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    Ausstellung in der „kleinen galerie“ in Bad Wladsee

    Die Zartheit und Schwerelosigkeit in Jochen Warths Stahlskulpturen

    Foto: Peter Lutz
    Eine der derzeit in der „kleinen Galerie“ im Haus am Stadtsee ausgestellten Arbeiten von Jochen Warth.
    veröffentlicht am: 21.07.2026
    Autor: Peter Lutz
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    Bad Waldsee – Die „kleine galerie“ unter der Leitung Axel Otterbachs präsentiert jeweils im Sommer Skulpturen, wobei stets auch eine Arbeit des ausgestellten Künstlers im Außenbereich gezeigt wird. Mit 23 Arbeiten zeigt Jochen Warth wie bekanntermaßen schweres Material berührende Leichtigkeit und Weite eröffnen kann. In seiner Begrüßung wies Otterbach auf die weit verbreitete Skepsis oder gar Intoleranz insbesondere gegenüber Metallarbeiten im öffentlichen Raum hin. Die „kleine galerie“ aber sei öffentlicher Raum, in dem unvoreingenommen ein Dialog zwischen Kunst und Betrachter stattfinden könne.

    Galerieleiter Axel Otterbach (Bild) in Kunst auch verschiedene Funktionen: Sie sorge dafür, dass wir die Schönheit der Welt sehen und schätzen, Kunst könne mit Bildern auch Trauer ausdrücken, mit denen wir uns selbst wiederfinden, und Kunst bringe uns dazu, unsere eigenen Gedanken und Ideen zu vervollständigen.

    Der Künstler und sein Laudator musizierten

    Dr. Jürgen Mack (links) und Jochen Warth haben den Blues.

    Die Vernissage der Jochen Warth-Ausstellung erfolgte musikalisch umrahmt vom Laudator Dr. Jürgen Mack und vom Künstler selbst. Das Duett nennt sich JJ Blues Train. Warth spielt die Blues Harp, Mack Gitarre und Gesang. Beide berichteten darüber, welche Rolle Musik, insbesondere der Blues, beim Entstehen von Arbeiten spiele. Warth zum Beispiel erzählte, wie man mit Musik spontan etwas loswerden könne; Musik sei viel aggressiver als beispelsweise das Schweißen an den Arbeiten. Musik inspiriere und führe zurück zum Schaffen. Dabei spiele sogar Hund Rudi eine Rolle, wie im kleinen Gespräch mit den beiden zu erfahren war. Zu Gehör brachten sie herrlichen Südstaatenblues mit drei Titeln: „Love in vain“, „Sweet smile of the crocodile“ und „Down in Mississippi“. Zu Macks Stimme fehlt eigentlich nur noch die dunkle Hautfarbe! Warth und Mack seien auf der kunstschaffenden Ebene verbunden, mehr noch aber durch den Blues, den sie leidenschaftlich spielen. Geprobt werde in Warths Werkstatt, also da, wo seine Werke entstehen. Somit sei Mack Zeuge eines oft sehr langen Entstehungsprozesses, der ihm ganz eigene Einblicke ermögliche.

    Warths Arbeiten begannen mit dem erdverbundenen rostenden Eisen hin zum Stahl und weiter zum silberglänzenden Edelstahl. In den hier gezeigten Werken werden die Gegensätze dieser Materialien eingefangen. Warth versehe übrigens seine Arbeiten weder mit Titeln noch mit Jahreszahlen. Letzteres könnte nämlich mit altem „Gruscht“ in Verbindung gebracht werden, meint der Künstler. Mack erläuterte die langwierigen Entstehungsprozesse seiner Stahlskulpturen vom Modell zur vorgesehenen Dimension. Auch das akribische Zusammenfügen von Teilen, das bei großen Arbeiten oft meterlange Schweißarbeiten erfordere, wurde beschrieben. Bei Skulpturen aus Eisen werden Flächen mit Säuren behandelt, damit der fast an ein Mausfell erinnernde samtige Überzug entsteht.

    In der Ausstellung sind hauptsächlich neuere Werke Warths zu sehen, die die erwähnte Zartheit bzw. Schwerelosigkeit verbreiten. Darin sehe Mack eine Energie, die den Betrachter in Bann ziehe und auf eine Reise in Raum und Zeit mitnehme. Vor uns dehnen sich diese Arbeiten quasi aus. Wiederum andere verharren in einer konzentrierten meditativen Stille. Warths fast fanatische Präzision führe zur nicht immer einfachen, aber stets eleganten Lösung, ein Ergebnis von Geduld und Reduktion aufs Wesentliche, eben wie auch im Blues, so Mack.

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    Laudator, Künstler, Objekte

    Für Jochen Warth sei auch das Aufstellen seiner Arbeiten entscheidend. Gewollte Gesamteindrücke und Gedanken des Betrachters dürfen durch keine Hindernisse gestört werden. So müssen die Dinge beim Aufstellen auch aufeinander reagieren, fordert der Künstler. Eben dies sei die letzte Phase seiner künstlerischen Arbeit. Beim Betrachten der ausgestellten Arbeiten ist genau dies unübersehbar. Mack vertiefte das mit einem Hinweis, den er von einem Künstlerkollegen erhielt. Da sei auch von einem „geisterhaften“ und doch sichtbaren Gefährten der Skulpturen die Rede, nämlich von ihrem Schatten! Diese seien zu den Arbeiten gehörende „flüchtige Graphiken“, wodurch Dreidimensionales mit Zweidimensionalem zwillinghaft verbunden werde. Mack verwies schließlich auf mögliche Wirkungen und Assoziationen, die beim Einlassen auf Warths Exponate entstehen können oder sollen. Wohl könne man auch darüber staunen, dass es in diesen so unruhigen Zeiten noch Ruhepole gebe, die bitter notwendige Erholung schenken.

    Die von Besuchern zu bewegenden Skulpturen.

    Mit einem kleinen „I-Tüpfelchen“ brachte Laudator Jürgen Mack (Bild) die zahlreichen Gäste noch zum Schmunzeln. Er las aus Wilhelm Busch die Geschichte vom Maler Klecksel vor, in der Busch sich übers Entstehen, Betrachten und Bestaunen von Werken während Vernissagen lustig macht. Macks Einführung aber auf die Exponate in der „kleinen galerie“ regte die Gäste sichtlich an. An einem der Exponate konnte jeder probieren, wie zwei Skulpturen miteinander wirken oder wie sie dem Betrachter am besten liegen. Auch im kleinen Gespräch mit den beiden konnte Zusätzliches erkannt oder erfahren werden!

    Bis 30. August

    Die Ausstellung ist bis 30. August in der „kleinen galerie“ zu sehen.

    Text und Fotos: Peter Lutz

    Etliche Fotos von Warths Objekten in unserer Bildergalerie

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    Peter Lutz
    veröffentlicht am
    21.07.2026
    Lesedauer: ca. 5 Minuten
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