vorbei“, so charakterisierte Harald Stumpp das rasante Tempo des Marsches. Völlig klar, dass danach das begeisterte Publikum nach einer Zugabe gierte.
Mit einem Pop-Klassiker als Zugabe – zur Entspannung – verabschiedete sich die Brass Band Oberschwaben Allgäu von der Bühne: Bei „I want to break free“ von Queen zeigten die Musiker noch einmal den vollen Dynamik-Umfang einer Brass-Band. Zuvor verwies Vorstand Harald Stumpp die Brass-Fans noch auf ein ganz besonderes Konzert, das die Brass Band Oberschwaben Allgäu am 31.10.2026 in Obereisenbach bei Tettnang mit Ernst Hutter, dem Nachfolger von Ernst Mosch und langjährigen Leiter der Egerländer Musikanten spielen werden.
Unter dem Dirigat von Thomas Wolf
Die Brass-Band A7 wird geleitet von Thomas Wolf, den meisten Brass-Fans auch bekannt von den Auftritten von „Verstehen Sie Brass?“ aber auch als musikalischer Leiter vieler anderer Formationen.
Mit Fire away von Harry Kirk stiegen die Musikerinnen und Musiker der Brass-Band A7 in ihren Programmteil ein.
Als dann Thomas Wolf danach, wie die Brass Band Oberschwaben Allgäu, als zweites Stück ebenfalls das Wettbewerbs-Pflichtstück Inner Citadel von Geert Jan Kroon ankündigen wollte, regte sich Widerstand bei den Musikern. „Das hätte ich dann schon gleich gemerkt,“ erklärte Wolf lakonisch, der als einziger die falschen Noten auf seinem Pult aufgelegt hatte.
Stattdessen gab es „Equilibrium“ ebenfalls von Paul Lovatt Cooper, dem Komponisten mit dem die Brass Band Oberschwaben Allgäu ins Konzert gestartet war. Interessant war, dass es bei diesem Konzert mehrere Überschneidungen im Programm der beiden Bands gab: Neben dem Pflichtstück für den Wettbewerb, das beide Bands natürlich bis zum Abwinken geprobt hatten, gab es zwei Stücke vom bereits erwähnten Komponisten Lovatt-Cooper. Und auch – soviel sei schon verraten – bei der Zugabe griff der musikalische Leiter der A7 auf ein Queen- Stück zurück.
Dann gab es also auch von der A7 das rund 15 Minuten dauernde Pflichtstück über die innere Festung des Marc Aurel. Wem welche Version besser gefallen haben sollte, da baten die musikalischen Leiter das Publikum um Diskretion.
Um das Publikum nicht nach dem für alle Beteiligten nervenaufreibenden Stück direkt nach Hause schicken zu müssen, gab es noch mit „The Witch oft he Westmerlands von Archie Fisher ein Stück zum Herunterkommen. Wolf sprach dafür dem Publikum ein großes Lob aus, denn: „Inner Citadel ist nicht nur eine Herausforderung beim Spielen, sondern ebenso für das Publikum beim Zuhören.“
Eben dieses hatte nach diesem „Stück für einen schönen Nachhauseweg“ noch lange nicht genug. Deswegen gab es als Zugabe: Fat bottomed Girls, ebenfalls aus der Feder von Freddie Mercury und Queen. Ein Stück, das vor allem den Posaunen einen Riesenspaß gemacht hat, die sich dabei so richtig austoben konnten.
Dass es in den Reihen des Publikums noch einige Lücken gab, war ein wenig schade: Immerhin zählen die beiden Brass Bands zu den Besten in ganz Deutschland. Und vielleicht darf sich eine von beiden nach dem übernächsten Wochenende mit dem Titel „Deutscher Meister“ schmücken.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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