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Zum Kommentar „Wir haben es sie spüren lassen“ (DBSZ am 13. August)
Sehr geehrter Herr Reischmann,
Sie haben sicherlich recht mit einigen Ihrer Anmerkungen, aber nicht alles, was in der DDR Ihrer Meinung nach gut war, war finanzierbar. Das von Ihnen so gelobte SERO-System konnte in der DDR nur deshalb bestehen, weil die DDR dringend Devisen brauchte und viele der gesammelten Wertstoffe ins westliche Ausland verkaufte. In einem normalen System wäre das völlig unwirtschaftlich gewesen. Viele Betriebe existierten nur, weil einfach Vollbeschäftigung herrschen musste, egal was das kostete. Unter anderem das hat, neben den Protesten der Bevölkerung, zum Zusammenbruch der DDR geführt. Das ist alles bekannt und gut dokumentiert.
Womit Sie jedoch recht haben, ist die Tatsache, dass wir im Westen die Lebensleistungen und Lebensentwürfe der DDR-Bürger nicht entsprechend gewürdigt haben. Das fällt uns jetzt auf die Füße.
Völlig falsch ist jedoch Ihre Aussage: Nichts ist gut in Deutschland. Ich weiß nicht, was dieser polemische Satz soll, wollen Sie damit Leser aus dem extremen Rand der Bevölkerung anlocken?
Es liegt sicher einiges im Argen in Deutschland, aber wir leben in relativem Wohlstand, im Frieden, in Freiheit und in einer funktionierenden Demokratie. Auch wenn manche dieser Dinge insbesondere durch eine Partei vom rechten Rand bedroht werden. Dieser Partei sollten wir nicht durch solche Aussagen wie den Ihrigen noch das Wort reden.
Heribert Streubel, Bad Wurzach
Anm. d. DBSZ-Red.: Der Verfasser des Kommentars möchte seinen, zugegeben, sehr zugespitzten Satz „Nichts ist gut in Deutschland“ konkretisieren:
Gesundheitswesen: marode
Rentensystem: marode
Bildung: eines Industrielandes und einer Kulturnation unwürdig
Verteidigung: unfähig
Brücken: kaputt
Bahn: zu spät
Post: unzuverlässig
Staatsfinanzen: bald überschuldet
Industrie: im Abbau, teilweise auf der Flucht
Natürlich sehe ich, dass wir „in relativem Wohlstand, im Frieden, in Freiheit und in einer funktionierenden Demokratie leben“, wie Herr Streubel schreibt. Und dass all dies bedroht ist. Die Ursachen muss man klar benennen: Demografie und Migration. Das sind die zwei Hauptbelastungsfaktoren für unsere Volkswirtschaft und damit unser Staatswesen.
Ich möchte die DDR keineswegs verklären. Bautzen, die Mauertoten, das Eingesperrtsein, die Einparteien-Herrschaft, die Zensur, die Überwachung, Bespitzelung, die ökonomische Misere, die gesellschaftliche Atmosphäre …
Meine Glosse war ein Versuch zu ergründen, warum der Osten unzufrieden ist und deshalb dort die AfD so stark ist. Und da meine ich: Wir haben viel falsch gemacht.
Ein Kommentar möchte in knappen Worten Meinung transportieren. Gewinnende Argumentation gelingt durch Vereinfachung und Überzeichnung. Ich hatte bei der Formulierung des besagten Satzes gezögert, wissend, dass er Widerspruch herausfordert. Und ich würde ihn nicht mehr schreiben. Aber in der Sache ändert das nichts: Deutschland steckt in einer Staatskrise.
Ich danke Herrn Streubel für seine Stellungnahme.
Gerhard Reischmann, Redaktionsleiter
PS: Man könnte noch hinzufügen: Die Krise unseres Volkes hängt auch mit der Glaubenskrise zusammen. Und ein Letztes: Das Asylrecht ist etwas Selbstverständliches. Wer verfolgt wird, dem muss man Schutz gewähren. Es ist ein Recht auf Zeit. Ein Gastrecht. Und kein Recht auf Einwanderung. Die Not anderswo ist dort zu beseitigen. Mit großzügigster Hilfe von uns. (rei)
Anm. d. DBSZ-Red.: Leserbriefe sind Meinungsäußerungen. Die Redaktion der Bildschirmzeitung akzeptiert ein breites Spektrum an Meinungen. Nicht veröffentlich werden extremistische, persönlichkeitsverletzende oder offensichtlich wahrheitswidrige Äußerungen.
Bevorzugt veröffentlichen wir Leserbriefe zu lokalen und regionalen Themen. Aber auch Meinungsäußerungen zu allgemeinen Themen, die die hiesige Leserschaft bewegen, werden gerne entgegengenommen.





























