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Bad Waldsee – Schülerinnen und Schüler aller Waldseer Schulen einschließlich Jugendmusikschule waren am Samstagmorgen (9.5.) zusammengekommen, um den Europatag auch aus ihrer Sicht zu feiern oder sich zum europäischen Einigungswerk zu bekennen. Und sie taten dies höchst eindrucksvoll und überzeugend. Sehr zahlreich waren auch Freunde aus Bâgé und Bad Elster, unseren Partnerstädten, zugegen. Der Festplatz an Axel Otterbachs Europabrückenbogen füllte sich rasch mit Waldseern und ihren Gästen. Viele genossen die Feier stehend, die Sitzplätze wurden voll genutzt. Den musikalisch gelungenen Auftakt gestalteten die Schüler, unter ihnen die Violinpädagogin Salome Hänsler. Es erklang die erste Europa-Hymne, die bekannte Eurovisionshymne! Und am Schluss die Nationalhymne und die Beethoven’sche Europahymne. Oberbürgermeister Matthias Henne, Bürgermeister Olaf Schlott aus Bad Elster, Bürgermeister Bertrand Vernoux aus Bâgé, Sonja Wild für den Bad Waldseer Gemeinderat – sie alle würdigten den Europa-Gedanken, die gelungene Völkerverständigung und Aussöhnung nach dem Krieg und riefen die Jugend dazu auf, weiter am Haus Europa zu bauen. Nachstehend Bilder und ein ausführlicher Text von Peter Lutz, der den großen Tag Bad Waldsees – den 9. Mai 2026 – für die Bildschirmzeitung „Der Waldseer“ begleitet hat. Am 9. Mai wurde das Triple-Jubiläum gefeiert: 1100 Jahre Ersterwähnung, 600 Jahre Historisches Rathaus, 70 Jahre „Bad“. „Der Waldseer“ hat schon mehrfach berichtet. Hier nun der Bericht über den Morgen des 9. Mai, als der Europa-Gedanke gefeiert wurde, der sich in Bad Waldsee in den Partnerschaften mit Bâgé und Bad Elster konkretisiert.

Geschenke Bad Waldsees an die Freunde aus Bâgé (links) und Bad Elster (rechts).

Die Bad Waldseer Partnerschaftsstele.

Die am Grabenmühlplatz errichtete Bad Elster-Stele.

Die Stele zu Ehren von Bâgé.


Bürgermeister Olaf Schlott aus Bad Elster.

Stephanie Ferrier, Feuerwehrkommandantin aus Bâgé.

Stephanie Ferrier überreichte ihrem Bad Waldseer Amtskollegen Alois Burhardt eine hohe Auszeichnung.

Arianna Florea singt „Heal the world„.

Bassistin von der Jugendmusikschule.

Ein Schüler trägt seinen Wunsch an Europa vor.

Stern „Frieden“ aus der Europafahne.

Stern „Vielfalt“ aus der EU-Fahne.

Junge Musiker und Sänger.

Der OB mit seiner Startnummer im Lauffieber am 16. Mai. 926 – das ist das Jahr der Ersterwähnung Bad Waldsees.

Dank an Pfarrer Stefan Werner für seine erhörte Bitte bei Petrus um gutes Wetter (hier mit zwei Ministranten).


Stehend wird der National- und der Europa-Hymne gelauscht.

Die Zeitkapsel-Stele.
„Wir mussten noch Lire und Schilling eintauschen“
Oberbürgermeister Matthias Henne freute sich über die Energie und europäische Begeisterung, die von den Schülern zu spüren war. Ist doch Europa auch musikalisch, jung und lebendig. Henne zu den Schülern: Europa ist mehr als nur Straßburg und Brüssel. „Als ich noch Schüler war, mussten wir für Urlaubsreisen noch Lire und Schilling tauschen. Es gab noch Grenzkontrollen und Handy wie Ihr hatte ich noch nicht. Grenzen merkt Ihr heute nicht mehr, Europa funktioniert eher im Hintergrund. Dass wir heute so friedlich und freundschaftlich mit Gästen zusammen sind und feiern, ist das Ergebnis mutiger Entscheidungen vor über 60 Jahren. Am 9. September 1962 stand der französische Staatspräsident Charles de Gaulle vor deutschen Jugendlichen und hielt seine berühmte Rede an die Jugend. Er und Konrad Adenauer besiegelten die deutsch-französische Aussöhnung, die für euch heute selbstverständlich ist“, so Henne.
„Völkerverständigung beginnt in den Köpfen und Herzen“
De Gaulle sagte, Völkerverständigung beginne nicht in Verträgen, sondern in Köpfen und Herzen der jungen Menschen! Dazu weiter der Oberbürgermeister: Völkerverständigung ist Austausch, Respekt und das Versprechen, nie wieder Mauern zu bauen, sondern Brücken. „Und deshalb feiern wir am Grabenmühlplatz, wo der EU-Brückenstein ist. So wie die Steine sich gegenseitig stützen, so brauchen auch wir einander. Ihr seid die Generation für offene Grenzen, eine gemeinsame Währung, so selbstverständlich wie das Smartphone in Eurer Tasche, mit dem Ihr weltweit verbunden seid. Überall in Europa könnt Ihr lernen, arbeiten und leben und Ihr habt Freunde in Bâgé, Bad Elster und an vielen Orten in Europa.“
Henne ging dann auf die Triple-Feier der Kurstadt ein. Waldsee sei in seinen 1100 Jahren stets dann am stärksten gewesen, wenn Brücken gebaut wurden und dort, wo Menschen aufeinander zugingen. Unsere Zukunft liege also in einem geeinten Europa. Unser Beitrag dazu ist die Freundschaft mit Bâgé und Bad Elster. So ist auch dieser Platz hier und wir selbst Europa. Abschließend freute sich das Stadtoberhaupt auf Gedanken der Schüler zu Europa und auf ihre musikalischen und gesanglichen Beiträge. Natürlich freue er sich auch auf die Beiträge der Bürgermeister Bertrand Vernoux und Olaf Schlott und der Gemeinderätin Sonja Wild.
Beiträge der Schüler
Arianna Florea von der Eugen-Bolz-Schule schritt mutig ans Mikrofon und sang tief berührend Michael Jacksons „Heal of the World‘. Ein Gymnasialschüler trug seine Visionen eines freien und friedlichen Europa vor, in dem er sich respektvoll gemeinsam austauschen und bewegen möchte. Unterstrichen wurde das von zwölf Schülern, die auf jedem der zwölf Sterne der Europafahne ihre Ideen und Wünsche hören und lesen ließen. Danach gab es einen vielstimmigen Schülerchor mit instrumentaler Begleitung. Eine hier uraufgeführte Komposition „Europa ist unser Traum, unser Lieblingsort und Lebensraum“ wurde von Musiklehrer Hans-Georg Hinderberger vorgetragen.
Ein Schwibbogen aus Bad Elster
Das Festprogramm setzten nun Vertreter aus den Partnerstädten und der Gemeinderat fort. Olaf Schlott aus Bad Elster begrüßte alle anwesenden Freunde und Gäste. Es sei für ihn eine große Ehre, im Rahmen des Europatages und der Jubiläumsfeiern Bad Waldsees hier sein zu dürfen. Er gratulierte Bad Waldsee anerkennend zu seinen bedeutenden drei Meilensteinen. Auch die vor 36 Jahren entstandene Partnerschaft sei nun Teil der Geschichte Bad Waldsees. „Bad Waldsee erwies sich insbesondere in den ersten Jahren unserer Verbindung als verlässlicher und unterstützender Partner und bot uns Rückhalt, was bis heute in dankbarer Erinnerung bleibe. Mittlerweile ist unsere Verbindung auch zwischen den Menschen gewachsen und mit Leben erfüllt. Schlott erinnerte an das 2024 gefeierte 700-jährige Jubiläum Bad Elsters, zu dem als bleibendes Zeichen der Freundschaft eine Bank aus Bad Waldsee vor dem Rathaus der Stadt aufgestellt wurde. Sie lädt mit den Worten „Komm, hock na“ zum Verweilen ein. Auch aus Bad Elster gebe es hier nun ein sichtbares Zeichen unserer engen Verbundenheit, es ist der „Bogen der Freundschaft“. Es ist ein Schwibbogen, typisch für die erzgebirgig-vogtländische Weihnachtstradition, liebevoll gestaltet mit Waldseer Motiven. „So möge unser adventliches Brauchtum auch nach Bad Waldsee getragen sein.“ Unsere Geschichte möchte Olaf Schlott gerne mit Bad Waldsee gemeinsam fortschreiben mit neuen Ideen, Begegnungen und gemeinsamen Erinnerungen. „Unsere Partnerschaft möge weiter Impulse und aktiv gestalteten Austausch schenken.“ Er freue sich auf viele neue wertvolle und bleibende Momente, jetzt aber erst auf eine schöne Zeit hier in Bad Waldsee.
„Unsere Verbindung ist ein Stück Europa“
Auch Bürgermeister Vernoux aus Bâgé begrüßte alle hier Versammelten, insbesondere aber die Bad Waldseer Freiwillige Feuerwehr. Er freute sich über den wie immer so herzlichen Empfang. Obwohl unsere Gemeinden viele Kilometer und eine Grenze voneinander trennen, sind wir mit tiefer Freundschaft verbunden, die inzwischen durch Austausch, Begegnungen und gemeinsamen Erinnerungen gefestigt wurde. Die deutsch-französische Freundschaft ist in die Zukunft gerichtet. Unsere Länder konnten zueinander finden und dauerhaften Frieden schließen. Diese mutige Entscheidung ist doch ein Vorbild für die ganze Welt, sagte der Bürgermeister. Unsere Freundschaft ist von hoher Bedeutung. Sie begann mit einem Schüleraustausch und erweiterte sich dann über Sportvereine, Kulturvereine und natürlich auch über unsere Feuerwehrleute. Es entstanden Freundschaften und Familien freuen sich darauf, sich wieder zu sehen. Trotz unserer Sprachbarriere verstehen wir uns und schätzen uns. Unsere Verbindung ist ein Stück Europa, einer Gemeinschaft von Völkern in einem Raum des Friedens, der Zusammenarbeit und der Solidarität. Dieses Europa wünschen wir uns und erfüllen es durch unsere Partnerschaft mit Leben. In einer Welt der Konflikte und Kriege gewinnt gerade die deutsch-französische Freundschaft ihren ganz besonderen Sinn. Austausche, Offenheit und gegenseitiges Vertrauen sind stets die besseren Wege. Unser Austausch ist auch eine Botschaft an die Jugend, wir zeigen ihr, dass Völkerfreundschaft gelingt und unerlässlich ist zum Aufbau einer gemeinsamen Zukunft. Mögen sich unsere Vorhaben und Austausche fortsetzen und erweitern. Dazu sollen unsere jungen Menschen Verantwortung übernehmen und Macher des Friedens und der Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft werden. Lassen wir diese schöne Verbindung weiterhin mit Leben erfüllen und stärken. Wir danken herzlich für diese schöne Freundschaft mit Bad Waldsee! Vive l’amitié franco-allemende, vive Bad Waldsee et vive l’Europe!
Hohe Auszeichnung für Stadtbrandmeister Alois Burkhardt
Damit war aber der französische Beitrag überhaupt nicht beendet. Es gab noch ein äußerst hohes Zeichen der Verbundenheit mit Bâgé! Die französische Kollegin der Feuerwehr, Stephanie Ferrier, bat ihren Waldseer Kollegen Stadtbrandmeister Alois Burkhardt auf die Bühne. Sie berichtete, sie habe den nationalen französischen Feuerwehrverband gebeten, ihren hochverdienten deutschen Kollegen mit der Ehrenmedaille des französischen Feuerwehrverbandes auszuzeichnen. Sie selbst habe diese Auszeichnung noch nicht, nur sehr Wenige bekommen sie. Überraschenderweise stimmte der Feuerwehrverband diesem außergewöhnlichen Anliegen zu! Die Kommandantin zeichnete Burkhardt nun unter großem Applaus der Anwesenden mit der Medaille aus! Der nahm sie strahlend entgegen. Dabei erhoben sich alle Sitzenden respektvoll.
Für den Gemeinderat sprach Sonja Wild
Für den Gemeinderat ergriff Sonja Wild, die Erste Bürgermeisterstellvertreterin, das Wort. Die Freunde aus Bâgé und Bad Elster begrüßte sie herzlich zum speziellen Bad Waldseer Jubiläum und zum Europatag. Die gewachsene Städtepartnerschaft sei ein wertvolles Zeichen für Zusammenhalt, gegenseitigem Respekt und gelebte Freundschaft über Grenzen hinweg. Sie ist eine wunderbare Gelegenheit, voneinander zu lernen, kulturelle Vielfalt zu erleben und persönliche Begegnungen zu ermöglichen. Mit unseren Jubiläumsfeiern blicken wir nicht nur in unsere Geschichte zurück, sondern würdigen insbesondere auch unsere Freundschaften mit dem Canton de Bâgé und Bad Elster mit lebendigem Miteinander, getragen von der europäischen Einigungsidee. Unsere Verbindungen sind weit mehr als formelle Vereinbarungen zwischen Städten. Sie leben durch Begegnungen, durch Schüleraustausche, durch Vereinskontakte, kulturelle Veranstaltungen und persönliche Freundschaften. Gerade in diesen Zeiten seien Städtepartnerschaften ein starkes Zeichen für ein geeintes und friedliches Europa. Sonja Wild dankte allen Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen, den Schülern und der Stadt für das vorbildliche Engagement zugunsten unserer Partnerschaften. Sie seien das Herz der europäischen Idee hier vor Ort. Lassen Sie uns diesen Weg weiter gemeinsam gehen. Mögen unsere Verbindungen auch künftig wachsen und von gemeinsamen Erlebnissen, Projekten und persönlichen Kontakten geprägt sein, forderte Sonja Wild.
Die Stelen und die Zeitkapsel
Oberbürgermeister Henne sprach anschließend über die neben dem Europabrückenstein errichteten Stelen in Würdigung der Partnerschaften mit Bad Elster und Bâgé. Auch über die am Ende des Jubiläumsjahres daneben einzubringende Zeitkapsel informierte er. Man solle festhalten, was uns Heutigen wichtig ist und was vielleicht den Bürgern des Jahres 2126 wichtig sein könnte oder sollte.
Der OB hat die Startnummer 926
Eine weitere Überraschung gab es bezüglich des am kommenden Samstag stattfindenden Lauffiebers. Die Organisatoren berichteten, auch Oberbürgermeister Matthias Henne sei unter den gemeldeten Teilnehmern! Damit das schon jetzt seine Richtigkeit habe, habe man Henne bereits eine Startnummer zugeteilt, es ist, wen wundert‘s, die Startnummer 926, das Jahr der Ersterwähnung Waldsees und Reutes!
Nationalhymne und Europa.-Hymne
Die Europafeier wurde dann mit der von den Schülern begleiteten Nationalhymne fortgesetzt. Ein grandioser Höhepunkt war dann die Interpretation der offiziellen Europa-Hymne, der Ode an die Freude (Melodie von Ludwig van Beethoven, Text von Friedrich Schiller), in der alle Menschen Brüder werden! Tief beeindruckt dankte Henne für diesen besonderen Beitrag und lud alle Schüler zu einer Kugel Eis ein. Anschließend versammelte man sich auf der autofreien Bleiche zur aus Menschen gezeichneten Zahl 1100. Christof Rauhut hielt die menschliche 1100 per Drohne im Bild fest.
Text und Fotos: Peter Lutz

































