Zum Hauptinhalt springen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
    Unser Reporter Peter Lutz berichtet vom Konzert am 26. April

    Unterhaltsames Frühlingserwachen mit dem Musikverein Tannhausen

    Foto: Peter Lutz
    Ein Teil des etwa 20-köpfigen Ensembles. Zweite von links – am Sax – ist Ortsvorsteherin Margit Zinser-Auer.
    veröffentlicht am: 08.05.2026
    Autor: Peter Lutz
    Lesedauer: ca. 8 Minuten

    Aulendorf – Der nun fast vierzig Jahre alte Musikverein Tannhausen spielte traditionell vor Ostern sein Jahreskonzert. Heuer aber gab es stattdessen einen heiteren Unterhaltungsabend zur Begrüßung des Lenz im Aulendorfer Hofgartensaal erst Ende April. Den zahlreichen Konzertbesuchern wurde wieder ein anspruchsvolles Musikprogramm präsentiert, das Dirigent Siegfried Fürst zusammengestellt hatte. Vorsitzender Lars Kesenheimer kündigte in seiner Begrüßung vollen Einsatz seiner 20 Musikerinnen und Musiker an. Man sei heute in Hochform, so wie der FC Bayern gegen Real Madrid. Er begrüßte insbesondere Helmut Heydt, den stellvertretenden Vorsitzenden des Blasmusikkreisverbandes und Bezirksvorsitzenden Schussen, sowie die Tannhauser Ortsvorsteherin Margit Zinser-Auer, die am Saxophon unter den Musizierenden war. Kesenheimer lud zum Mitsummen oder gar zum Mittanzen auf den Tischen ein! Humorvoll also begann es und ebenso ging es zur – musikalischen – Sache!

    Vereinsvorsitzender Lars Kesenheimer bei der Begrüßung.

    Die ersten beiden Titel waren ‚Die Regimentskinder‘ (Siegfried Rundel) und ‚Kleines Herz‘ (Christoph Gleichauf). Getanzt wurde zu den Regimentskindern nicht, dafür aber geklatscht. Den Bezug zu den Kindern stelle dieser Marsch dadurch her, dass darin immer wieder lustige Melodien/Motive zu hören sind. Bereits dieser Auftakt ließ keinen Zweifel an der angekündigten Hochform des kleinen, aber feinen Ensembles.

    Siegfried Fürst dirigiert.

    „Mir hond a baar Stickla probat“

    Vor dem Stück ‚Kleines Herz‘ erläuterte Moderator Marcus Pfeiffer (Bild) seine möglicherweise störende Moderation auf Hochdeutsch. Er werde daher all denen, die des Hochdeutschen nicht so ganz mächtig sind, am Ende eine schwäbische Zusammenfassung bieten. Die erste davon war so: „Schee, dass Sie do send, schee, dass mir do send. Mir hond a baar Stickla probat ond die spielat mir heit für eich – viel Schpaß!“

    Das „Kleine Herz“ ist eine klassische Polka mit einem schönen Motiv, das die Musizierenden vom hohen zum tiefen Blech und weiter zum Holz wandern ließen. Eine mitreißende Interpretation gelang den Tannhausern!

    Virtuoses Flötensolo

    Mit ‚Gesang der Lerche‘ (Miroslav Cisar) kam ein echtes Highlight zur Aufführung. In seiner Einführung bat Marcus Pfeiffer, sich doch die am frühen Morgen hochfliegende Lerche vorzustellen, die auch ganz weit oben den Überblick behalte, genauso wie unsere Kassiererin, die zwar nicht über Felder fliegt, aber den Überblick über unsere Finanzen behält. Beim Gesang der Lerche gehe es aber nicht um Finanzen, sondern um hohe und schöne Töne. Man möge sich nun auf die Solistin Silke Straßner und ihre hohen Flötentöne freuen. Fast tremoloartige Läufe spielte die Flötistin virtuos und führte das Publikum in die Weiten der Natur. Hochverdienten und lang anhaltenden Applaus erntete sie dafür, der sicher auch den übrigen Musikern galt.

    Silke Straßner an der Flöte.

    Es folgten zwei sehr unterschiedliche Polkas, ‚Augenblicke‘ (Martin Scharnagel) und ‚Fröhliche Gesellen‘ (Jörg Bollin). Augenblicke sei eine typisch böhmische Polka, in der wunderbar Flügelhorn und Tenorhorn ineinanderfließen, erläuterte Pfeiffer. Dagegen bringe die mährische Polka ‚Fröhliche Gesellen‘ wieder mehr Schwung und Tempo und sei schärfer und frecher. In der ersten Polka gefielen daher besonders das tiefe Blech und Saxophon, in der zweiten ging es flotter in allen Registern ab, was der Dirigent energisch von seinen Musikern forderte. Besonders gefiel der Schluss im tiefen Blech!

    Recht schwungvoll ging’s weiter mit einem ursprünglich aus Mexiko stammenden Volkslied, das seit den 50ern ein Evergreen ist. ‚La Bamba‘ (Ferenc Geiger) hieß der schnell und wohltuend ins Ohr gehende Titel. Das sehr populäre Motiv wurde authentisch interpretiert, wozu insbesondere Schlagwerk, Holzinstrumente und Posaunen beitrugen.

    Nach einer ersten Pause wurde es lateinamerikanisch mit der Big-Band-Nummer ‚Cuentame‘ (Adrian Falk). Gute Laune mit Groove verbreitete der Titel und endete mit einem tollen Finale.

    ANZEIGE

    Es folgte eine weitere Polka ‚Böhmischweicher Flügelhornklang‘ (Arno Hermann). Natürlich bewies

    das Flügelhornregister, aber auch die Trompeter, was sie drauf hatten und wurden so den Ansprüchen der Komposition mehr als gerecht!

    Titel aus den 1970ern

    Statt der gerade sehr populären ’80er-Kulttour‘ spielten die Tannhausener nun ‚Hits der 70er‘ (Kurt Gäble) und sogar das an die 60er erinnernde „In Memoriam Drafi Deutscher“ (Klaus Butterstein). Beide Stücke regten wieder zum Mitwippen oder Mitsummen an. Bei den 70ern waren Titel wie „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer, Mendocino und Anita zu genießen. Ganz besonders in der Drafi Deutschernummer „Marmor Stein und Eisen bricht“ war Mitsummen zu vernehmen.

    Silke Straßner geehrt

    Die im Programm angekündigte Ehrung übernahm Helmut Heydt; er hatte diesmal ein Heimspiel und müsse nicht wie sonst bockspät heimkommen, meinte er. Er ehrte natürlich ganz auf schwäbisch! Wenn von 80ern oder 90ern die Rede ist oder davon gespielt wird, denke man doch gleich an den jüngsten Musikverein im Kreis. Heydt dankte Siegfried Fürst für seinen Einsatz zugunsten dieses Vereins. Auch vom Kreisvorsitzenden Rudi Hämmerle ließ er grüßen. Zu ehren sei heute aber Silke Straßner für dreißigjährige Treue und vorbildlichen Einsatz, der weit über das Normale hinausgehe. Als Kassiererin werde sie der inzwischen vierfachen Buchführung gerecht. Und wenn irgendwo noch was zu erledigen sei, höre man von ihr stets, „des mach i no“!  Wenn Hilfe gebraucht wird, sei sie immer mit Herz und Leidenschaft zur Stelle. Sie ist unsere wunderbare Flötistin, aber auch für die Uniformen zuständig. Auch ihre Kompetenz in Sachen Wein sei für den Verein von unschätzbarem Wert! Hinzu kommt, dass sie auch ihren Sohn Jakob am Tenorhorn für den Verein gewinnen konnte. Ganz einfach gelte für Silke, bevor man überhaupt merkt, dass was klemmt, hat sie das bereits erledigt. Man könnte das doch „Silkemagie“ nennen, meinte Heydt. Anschließend verlas er die Ehrenurkunde und ehrte sie mit der Ehrennadel in Gold. Er selbst erhielt ein Weinpräsent, sicher ausgewählt von Silke. Sie wurde natürlich auch von Marcus Kesenheimer beglückwünscht und erhielt eine Hortensienpflanze.

    Silke Straßner erhielt aus der Hand von Helmut Heydt die Ehrennadel in Gold sowie die zugehörige Urkunde.

    Musikalisch ging’s weiter mit Highlights aus den 70ern. Gilbert O’Sullivan schuf das unvergessene „Matrimony“ und Paul McCartny schuf „Hey Jude“. Bekanntlich haben beide Titel etwas mit Ehe zu tun, der erste sieht darin die schönen emotionalen und freudigen Seiten, während der Beatles-Song ein wunderbarer Trost für Sohn Julian Lennon sein sollte, weil sich Vater John und Mutter Cynthia getrennt haben. Moderator Marcus Pfeiffer meinte, es sei okay, traurig zu sein, aber man müsse auch irgendwie weitermachen. Die dazu gehörige schwäbische Kurzfassung sparte sich Pfeiffer fortan. In ‚Matrimony‘ waren Posaunen die gelungenen Führungsinstrumente, die von Holz untermalt wurden. In ‚Hey Jude‘ spielte Marcus Pfeiffer selbst ein hervorragendes Posaunensolo. Und natürlich wurde insbesondere bei ‚Hey Jude‘ unüberhörbar mitgesungen. Beide Titel belohnte das Publikum mit begeistertem Applaus.

    Mit ‚Lisa‘ (Harald Seufert) war man wieder zurück in der Polka. Es war erneut eine böhmische, also weiche Polka, wie vom Moderator bereits erklärt. Flügelhorn, Posaune und Klarinette unterstrichen den warmen bzw. gesanglichen Charakter authentisch. ‚Late Night Trumpets‘ (Martin Scherbacher) schrieb das moderne Unterhaltungsstück gezielt für Trompetenregister. Im Sechsachtelrhythmus verströmten die Musiker damit eine gewisse Leichtigkeit, wie sie nun einmal zur Gattung Ünterhaltung gehört und eben auch zum angedachten Frühlingserwachen. Elemente aus der mexikanischen Volksmusik tragen ebenfalls zu diesem Gefühl bei. International blieb es auch mit dem letzten Stück ‚Eleni‘ (Bruce Fraser), das in den 90er Jahren ein Charthit war. Die darin enthaltenen ruhigen Passagen bspw. durch Klarinetten passten bestens zum Ausklang des Unterhaltungsabends mit dem Musikverein Tannhausen. Marcus Pfeiffer bedankte sich fürs Zuhören der Gäste und bestätigte, auch den Musikern habe der Abend großen Spaß gemacht.

    Seine Moderation beendete er mit dem Hinweis, wenn laut und lang applaudiert werde, gebe es vielleicht sogar noch eine Zugabe. Zuvor aber freute er sich über zwei Neue im Ensemble, Margit Pohl (Klarinette) und Kai Lemmle (Posaune) und dankte Jan Preilowski (Trompete) und Elisabeth Ruß (Klarinette) für ihre Aushilfe. Für sein „bombastisches“ Posaunensolo und für seine kurzweilige Moderation erhielt Pfeiffer ein Weinpräsent, sicher von Expertin Silke ausgesucht. Auch Siegfried Fürst wurde mit einem Geschenk geehrt. Und ein tatsächlich lauter und langer Schlussapplaus bewog die Musiker, eine Zugabe zu spielen. Es war ‚Good bye my love good bye.

    Man kann diesem kleinen, aber sehr feinen und ehrgeizigen, Verein nur wünschen, dass er weiterhin seine positiven Tugenden bewahrt und übernächstes Jahr ein stolzes vierzigstes Jubiläum feiern darf!
    Text und Fotos: Peter Lutz

    Weitere Bilder in der Galerie

    Anm. d. DBSZ-Red.: Die verspätete Veröffentlichung hat produktionsinterne Gründe. Sie geht nicht zu Lasten unseres Reporters, der zeitig geliefert hat. Die Redaktionsleitung hatte mit der Bürgermeisterwahl in Bad Wurzach alle Hände voll zu tun.

    ANZEIGE
    Peter Lutz
    veröffentlicht am
    08.05.2026
    Lesedauer: ca. 8 Minuten
    Beitrag teilen
    ANZEIGE
    ANZEIGE
    ANZEIGE
    Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
    ANZEIGE
    Neueste Beiträge
    Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
    ANZEIGE
    Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.