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Bad Waldsee – Das Licht flirrte durch die Blätter des Tannenbühls, warf helle Flecken auf den Waldboden und tauchte den Platz rund um die Wildgehege in ein angenehmes Wechselspiel aus Sonne und Schatten. Zwischen den Bäumen waren Biertischgarnituren aufgestellt, auf den Tischen standen kleine Heidepflanzen, dazu gab es Brezeln und Getränke. Und als die Jagdhornbläsergruppe aus Bad Waldsee mit ihren jagdlichen Weisen den Nachmittag musikalisch eröffnete, war schnell klar: Einen passenderen Ort für die Eröffnung der neuen „Gletscherspuren“ hätte man kaum finden können.

Die von den Gletschern geformte hiesige Landschaft wird nun durch acht neue Themen-Wanderwege erschlossen.
Hier, im Tannenbühl, mitten im Wald und in der Landschaft rund um Bad Waldsee, gibt es landschaftliche Spuren, die sehr viel älter sind als jeder Wanderweg. Vor rund 12.000 Jahren formte der Rheingletscher die oberschwäbische Landschaft. Jetzt laden acht neu zertifizierte Premium-Wander- und Spazierwanderwege dazu ein, diese Landschaft zu Fuß zu entdecken.

Gruppenbild mit Zertifikat: Die Bürgermeister der beteiligten Städte und Gemeinden und ihre Tourismusschaffenden freuen sich über das gelungene Projekt. Unser Bild zeigt von Links Matthias Henne, Sarah Baur, Volker Restle, Vanessa Siegert, Stefan Fulner, Tanja Gapp, Matthias Burth, Jochen Becker, Mirella Bachmann Harald Sievers, Michael Reichle, Vanessa Stoof und Rovena Giesin.
Im Tannenbühl wurde mit dem 11,9 Kilometer langen „Eiszeitweg“ der Bad Waldseer Weg offiziell eröffnet. Zugleich war die Veranstaltung der Auftakt für die neuen „Gletscherspuren“ in insgesamt fünf Kommunen der Landkreise Ravensburg und Sigmaringen. Dabei ist jeder Weg anders: In Illmensee laden die „Uferrunde“, der „Kantenlauf „ und der „Höchste“ zum Wandern ein. Horgenzell ist mit dem „Tobelerlebnnis“ vertreten, Aulendorf mit dem Niedermoorpfad. In Mengen-Ennetach führen die „Römer Tour Ennetach und die „Fronholzweible Tour Ennetach“ durch die Landschaft. Bad Waldsee steuert mit dem „Eiszeitweg“ die längste der acht Touren bei. Die Strecken reichen von 4,6 bis 11,9 km.
Ein langer Weg bis zur fertigen Gletscherspur
Landrat Harald Sievers machte in seiner Eröffnungsansprache deutlich, dass hinter den acht neuen Wegen ein langer und durchaus anspruchsvoller Prozess steckt. Fünf der Wege liegen im Landkreis Ravensburg, drei im Landkreis Sigmaringen. Insgesamt, so Sievers, seien rund 55 Kilometer zertifizierte Wanderwege entstanden, ergänzt durch zahlreiche Rastmöglichkeiten und eine besonders klare Beschilderung. Gerade für die Sicherheit und Orientierung der Wanderer sei erheblicher Aufwand betrieben worden.
Der lange Zeitraum der Planung habe mit der Komplexität des Projekts zu tun, erklärte der Landrat. Am Anfang standen Machbarkeitsstudien, aus denen sich zahlreiche Potenziale für neue Premiumwanderwege ergaben. Anschließend musste auf die einzelnen Kommunen zugegangen, Möglichkeiten ausgelotet und gemeinsam konkrete Wege entwickelt werden. Am Ende blieben die fünf Kommunen übrig, in denen die neuen „Gletscherspuren“ nun Wirklichkeit geworden sind.
Sievers verwies dabei auch auf einen Unterschied zum bereits bestehenden Wanderwegenetz. Wer den bekannten gelben Wanderzeichen folge, brauche häufig zusätzlich eine Karte, um zu wissen, wo genau er sich befinde. Die Premiumwege dagegen hätten einen klar definierten Anfang und ein klares Ende – genau das, was viele Wanderer suchten.
Für die Zukunft wünschte sich der Landrat deshalb weitere Nachahmer und zusätzliche attraktive Wanderwege. Eine wichtige Grundlage für die Umsetzung der „Gletscherspuren“ war die LEADER-Förderung, über die das Projekt mit 60 Prozent unterstützt wurde.
„Wandern ist wichtig für den Tourismus“
Oberbürgermeister Matthias Henne begrüßte die Gäste anschließend im Tannenbühl, dem beliebten Naherholungsgebiet der Stadt. Einen besonderen Dank richtete er an Stadtförster Martin Nuber und den früheren Leiter des Bereichs Wirtschaft, Tourismus und Kultur, Walter Gschwind. Gschwind hatte bereits vor Jahren die Idee ins Gespräch gebracht, dass Bad Waldsee einen eigenen Premiumwanderweg brauche. Wandern sei schließlich ein wichtiger Bestandteil des Tourismus und bringe zugleich einen Mehrwert für die Menschen vor Ort.

Fachleute unter sich: Wanderführer Peter Lutz, Vordenker Walter Gschwind, Macher Stadtförster Martin Nuber und Vorgänger Kurt Nold.
Sarah Baur von der Bad Waldseer Tourist-Information stellte anschließend den Bad Waldseer „Eiszeitweg“ vor. Besonders abwechslungsreich sei die Strecke, erläuterte Bauer: Mal führt sie am Waldrand entlang, dann wieder hinauf über einen Moränenrücken, von dem sich schöne Ausblicke bieten. Immer wieder geht es dabei unmittelbar auf den Spuren jener Eiszeit weiter, die das heutige Landschaftsbild geprägt hat.
Zertifikate für fünf Kommunen
Ein weiterer Höhepunkt der Eröffnung war die Übergabe der Zertifizierungsurkunden durch Jochen Becker vom Deutschen Wanderinstitut.
Becker erinnerte daran, dass den heutigen Premiumwegen umfangreiche Untersuchungen vorausgingen. Dr. Rainer Brenner hatte sich bereits vor vielen Jahren gemeinsam mit Studenten mit der Frage beschäftigt, was Wanderer von einem besonders guten Wanderweg erwarten. Daraus entwickelten sich die Kriterien, nach denen Premiumwege heute bewertet werden. Dazu gehören unter anderem eine abwechslungsreiche Wegeführung, Naturnähe, gute Orientierung und eine entsprechende Infrastruktur.
Das erste Zertifikat ging an Bad Waldsee, vertreten durch Oberbürgermeister Matthias Henne und Sarah Baur. Es folgten Mengen-Ennetach mit Tanja Gapp und Stadtförster Stefan Fulner, Aulendorf mit Bürgermeister Matthias Burth und Mirella Bachmann, Horgenzell mit Bürgermeister Volker Restle mit Vanessa Siegert sowie Illmensee mit Bürgermeister Michael Reichle und Vanessa Stoof. Damit sind nun alle fünf beteiligten Kommunen offiziell Teil des neuen Premium-Wegenetzes.
Vier Jahre Arbeit – und Corona dazwischen
Wieviel Arbeit hinter den neuen Wanderwegen steckt, wurde anschließend durch Rovena Giesin vom Landratsamt deutlich. Sie hatte die Planung über die gesamte Projektlaufzeit begleitet und ließ die Entstehungsgeschichte noch einmal Revue passieren.
Von den ersten Überlegungen über Machbarkeitsstudien und die Abstimmung mit den Kommunen bis hin zur konkreten Umsetzung sei es ein langer und nicht immer einfacher Weg gewesen. Auch die Corona-Zeit habe die Arbeiten zusätzlich erschwert. Umso größer sei nun die Freude darüber, dass die Wege tatsächlich fertiggestellt und zertifiziert seien.
Mit dem Gletschermodell auf Zeitreise
Bevor die Gäste den neuen Wanderweg schließlich unter ihre Schuhe nehmen konnten, übernahm Petra Wolz von der Stadtverwaltung Bad Waldsee den naturkundlichen Teil.
Anhand zahlreicher Schaubilder und eines Gletschermodells erläuterte sie anschaulich, wie der Rheingletscher vor rund 12.000 Jahren die oberschwäbische Landschaft formte. Was heute wie eine ganz normale Landschaft aus Wäldern, Wiesen, Anhöhen und Senken erscheint, ist damit zugleich ein Geschichtsbuch der letzten Eiszeit.
Anschließend ging es vom Tannenbühl hinaus auf den neuen Eiszeitweg. Bei der geführten Wanderung konnten die Teilnehmer unmittelbar erleben, was zuvor auf den Schaubildern zu sehen gewesen war: eine Landschaft, deren Formen und Besonderheiten bis heute von den gewaltigen Eismassen vergangener Zeiten erzählen.
Und so wurde aus der Eröffnung der „Gletscherspuren“ weit mehr als ein weiterer Wandertermin. Die neuen Wege verbinden Bewegung, Naturerlebnis und Landschaftsgeschichte – und laden dazu ein, Oberschwaben einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu entdecken.

Unter der Linde.

Der Weg ist klar markiert. In diesem Fall führt wohl der Hund sein Herrchen.

Da kann man nicht falsch gehen.

Petra Wolz erklärt die Entstehung der Oberschwäbischen Landschaft in der Eiszeit.

Rovena Giesin erzählt von der aufwändigen Vorarbeit zu den Gletscherwegen.

Jochen Becker vom Deutschen Wanderinstitut bei der Übergabe der Zertifikate.

Sarah Baur erläutert den Eiszeitweg.

OB Matthias Henne als Gastgeber der Eröffnungsveranstaltung.

Harald Sievers, Spiritus rector der Premium-Wanderwege.

Sie sorgten für den richtigen Ton: Jagdhornbläsergruppe.

Sarah Baur mit Ex-Chef Walter Gschwind.

Ausblick vom Eiszeitweg.

Ausblick vom Eiszeitweg.
Text und Fotos: Erwin Linder

































